Kinderturnen in der Wilhelma Tierischer Spaß an Sport und Spiel

Von Caroline Leibfritz 

Die Wilhelma lockt nicht nur zum Tieregucken. Sie bietet auch Kindern eine Bewegungsanlage. Wer mitmacht, kann sich bei jeder Station einen Stempel abholen.

Im Kletterparcous wird es nicht langweilig. Foto: Michael Steinert
Im Kletterparcous wird es nicht langweilig. Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Flott wie ein kleines Äffchen hangelt sich die neunjährige Amira an einem Klettergerüst entlang, balanciert souverän über schmale Holzlatten und auch das Überqueren eines dünnen Seils bereitet ihr keinerlei Probleme. „Ich klettere einfach gern“, erzählt Amira. „Das mache ich oft auf dem Spielplatz, und ins Kinderturnen gehe ich auch.“ Amira und ihre fünfjährige Schwester Alima aus Filderstadt sind heute gemeinsam mit ihrer Mutter extra in die Wilhelma gekommen, um ein besonderes Angebot der baden-württembergischen Kinderturnstiftung zu nutzen. Denn anlässlich ihres Fünf-Jahr-Jubiläums hatte die Stiftung am Sonntag alle Kinder im Alter von fünf Jahren sowie eine Begleitperson in die Kinderturnwelt der Wilhelma eingeladen.

Dort konnten sich kleine und ältere Kinder an neun Bewegungsstationen nach Herzenslust austoben und sich über die Herkunft und besondere Stärken verschiedener Tierarten informieren. „Für jede Altersklasse gibt es einfachere oder schwierigere Bewegungsangebote“, erklärt die Geschäftsführerin der Kinderturnstiftung, Susanne Heinichen. „So sollen die Kinder motorische Erfahrungen sammeln, ihr Selbstbewusstsein stärken und Kraft, Koordination und Beweglichkeit schulen.“

Nach jeder Station gibt’s für die Kinder einen Stempel

Besonders gut, so Heinichen, kämen bei den Kleinen die Kängurustation mit Trampolinspringen, die Mufflonstation mit Hindernisparcours und die Affenstation mit Klettergerüst an. Auch die siebenjährige Susanne und die fünfjährige Pia haben bei den Affen offensichtlich besonders großen Spaß. Trotzdem wollen sie auf keinen Fall auch nur eine der neun Bewegungsstationen verpassen. „An jeder Station können sich die Kinder einen Stempel abholen, dafür gibt’s dann später eine Urkunde“, erzählt der Vater der beiden Schwestern, Christoph Garn aus Filderstadt. „Darauf sind sie besonders scharf.“

Dem fünfjährigen Max haben es hingegen eher die Hasen angetan. Er übt schon mal, wie ein Häschen zu hoppeln. „Es sieht zwar eher nach Frosch aus, aber Hauptsache, er hat Spaß“, witzelt sein Vater Peter Zeuner. Er und seine Frau Ingeborg sind mit Max extra aus Ditzingen (Kreis Ludwigsburg) gekommen, um die Kinderturnwelt in der Wilhelma zu besuchen. Zwar, so erzählen sie, treibe ihr Sohn bereits regelmäßig Sport wie Kinderturnen, Mountainbikefahren oder Skifahren. Dennoch hätten sie die Gelegenheit, in die Wilhelma zu kommen, gerne genutzt. „Ich finde es gut, dass es solche Angebote gibt“, sagt Ingeborg Zeuner. „Schließlich ist es wichtig, dass sich die Kinder bewegen. In unserer Region gibt es für unter Fünfjährige aber leider nur wenig.“

700 000 Euro hat die Stiftung in die Bewegungsanlage gesteckt

Angebote wie die Kinderturnwelt immer weiter zu optimieren und auch an anderen Standorten einzurichten gehört zu den Zielen der baden-württembergischen Kinderturnstiftung. Die Bewegungsanlagen in der Wilhelma, in die die Stiftung 700 000 Euro investiert hat, gibt es seit April 2011. Laut dem Vorstand der Kinderturnstiftung, Robert Baur, werden die Stationen in der Wilhelma pro Jahr von etwa 600 000 bis 700 000 Kindern genutzt. Daher sei es wünschenswert, ein solches Angebot auch in anderen Zoos zu schaffen und beispielsweise Spielplätze mit sinnvollen Spielgeräten auszustatten.

„Wir möchten erreichen, dass allen Kindern im Land motorische Grundlagen vermittelt werden“, erklärt Robert Baur. Dazu, so Baur, müssten aber zunächst Eltern, Kinderbetreuer und Entscheidungsträger für das Thema sensibilisiert werden.

„Kinder, die sich bewegen, sind auch in der Schule fitter“

Bei ihrer Arbeit unterstützt wird die Kinderturnstiftung unter anderem vom Schwäbischen und Badischen Turnerbund. Denn auch bei den Verbänden sieht man die Notwendigkeit, die motorische Entwicklung von Kindern nachhaltig zu fördern. „Die Kinder sind heute zeitlich einfach eingespannter, sitzen viel vor dem PC oder beschäftigen sich mit dem Handy statt sich zu bewegen“, sagt Wayne Jaeschky vom Schwäbischen Turnerbund. „Dabei sind Kinder, die sich bewegen, auch in der Schule fitter. Das zeigen neueste Studien.“