Kinokritik: David Copperfield Ein frischer Blick auf Charles Dickens

Von Kathrin Horster 

Der Klassiker „David Copperfield“ kommt neu verfilmt ins Kino – als schräge Tragikomödie und mit einer starken Besetzung.

Dev Patel spielt die Titelrolle in „David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück“ Foto: eOne/Paramount 18 Bilder
Dev Patel spielt die Titelrolle in „David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück“ Foto: eOne/Paramount

Stuttgart - Bei seiner Geburt hat David Copperfield fast alles, was sich ein Kind nur wünschen kann: eine gute Mutter, ein Zuhause und Menschen wie die nette Haushälterin Peggotty (Daisy May Cooper) oder die lustige Tante Betsey Trotwood (Tilda Swinton), die helfen, wenn es nötig ist. Doch David hat keinen Vater mehr, weshalb seine früh verwitwete Mutter Clara (Morfydd Clark) den grimmigen Mr. Murdstone (Darren Boyd) heiratet.

Besetzung rein nach Charakter

Mit dieser Zäsur im Leben des kleinen David (Jairaj Varsani) beginnt dessen langer, schwieriger Weg ins Erwachsenenleben, beschrieben vom britischen Schriftsteller Charles Dickens in seinem autobiografisch inspirierten Werk „David Copperfield“, das der Filmemacher Armando Iannucci („The Death of Stalin“) nun in einer erstaunlich frischen Klassikerverfilmung auf die Leinwand bringt. In den wesentlichen Handlungszügen hält sich Iannucci an die Vorlage, er besetzt seine Figuren aber nicht mit einer Riege weißer Darsteller, sondern erweist sich als farbenblinder Erzähler.

Was auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint, ist auf den zweiten logisch: Iannucci schaut nicht auf äußere, sondern nur auf charakterliche Merkmale. So verkörpern Dev Patel als erwachsener David Copperfield oder Nikki Amuka-Bird als großbürgerliche Mrs. Steerforth eben nicht weiße Vertreter bestimmter, prototypischer Gesellschaftsschichten des 19. Jahrhunderts, sondern Menschen mit individuellen Eigenschaften, unabhängig von nationalen oder ethnischen Zuschreibungen.

Schräger Humor

Darüber hinaus überzeugt der schräge Humor des Films, obwohl David schon als Kind triste Erfahrungen macht, wie die Arbeit in einer frühindustriellen Flaschenmanufaktur und den jähen Verlust der Mutter durch eine nicht näher genannte Krankheit. Iannucci vermittelt den berühmten Klassiker zeitgemäß und in detailreichen, schönen Bildern. Dickens fürs 21. Jahrhundert!

David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück. Großbritannien, USA 2019. Regie: Armando Iannucci. Mit Dev Patel, Tilda Swinton, Nikki Amuka-Bird, Hugh Laurie. 119 Minuten. Ab 6 Jahren.



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