Kindersozialarbeit in Zuffenhausen Streetwork für die Jüngsten

Von Bernd Zeyer 

Auch manche junge Kinder neigen zu Gewalt. Die mobile Kindersozialarbeit richtet sich an Mädchen und Buben im Alter zwischen 8 und 13 Jahren. Die Bezirksbeiräte möchten, dass in Zuffenhausen eine 100-Prozent-Stelle geschaffen wird.

Schon in jungen Jahren neigen manche Kinder zu Gewalt, sie richtet sich gegen Gleichaltrige, aber auch gegen Erwachsene. Mobile Kindersozialarbeit kann helfen. Foto:  
Schon in jungen Jahren neigen manche Kinder zu Gewalt, sie richtet sich gegen Gleichaltrige, aber auch gegen Erwachsene. Mobile Kindersozialarbeit kann helfen. Foto:  

Zuffenhausen - Einstimmig haben die Bezirksbeiräte in ihrer jüngsten Sitzung für einen SPD-Antrag votiert, in dem die Verwaltung aufgefordert wird, Geld für eine Vollzeitstelle für die Mobile Kindersozialarbeit in Zuffenhausen zur Verfügung zu stellen. Hintergrund für diesen Beschluss war ein Vortrag über die Erfahrungen der Mobilen Kindersozialarbeit in Freiberg/Mönchfeld.

„Es handelt sich vor allem um Kinder, die aus den klassischen Angeboten wie beispielsweise Vereinen herausgeflogen sind“, beschrieb Natascha Zöller, die Teamleiterin der Mobilen Jugendarbeit Freiberg/Mönchfeld, den Bezirksbeiräten die Zielgruppe der mobilen Kindersozialarbeit. Seit dem Jahr 2012 ist eine 50-Prozent-Mitarbeiterin unterwegs in Freiberg und Mönchfeld, auch in Weilimdorf ist eine 50-Prozent-Stelle geschaffen worden. Gefördert wird das Projekt noch bis Frühjahr 2020 mit Geldern aus dem Sozialministerium Baden-Württemberg.

Für manche Kinder ist die Straße ein wichtiger Lebensraum

Zöller berichtete, dass es sich beim Klientel um 8- bis 13-jährige Jungen und Mädchen handle, von denen die meisten ihren Lebensmittelpunkt im öffentlichen Raum hätten und deren Verhalten sehr auffällig sei. Auffällig, das bedeutet unter anderem, dass sich Jungs im Sporttraining oftmals prügeln und deshalb aus der Mannschaft fliegen oder dass Kinder ihre schwangere Betreuerin in den Bauch treten. Für Aufregung hatte auch ein Fall von Tierquälerei auf der Freiberger Jugendfarm gesorgt. „Manchmal kommen wir an unsere Grenzen“, sagte Zöller den Bezirksbeiräten.

Die mobile Kindersozialarbeit setzt auf regelmäßigen Kontakt im öffentlichen Raum, ihre Mitarbeiter tauchen regelmäßig an Schulen und Treffpunkten auf und bieten niederschwellige Angebote vor Ort wie Fußball oder Slackline. Schwerpunkt ist vor allem die Zeit nach 15 Uhr bis zur Dunkelheit. Angeboten werden sowohl Einzelfallhilfe als auch Gruppenarbeit. Von großer Bedeutung ist dabei auch die Vernetzung mit anderen Einrichtungen, denn so kann den Kindern aufgezeigt werden, welche Angebote es für sie gibt.

In Zuffenhausen gibt es Bedarf für mobile Kindersozialarbeit

Niat Habtom, die Teamleiterin der Mobilen Jugendarbeit in Zuffenhausen und Rot, betonte, dass auch hier Bedarf für mobile Kindersozialarbeit vorhanden sei. Da es viele Sozial- und Flüchtlingsunterkünfte im Bezirk gebe, würden viele Mädchen und Jungs ihre Zeit auf der Straße oder in engen Wohnsituationen verbringen. Ohnehin würden in Zuffenhausen im Vergleich zu anderen Bezirken zahlreiche Kinder in kleinen Wohnungen leben. Zudem könne der Betreuungsbedarf in den Klassenstufen fünf und sechs durch klassische Angebote an den Schulen nicht abgedeckt werden.

„Hut ab vor ihrer Leistung“, lobte FDP-Beirat Karlheinz Schmid. Auch die anderen Fraktionen zeigten sich mit dem Vortrag zufrieden. Einig war man sich ebenfalls darüber, dass es in Zuffenhausen ein ähnliches Angebot wie in Freiberg und Mönchfeld geben solle. Dem Antrag von SPD-Vertreter Alexander Mak stimmten alle zu: Das Jugendamt wird aufgefordert, in Zuffenhausen eine 100-Prozent-Stelle für die mobile Kindersozialarbeit einzurichten und diese, wenn möglich, paritätisch (männlich/weiblich) zu besetzen.

Sonderthemen