Kinderreport 2023 Ein riesiges Problem – und niemand kümmert sich

Mit der Kindergrundsicherung wollte die Regierung Kinderarmut bekämpfen. Doch viel ist nicht mehr zu erwarten. Foto: Anspach/dpa/Uwe Anspach

Millionen von deutschen Kindern leben in Armut. Es wäre wichtig, das zu ändern. Aber das wird nicht passieren, meint Rebekka Wiese.

Berliner Büro: Rebekka Wiese (rew)

Viel Liebe, Zeit und Wertschätzung. Das ist alles, was ein Kind braucht – könnte man meinen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Was Kinder auch glücklich macht: mit Freundinnen ein Eis zu essen, im Sportverein zu sein, auf Klassenfahrt mitzukommen – und sich dabei nicht darum zu sorgen, wie sehr man die eigenen Eltern gerade belastet.

 

In Deutschland leben Millionen von Kindern, für die das nicht selbstverständlich ist. Jedes fünfte Kind ist von Armut bedroht. Das würden viele Menschen gern ändern. Das zeigt der neue Report des Kinderhilfswerks, der am Donnerstag vorgestellt wurde. Demnach finden drei Viertel der Befragten, dass der Staat noch nicht genug tue, um Kinderarmut zu bekämpfen. Mehr als 60 Prozent fände es sogar richtig, wenn die Steuern für diesen Zweck erhöht werden.

Es liegt am Staat

Das sind Ergebnisse, die Mut machen könnten. Doch Tatsache ist: Sie werden nichts ändern. Kinderarmut wird noch lange ein Problem in Deutschland bleiben. Und das liegt vor allem am Staat.

Seit Monaten versucht die Regierung, sich auf eine Kindergrundsicherung zu einigen – also auf das Instrument, mit dem die Ampelkoalition gegen Kinderarmut vorgehen will. Doch fast scheint es, als stünden nur noch die Grünen hinter der Idee – und sie wirken dabei zunehmend kraftlos. Die SPD zögert, sich auf eine ausreichende Finanzierung festzulegen. Und der FDP wäre es wohl recht, wenn sich das Projekt zu einer Verwaltungsreform zusammenschrumpfen ließe. Kurzum: Noch steht nicht fest, wie die Kindergrundsicherung aussehen wird. Aber der große Wurf ist nicht zu erwarten.

Kein politischer Wille

Liebe, Zeit und Wertschätzung sind wesentlich für eine gute Kindheit. Und es gibt auch glückliche Kinder in armen Familien. Aber sie sind strukturell benachteiligt in diesem Land. Je länger die Debatte um Kinderarmut läuft, desto deutlicher wird: Auf echte Unterstützung vom Staat können diese Kinder nicht hoffen. Dazu fehlt der politische Wille.

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