Kindermode aus Grafenau/Mexiko Kuscheltiere zum Anziehen

Sindu (links) und Rosalie Groß haben zusammen das Kindermodelabel Luanimals gegründet. Foto: tefanie Schlecht

Sindu und Rosalie Groß leben in Grafenau und Mexiko und produzieren mit ihrem Label Luanimals Kindermode, die Lehrer schmunzeln lässt, wenn sich im Unterricht der Rüssel meldet.

Böblingen: Leonie Schüler (lem)

Eine Freundin erzählte Rosalie Groß kürzlich, dass sie einen Flamingo in der Wilhelma gesehen habe. Was für einen Zoobesuch ganz gewöhnlich klingt, ist in diesem Fall besonders. Denn mit dem Flamingo meinte sie nicht jene flugunfähigen Vögel am Eingang, sondern ein Kind, das mit einem der T-Shirts herumrannte, die Rosalie und Sindu Groß mit ihrem Modelabel Luanimals herstellen. „Das ist immer total nett, wenn wir unsere Sachen irgendwo sehen“, sagt Rosalie Groß.

 

Wenn die Schwestern ihre Modekollektion ausbreiten, entsteht auch so etwas wie ein Zoo. Elefant, Zebra, Affe, Ente und Einhorn kommen dann zusammen. Denn die Luanimals-Kleider von Größe 50 bis 146 haben allesamt ein Tiermotiv. Nicht als Aufdruck, sondern aufgenäht. Was sie so besonders macht, sind die Ärmel, denn jedes Tier ragt dort hinein, mit Elefantenrüssel, Giraffenhals, Entenschnabel, Affenarm oder Haimaul.

Pendeln zwischen zwei Kontinenten

Die Ideen zu den niedlichen Oberteilen entspringen allesamt dem Kopf von Sindu Groß. „Ich explodiere vor Ideen“, sagt die 41-Jährige, die in Sigmaringen Modedesign studiert hat. Ihre Schwester übernimmt den betriebswirtschaftlichen Part. Beide Frauen leben teils in Grafenau, wo sie aufgewachsen sind, und teils in Mexiko, wo die Kleider produziert werden. Beide lieben das Leben zwischen zwei Kontinenten. „Wir kommen immer nach Hause, egal wohin wir fliegen“, sagt Rosalie Groß.

Wer Tiere liebt, liebt Luanimals. Foto: Stefanie Schlecht

Die Verbindung nach Mexiko besteht seit ihrer Studienzeit. Sindu machte dort ein Praktikum, Rosalie ein Auslandssemester. Mit den Abschlüssen in der Tasche reisten sie zusammen durch die Welt – und blieben in Mexiko hängen. „Wir haben uns dort einfach wohlgefühlt“, sagt Rosalie Groß. Dass sie zusammen ein Business gründen wollen, habe „immer schon“ festgestanden, „wir wussten nur noch nicht, was“. Ihre Verbindung ist eng, mit anderthalb Jahren Altersunterschied wuchsen sie wie Zwillinge auf. „Wir ergänzen uns gut: Bei mir herrscht kreatives Chaos, Rosi hat den Zug hinter allem“, sagt Sindu Groß.

2010 gründeten sie ihr Studio in Mexiko-Stadt und begannen zunächst mit der Produktion von Frauenkleidern, später kamen Männerhemden und Jungsoberteile hinzu, auf die sich schon manches Tier verirrte. Ein reines Kindermodelabel wurden sie 2014, als die Inhaberin eines Tierbedarfladens die Schwestern nach Mode mit Tiermotiven fragte. „Wir haben gemerkt, das ist ein Hingucker, was Außergewöhnliches, und man bedient eine Nische“, sagt Sindu Groß.

Dass der Schritt richtig war, merken die Schwestern jedes Mal, wenn sie in Deutschland Messen besuchen. Da gebe es Frauen, die einen Body kaufen, ohne ein Baby zu kennen, oder Kinder, die im Elefantenpulli herumrennen und „törööö“ rufen. Oder das Mädchen, das erzählt: „Meine Lehrerin lacht immer so, wenn ich mich mit dem Rüssel melde.“ Rosalie Groß gefällt: „Es ist wie ein Kuscheltier, das die Kinder immer dabei haben.“

Inzwischen gehören 30 verschiedene Tierarten zum Luanimals-Zoo. Alle Teile werden in Mexiko genäht, wo acht Näherinnen für die Groß-Schwestern arbeiten. Vor der Corona-Pandemie führten sie drei eigene Läden in Mexiko-Stadt, heute zwei Shop-in-Shop-Ladenflächen. In Deutschland läuft der Vertrieb über Messen und den Onlinehandel. Die Produktion an große Nähereien abzugeben, kam für sie nie infrage. „Wir wollen wissen, wer was macht.“

Qualität zum Vererben

Ihr Anspruch ist es, so gute Qualität herzustellen, dass auch Geschwister die Teile noch anziehen können. Der Wegwerfmentalität der Modebranche wollen sie Wertigkeit entgegensetzen und Wertschätzung für gute Arbeit. Deshalb bezahlen sie fair und beziehen ihren Baumwollstoff seit zehn Jahren vom selben mexikanischen Händler.

Ein neues Standbein der Schwestern ist der Verkauf ihrer Schnittmuster. „Die Idee kam, weil wir gemerkt haben, dass wir die Nachfrage nie komplett bedienen können“, sagt Rosalie Groß. Jedes Tiermotiv in jeder Farbe und Größe vorrätig zu haben, sei nicht machbar. Hinzu kam, dass in der Pandemie eine riesige Näh-Community entstand. Und ihnen gefällt, dass Leute Reststoffe oder Teile ihres Lieblingsshirts upcyclen können. „Es macht Spaß zu sehen, was die Leute aus unseren Schnittmustern nähen. Sie können jetzt genau ihren Hund aufnähen oder ihre Lieblingsfarbe nehmen“, sagt Rosalie Groß.

Auch für ihre Schwester ist es in Ordnung, ihre kreative Arbeit aus den Händen zu geben. „Erst dachte ich, die schnappen sich meine Ideen, aber weil ich gar nicht alles bedienen konnte, ist es wie ein Befreiungsschlag.“

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