Kinetischer Sand in der Kritik Berichte über asbestbelasteten Spielsand: So reagieren Kitas im Rems-Murr-Kreis

Kinetischer Spielsand wird in vielen Kitas verwendet. Internationale Berichte haben zuletzt Fragen zur Sicherheit solcher Produkte aufgeworfen (Symbolbild). Foto: imago/Depositphotos

Berichte über mit Asbest verunreinigten Spiel- und Bastelsand werfen Fragen auf. Kitas im Rems-Murr-Kreis prüfen und äußern sich zu der Thematik – so ist der Stand der Dinge.

Rems-Murr: Chris Lederer (cl)

Kneten, formen, rieseln lassen – kinetischer Spielsand gehört in vielen Kindertagesstätten zur Ausstattung und ist auch in manchem Kinderzimmer verbreitet. Berichte über mit Asbest verunreinigten Spiel- und Bastelsand aus dem Ausland haben zuletzt Verunsicherung ausgelöst.

 

So wurde im November vergangenen Jahres in Australien und Neuseeland von mit Asbest verunreinigtem Spiel- und Bastelsand berichtet. In den Niederlanden und Belgien wurden im vergangenen Februar Spiel- und Bastelsandprodukte mit Asbestspuren gefunden und Produkte vorsorglich vom Markt genommen sowie vom Einzelhandel zurückgerufen. Bei allen betroffenen Produkten handelte es sich laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung um kleine Mengen Spiel- und Bastelsand (farbig, „magisch“, knetbar/kinetisch), die oftmals über den Onlinehandel erworben wurden. Die Rückrufe hätten auch mit Sand gefüllte dehnbare Spielfiguren betroffen, ergänzt das Institut und stellt klar: Spiel- und Bastelsand unterscheidet sich von Sand für Buddelkästen. Dieser sei nicht betroffen.

Rems-Murr-Kreis: Behörden sehen derzeit keine Hinweise

Für den Rems-Murr-Kreis ergibt sich daraus nach Angaben der Behörden bislang jedoch kein entsprechender Befund. Wie das Landratsamt des Rems-Murr-Kreises mitteilt, liegen derzeit keine Hinweise darauf vor, dass in Kindertageseinrichtungen oder Schulen im Kreis möglicherweise belasteter Spiel- oder Bastelsand verwendet wurde. Auch bei dem für die Marktüberwachung zuständigen Regierungspräsidium Tübingen seien bislang keine entsprechenden Hinweise bekannt geworden.

Mehrere Städte im Kreis haben auf die internationalen Berichte reagiert, ihre Einrichtungen informiert und die verwendeten Materialien überprüft. Die Rückmeldungen fallen dabei unterschiedlich aus.

Fellbach: Kinetischer Sand nur vereinzelt im Einsatz

In Backnang teilt die Stadtverwaltung mit, dass in den Einrichtungen „verschiedene Materialien für kreatives Spiel“ zum Einsatz kommen. Entscheidend seien dabei „die Einhaltung der europäischen Spielzeugnormen sowie das Vorhandensein der CE-Kennzeichnung“, um gesundheitliche Risiken auszuschließen.

Die internationalen Berichte nehme man zum Anlass, die Einrichtungen „präventiv noch einmal für dieses spezifische Thema zu sensibilisieren“. Auffälligkeiten oder Beschwerden habe es bislang nicht gegeben, ebenso wenig Hinweise auf problematische Produkte in städtischen Einrichtungen. Man bleibe „im engen Austausch mit unseren Kita-Leitungen, um auch weiterhin ein sicheres Umfeld für die Kinder zu gewährleisten“.

Kinetik-Sand ist bei Kindern beliebt, muss aber unbelastet sein (Symbolfoto). Foto: Daniel Karmann/dpa/dpa-tmn

In Fellbach stehe kinetischer Sand „nur in sehr wenigen unserer städtischen Einrichtungen für die Kinder als Spielmaterial zur Verfügung“, teilt die Verwaltung mit. Gefärbten Sand setze keine der kommunalen Einrichtungen ein. „Wir haben unsere Einrichtungen informiert und um detaillierte Überprüfung gebeten“, teilt die Pressestelle auf Nachfrage mit. „Es liegen bis dato keine Hinweise auf die Verwendung problematischer Produkte vor.“ Die jeweiligen Hersteller des Sandes hätten aufgrund der Berichte in jüngster Vergangenheit „nachdrücklich versichert, dass dieser gesundheitlich unbedenklich ist“. „Wir werden die Entwicklungen sorgfältig im Auge behalten und bei Zweifeln an der Sicherheit der Kinder und Mitarbeitenden selbstverständlich reagieren, was im Moment nicht erforderlich ist.“

Schorndorf: Kein Einsatz in städtischen Einrichtungen

Aus Schorndorf wird auf Anfrage zu kinetischem Sand knapp mitgeteilt: „Nein, in unseren städtischen Einrichtungen wird dieser nicht verwendet.“ Eine Überprüfung habe „in Form einer Abfrage bei den Einrichtungen stattgefunden“.

Auch die Stadt Winnenden verweist auf eine Information an ihre Einrichtungen: „Wir haben bereits am 23. Februar unsere Kitas über die Stellungnahme der Verbraucherzentrale zum Thema Modelliersand informiert und auf die dort empfohlene Vorgehensweise hingewiesen“, heißt es vonseiten der Verwaltung. „Auf unsere Information hin wurde uns aus keiner Einrichtung gemeldet, dass ein entsprechender Modelliersand verwendet wurde.“

Ein anderes Bild ergibt sich in Weinstadt. Dort heißt es: „Kinetischer sowie gefärbter Spiel- und Bastelsand verschiedener Hersteller wird in den meisten städtischen Kindertageseinrichtungen verwendet.“ Vor dem Hintergrund der aktuellen Berichte wurden die 17 Einrichtungen sensibilisiert und hätten ihre Bestände überprüft. „In etwa der Hälfte der Einrichtungen werden keine dieser Produkte eingesetzt oder solche, deren Unbedenklichkeit nachgewiesen ist“ so die Weinstädter Pressestelle. „In allen anderen Fällen wird der Sand vorsorglich entsorgt.“

Keine belastbaren Daten für Risikobewertung

Für Deutschland gibt es nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) bislang keine bestätigten Meldungen mit belastbaren Daten zu asbesthaltigen Spiel- und Bastelsandprodukten, die regulär im Handel waren; einzelne Artikel wurden jedoch vorsorglich zurückgerufen. Laut BfR fehlen derzeit sowohl Befunde als auch Messwerte, die eine gesundheitliche Bewertung erlauben. Eine Risikoeinschätzung sei deshalb nicht möglich. Sobald belastbare Informationen vorliegen, will das Institut die Risiken prüfen. Die Bewertung einzelner Produkte gehört nicht zu seinem Auftrag.

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