Kinderkonzert Ein Märchen lockt in die klassische Musik

Howard Griffith, die Stuttgarter Philharmoniker und das Kinderpublikum  harmonieren im Gustav-Siegle-Haus perfekt miteinander. Foto: Georg Linsenmann
Howard Griffith, die Stuttgarter Philharmoniker und das Kinderpublikum harmonieren im Gustav-Siegle-Haus perfekt miteinander. Foto: Georg Linsenmann

Die Stuttgarter Philharmoniker bieten im Gustav-Siegle-Haus ein auf- und anregendes Kinderkonzert. Nicht nur die kleinen Besucher, sondern auch die Musiker haben einen Riesenspaß.

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S-Mitte - Spannend muss es sein, eine schöne, aufregende Geschichte bieten, hübsch anschaulich und den Ohren etwas zu bieten haben. Dann folgen auch Kinder einer Musik, die von einem klassisch besetzten Orchester geboten wird. Und zwar mit Begeisterung, wie beim Kinderkonzert des Orchesters der Landeshauptstadt zu erleben war. Und sogar dann, wenn nun erstmals auch eine deutsch-türkische Erzählversion präsentiert wurde.

Aber die Philharmoniker haben nicht nur spürbaren Spaß daran, dem musikalisch überaus ansprechbaren Nachwuchs das Musikmärchen „Die Hexe und der Maestro“ zu bieten, sie haben dafür auch den idealen Mann am Pult. Howard Griffiths hat nicht nur die Geschichte zur Musik von Fabian Künzli geschrieben, er ist auch ein Spaßvogel, der die Kinder ganz offensichtlich ins Herz geschlossen hat, was diese dann auch schnell merken und zurückgeben, wenn Griffiths die Kinder vorneweg zum Applaus bittet. Aber bitte nicht so lasch wie „beim FC Stuttgart“, wie er am Samstag zu einem Zeitpunkt monierte, als „Der VfB“ in Leverkusen noch mit drei Toren hinten lag. Also peitschen die Applaus-Fans die musikalische Mannschaft derart an, dass es am Ende im Siegle-Haus ganz bestimmt zu einem wunderbaren Sieg, wenn nicht gar Triumph der Musik reicht.

Ein einziger aufregender Klangkörper

Erst aber mal das Ganze. Mit leisem Sirren und Schwirren und anschwellendem melodischen Schwelgen der Streicher beginnend, Bläser gesellen sich hinzu, Klanghölzer und Klangstäbe, ein bisschen Percussion – und schon ersteht eine farbige Musik zwischen geheimnisvollem Piano und sattem Tutti-Akkord: Das Orchester wird als ein einziger, aufregender Klangkörper erlebbar. Was natürlich einen ersten Super-Super-Applaus nach sich zieht.

Dem Gros folgt das Detail, das unterschwellige, nie aber als solches spürbare, „pädagogische Programm“. Verpackt in eine Geschichte, in der das Orchester in einem Dorf wohnt, die Instrumentenfamilien hübsch verteilt in eigenen Häusern. Das größte davon ist natürlich der großen Streicherfamilie reserviert. Wie da die Töne erzeugt werden? Mit einem Bogen, in den rund 150 Haare aus Pferdeschwänzen gespannt sind: „Also wundert euch nicht,“ meinte Griffiths zu den jungen Lauschern, „wenn ihr in der Stadt Pferde ohne Schwanz seht“.

Oder eine Querflöte, die sich putzt und putzt, was der Piccolo so auf die Nerven geht, dass sie das eitle Getue trillernd verdrängt, sofort anderes Holz zur Seite hat, schließlich links und rechts flankiert vom Blech, das nicht nur auf den Mundstücken satten Brass serviert. Natürlich auch Fräulein Harfe, die „immer ein wenig angespannt ist“. Doch wenn sie eine Melodie anzupft und herrliche Arpeggien anstreichelt, wird es mucksmäuschenstill im Großen Saal. Und es gibt einen zarten, mit staunenden, mit großen Augen gegebenen Applaus – so gar nicht wie beim FC Stuttgart.

Die Hexe darf nur heimlich auf der Geige üben

Immer wieder werden die Details zum Ganzen gefügt und ausgefächert, im Stil einer Orchesterprobe und hübsch mit dem Ohr nachvollziehbar. Auch die Geschichte wird vorangetrieben. Mit einer Hexe, die dazwischenfunkt, aber tatsächlich nur aus Einsamkeit böse ist: Weil sie nur heimlich Geige üben und spielen darf. Gut, dass es den verständnisvollen Maestro gibt, sodass die Hexe sich schon bald ganz vorne am Pult ins große Orchester einreihen darf. So entsteht hier eine spannende, aufregende Geschichte – mit einer farbenprächtigen, mit Witz gespickten Musik, der nicht nur die kleinen Hörer gebannt folgen, sondern von der auch schon geübte Hörer etwas haben.

Was einen Super-Applaus nach sich zieht, mit dem die jungen Fans die Mannschaft noch einmal aufs Spielfeld locken. Da mutiert die Combo in Frack und Seide postwendend zur übermütigen Dixie-Band: Das ganze Musikerdorf ist auf der Straße, bläst und trommelt und streicht aus voller Lust. Und das ganze Dorf jauchzt und jubelt und feiert. So geht Kinderkonzert!




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