Kindesmissbrauch vertuscht? Australischer Erzbischof wieder frei

Von Barbara Barkhausen 

Der frühere australische Erzbischof Philip Wilson ist von dem Vorwurf, sexuellen Missbrauch durch einen Priester vertuscht zu haben, freigesprochen worden. Ein Berufungsgericht setzte den 68-Jährigen auf freien Fuß.

Freispruch in der zweiten Instanz: Der frühere Erzbischof Philip Wilson ist im Juli 2018 wegen Vertuschung von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche zu zwölf Monaten Hausarrest verurteilt worden. Foto:  
Freispruch in der zweiten Instanz: Der frühere Erzbischof Philip Wilson ist im Juli 2018 wegen Vertuschung von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche zu zwölf Monaten Hausarrest verurteilt worden. Foto:  

Sydney - Ein Berufungsgericht in Australien hat den Schuldspruch gegen den ehemaligen Erzbischof von Adelaide aufgehoben. Philip Wilson war im Juli zu zwölf Monaten Hausarrest verurteilt worden, weil er Kindesmissbrauch vertuscht haben soll. Nach vier Monaten kommt der Geistliche nun frei.

Die Stimmung im Gerichtssaal war nach dem Freispruch emotional. „Bullshit, das ist eine Schande“, rief einer der Zuschauer im Saal. Der australische Berufungsrichter begründete den Freispruch damit, dass Wilson sich als „ehrlicher und beständiger Zeuge“ präsentiert habe und er als Richter berechtigte Zweifel hege, dass der Geistliche über den Missbrauch Bescheid gewusst habe.

Der Australier Peter Creigh war als Kind in den 70er Jahren wiederholt von dem pädophilen Priester James Fletcher missbraucht worden und hatte nach seinen Aussagen Wilson vergeblich um Hilfe gebeten. Creigh hatte im ersten Prozess gesagt, er wolle Wilson eingesperrt sehen, um eine Botschaft an religiöse Führer zu senden, dass institutionelle Vertuschungen nicht mehr toleriert werden. Creigh selbst war nach dem Freispruch Wilsons laut lokaler Medienberichte in Tränen aufgelöst und wollte nichts kommentieren.

Wilson war im Juli zu zwölf Monaten Hausarrest verurteilt worden.

Der frühere Erzbischof war im Juli zu zwölf Monaten Hausarrest verurteilt worden. Die maximale Strafe für die Vertuschung von Kindesmissbrauch beträgt in Australien zwei Jahre Gefängnis. Doch das Gericht entschied sich damals wegen des Alters und Gesundheitszustands des Geistlichen für Hausarrest als Strafe. Wilson blieb zunächst auch als Erzbischof im Amt, trat aber später von seinem Amt zurück. Das Berufungsgericht hob nun die verbleibende Strafe nach dem Freispruch auf.

Wilson hatte die Monate im Haus seiner Schwester verbracht. Er musste am Donnerstag nicht persönlich im Gericht erscheinen, sondern wurde über Video dazu geschaltet, um ihm den Auflauf an Medienvertretern zu ersparen.

Die katholische Kirche steht in Australien seit Jahren in der Kritik. Zahlen von Missbrauchsfällen, die im Februar 2017 von einer Untersuchungskommission der australischen Regierung veröffentlicht wurden, berichteten von rund 4440 Menschen, die als Kinder zwischen 1950 bis 2010 von katholischen Priestern missbraucht worden sein sollen. Wilson ist zudem nicht der einzige ranghohe Geistliche, der vor Gericht musste: Kardinal George Pell, ein Vertrauter des Papstes, muss sich ebenfalls wegen historischen Kindesmissbrauchs vor einem australischen Gericht verantworten.