Kinderschutz-Apps im Test Kinderleicht – aber auch kindersicher?
Medienprofis von Kinderschutz-Apps sagen, die Kinder und Jugendliche beim Surfen und Daddeln unter Kontrolle halten sollen. Ein Überblick über die Stärken und Schwächen.
Medienprofis von Kinderschutz-Apps sagen, die Kinder und Jugendliche beim Surfen und Daddeln unter Kontrolle halten sollen. Ein Überblick über die Stärken und Schwächen.
Berlin - Auf dem Tablet die neue Folge „Paw Patrol“ schauen, kleine Videos auf Tiktok hochladen und mit Freunden über Whatsapp schreiben – Kinder wachsen heute in einer weitgehend digitalisierten Welt auf. Schon im Alter von acht bis neun Jahren sind knapp drei von fünf Kindern online. Und bei den Zwölf- bis 13-Jährigen nehmen mit 94 Prozent fast alle Kinder Online-Dienste in Anspruch. Das hat der Medienpädagogische Forschungsverbund 2019 ermittelt.
Doch damit sich die Kinder in den weiten der digitalen Welt zurechtfinden, brauchen sie Unterstützung. Nicht selten greifen Eltern dabei auf digitale Helfer zurück: Kinderschutz-Apps sollen helfen, die Kinder vor Darstellungen von Gewalt und Pornografie fernzuhalten und sie auch vor suchtgefährdenden Internetspielen zu schützen. Medienexperten und Verbraucherschützer sagen, wie sinnvoll diese Anwendungen sind.
Die Stiftung Warentest hat in der Septemberausgabe „Test“ neun Anwendungen getestet. Fazit: technisch laufen die Apps einwandfrei. Auch helfen sie dabei, einen Rahmen für die Mediennutzung zu definieren und zu kontrollieren. So können Eltern beispielsweise festlegen, wie lange Apps und Programme pro Tag genutzt werden dürfen. Ebenso können die Inhalte, auf die das Kind zugreifen oder eben nicht zugreifen darf, abgesteckt werden. Auch die Installation ist simpel: Die Kinder-App kommt auf das Handy der Jugendlichen, die Eltern wiederum können die Anwendung von ihrem Smartphone oder Tablet aus steuern.
Wer glaubt, mit diesen Apps sei das Kind vor den Schattenseiten des Internets bewahrt, hat weit gefehlt. „Die Apps protokollieren lediglich, was das Kind tut“, sagt Simone Vintz, Testleiterin bei Stiftung Warentest. „Umfassend schützen – etwa vor Anzüglichkeiten oder Cybermobbing – können sie nicht.“ Teilweise lassen sich die digitalen Sperrungen von versierten Kindern umgehen – beispielsweise bei der App „Qustodio“ für mehr als 40 Euro, die mit „Ausreichend“ bewertet wurde. Weiterer Knackpunkt: Bei vielen Kinderschutz-Anwendungen können die Onlinezeiten für Apps und Webseiten nicht unterschiedlich eingestellt werden. Auch Ulrike Karg, Leiterin der Geschäftsstelle Kindermedienland Baden-Württemberg, rät, die Apps nur als technische Ergänzung anzusehen – sich aber nicht ausschließlich darauf zu verlassen. „Als Eltern müssen wir uns stetig dafür interessieren, was unsere Kinder an Medien reizt, warum sie bestimmte Apps nutzen wollen und welche Gefahren mit machen Angeboten einhergehen.“ Das Kindermedienland ist eine Initiative, unter deren Dach zahlreiche Institutionen, Verbände und Einrichtungen gebündelt sind, die landesweit in der Medienpädagogik aktiv sind.
Eher weniger, lautet das nüchterne Fazit. „Wir hätten uns mehr Informationen für Eltern gewünscht“, sagt Simone Vintz. Beispielsweise Hinweise darauf, in welchem Alter man wie lange im Netz surfen sollte. „Wenigstens eine Liste mit Links zu offiziellen medienpädagogischen Seiten wäre hilfreich“, sagt Vintz. Einzig die PC-Kindersicherung der Firma Salfeld überzeugt mit kindgerechter Ansprache und annehmbarer pädagogischer Unterstützung für die Eltern. Andere Apps setzen auf Verbot und Kontrolle: Etwa die App „Famisafe“ von Wondershare. Mit dieser können Eltern sogar die Chatverläufe ihrer Kinder kontrollieren. „Das ist pädagogisch aber sehr fragwürdig“, sagt Vintz.
Knapp 20 Euro kostet die Jahreslizenz des Testsiegers: die Kindersicherung von Salfeld für Android-Smartphones, die von den Warentestern für „gut“ befunden wurde – weil sie nicht nur technisch, sondern auch pädagogisch überzeugt habe, so Simone Vintz. Die Gratis-App JusProg erhält eine gute Note für ihren Filter, um ungeeignete Webseiten zu blockieren und geeignete Seiten freizugeben. Kostenlos und dennoch akzeptabel sind die Programme von Google und Apple. Sie bieten etwa eine Zeitlimit für Spiele und eine Begrenzung der Surfzeit. Allerdings haben iPhone-Nutzer kaum eine Alternative zu den eingebauten Kinderschutzfunktionen: Das Apple-Betriebssystem erlaubt Apps von Dritten nicht, auf sicherheitsrelevante Funktionen zuzugreifen.
Einfach mal den Kindern über die Schulter schauen: „Lassen Sie sich zeigen, was sie im Internet machen“, sagt Ulrike Karg vom Kindermedienland Baden-Württemberg. „Bilden Sie sich ein eigenes Urteil und erklären Sie Ihren Kindern, warum manche Angebote nicht für Kinder geeignet sind.“ Wer ergänzend dennoch Apps zur Kindersicherung nutzt, sollte regelmäßig die Einstellungen nach dem individuellen Entwicklungsstand des eigenen Kindes anpassen. „Ergänzende Absprachen sollte man aber immer gemeinsam mit dem Kind treffen“, sagt Ulrike Karg. Das schafft Vertrauen.