Kinokritik: Captain Marvel Eine Superheldin ringt mit Emotionen

Von Martin Schwickert 

Zwei Jahre nach „Wonder Woman“ wagt sich auch Marvel an eine Superheldin – leider nur halbherzig.

Ihre Fähigkeiten sind gefragt: Brie Larson als Superheldin Captain Marvel Foto: Verleih 17 Bilder
Ihre Fähigkeiten sind gefragt: Brie Larson als Superheldin Captain Marvel Foto: Verleih

Stuttgart - In Sachen heroischer Gleichberechtigung hinkt Marvel hinterher. 2017 zeigte der Konkurrent DC mit „Wonder Woman“ eindrücklich, dass auch Heldinnen im Kino reüssieren, nun präsentiert ebenso Marvel eine Superheldin. Der Film beginnt auf dem Planeten Hala, wo die angehende Heldin zur Kriegerin ausgebildet wird. „Es gibt nichts Gefährlicheres für einen Krieger als Gefühle“, sagt ihr Mentor Yon-Rogg (Jude Law). Wie vielen Frauen wird auch ihr die eigene Emotionalität vorgeworfen, die einen Aufstieg behindert. Damit ist gleich die Aufgabenstellung formuliert, denn gerade durch die Wertschätzung der eigenen Gefühle kann Vers (Brie Larson) ihre Kräfte potenzieren. Aber bis dahin ist es ein weiter Weg, denn sie leidet an starker Amnesie. In Begleitung des SHIELD-Agenten Fury (digital verjüngt: Samuel L. Jackson) muss sie sich auf der Erde nicht nur diverser Außerirdischer erwehren, sondern auch die eigene Vergangenheit als Air-Force-Pilotin in einem geheimen Militärprojekt erforschen.

Zwischen halsbrecherischer Action und Selbstbesinnung hängt Anna Bodens und Ryan Flecks „Captain Marvel“ und kann auf keiner Ebene wirklich überzeugen. Nach chaotischer Exposition dringt der Film viel zu spät zum emotionalen Kern vor, der keine romantische Verwicklung ist, sondern die enge Freundschaft der Heldin zu ihrer Ex-Co-Pilotin. „Ich muss dir nichts mehr beweisen“, sagt Vers nach vollbrachter Selbstfindung zu ihrem früheren Mentor und schleudert ihn per Laserstrahl durch die Landschaft. Das ist nicht nur eine griffige Frauenpower-Geste, sondern auch das Selbstbekenntnis eines Films, der sich nicht mit anderen messen will. Aber natürlich liegt der Vergleich mit „Wonder Woman“ auf der Hand, mit dem dieses sehr halbherzige feministische Pilotprojekt aus dem Hause „Marvel“ nicht mithalten kann.

Captain Marvel. USA 2019. Regie: Anna Boden, Ryan Fleck. Mit Brie Larson, Samuel L. Jackson, Jude Law. Ab 12 Jahren. Cinemaxx City & SI, Gloria, Ufa