Kinokritik: „Der Hunderteinjährige“ nach Jonas Jonasson Schwunglose Fortsetzung des Seniorenspektakels

Von Kathrin Horster 

Jonas Jonassons Schelmenroman „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ führte vor, wie lustig das Greisenleben sein kann. Auch die Verfilmung kam gut an. Der Fortsetzung fehlt nun der Schwung.

Allan (Robert Gustafsson) weiß, welcher Herrenschmuck jünger macht. Foto: Verleih
Allan (Robert Gustafsson) weiß, welcher Herrenschmuck jünger macht. Foto: Verleih

Stuttgart - Altwerden ist nichts für Feiglinge. Man sieht immer öfter die Namen der besten Freunde in Stein gemeißelt auf dem Friedhof. Aber Altwerden ist nicht bloß eine frostige Zeit der Widrigkeiten. Mit Allan Karlsson, dem Titelhelden des 2009 erschienenen Romans „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“, führte der schwedische Autor Jonas Jonasson vor, wie lustig auch das Greisenleben sein kann. Der Schelmenroman traf den Nerv von Lesern jeden Alters. Felix Herngrens gleichnamige Verfilmung schnitt beim Publikum ebenfalls gut ab.

Jonasson hat den ollen Haudegen Karlsson trotz seiner Beliebtheit bislang nicht wiederbelebt. Der Regisseur Herngren aber versucht nun mit seinem Bruder Mans zusammen, an den schon fast verjährten Erfolg anzuknüpfen. Er bringt mit „Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand“ eine frei fabulierte Fortsetzung auf Basis von Jonassons Charakterschöpfung ins Kino.

Seit dem letzten Abenteuer hat sich Allan (Robert Gustafsson) mit Kumpel Julius (Iwar Wiklander) auf Bali niedergelassen und das seinerzeit einer Rockergang abgeluchste Vermögen verjubelt. Pleite und gelangweilt, begeht er nun mit dem Paar Benny (David Wiberg) und Miriam (Shima Niavarani) seinen einhundertersten Geburtstag. Anlässlich des Ehrentages köpft er die absolut letzte Flasche der legendären „Volkssoda“ – ein Softdrink aus russischer Produktion, gebraut in der Zeit des Kalten Krieges. Schon nach dem ersten Schluck ist Miriam von der Kommunistenbrause abhängig und will mehr. Also machen sich Allan und Julius auf, um das verschollene Rezept des Gesöffs in Berlin, Moskau und Malmköping zu suchen.

Ein leider ziemlich wirres Geflecht aus Anekdoten

Das klingt ein bisschen nach einer herztropfenbedürftigen Variante von „Indiana Jones – Jäger des verlorenen Schatzes“. Tatsächlich wildern die Herngren-Brüder unter hinlänglich bekannten Erzählmustern. Im Kern funktioniert die Fortsetzung der Rentnergaudi nach denselben Gesetzen wie der erste Teil. Das Drehbuch springt zwischen Allans Gegenwart und Vergangenheit hin und her und entwickelt ein auf den ersten Blick komplex erscheinendes, in Wirklichkeit leider ziemlich wirres Geflecht aus Anekdoten.

Im Hier und Jetzt schlagen sich die Helden mit alten Bekannten wie einem Handlanger der Rocker-Gruppe aus dem Vorgängerfilm herum. Außerdem wird die CIA auf Allan und Julius aufmerksam und hält im verschlafenen Malmköping einen dusseligen Polizeibeamten auf Trab. Etwas interessanter erzählen die in der Vergangenheit angesiedelten Episoden von der weltpolitischen Bedeutung der Wunderbrause, die Leonid Breschnew Anfang der Siebziger gegen Nixon, Coca-Cola und Westraketen in Stellung bringt.

Doch Mans und Felix Herngren haben die zahlreichen Verästelungen der Geschichte nicht im Griff. Die abrupten Zeit- und Ortswechsel sowie mancher arg flache Witz täuschen nicht darüber hinweg, dass es an Schwung und Originalität mangelt. Zu konstruiert und diffus bleibt Allans Verwicklung als Doppelspion im Machtkampf zwischen Breschnew und Nixon. Die Herngrens wärmen Jonassons Ideen auf, haben aber kaum frische und eigene.