Kinokritik: Der Oscar-Favorit „The Favourite“ Frauen und ihre Würde

Rachel Weisz,  Olivia Colman in „The Favourite“ Foto:   10 Bilder
Rachel Weisz, Olivia Colman in „The Favourite“ Foto:  

In finsterer Zeit jagen drei Frauen ihr Glück in dieser Komödie, die für zehn Oscars nominiert ist.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Für eine unbegleitete Dame wie Abigail (Emma Stone) birgt das Reisen im 18. Jahrhundert Risiken. Die Landadelige wird von einem Rüpel aus der Kutsche in einen Misthaufen gestoßen. Versaut sind Frisur und schöne Kleider – ein Vorgeschmack auf das, was ihr noch blüht. Yorgos Lanthimos’ Meisterwerk „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ zeigt eine Zeit, in der Frauen wenig respektiert und von Männern bedrängt wurden, bedroht vom frühen Tod im Kindbett und ohne Rechte. Abigail will sich nicht fügen in ihr weibliches Schicksal. Als Cousine von Queen Annes (Olivia Colman) Vertrauter Lady Sarah (Rachel Weisz) sucht sie eine Position am Hof. Doch Sarah ist eine kalte Frau mit Ambitionen, sie nutzt aus, dass die Königin zu schwach ist für komplizierte Regierungsgeschäfte. Als Abigail herausfindet, dass Sarah und Anne eine nicht nur platonische Zuneigung verbindet, setzt sie alles daran, ihre Cousine auszustechen.

Auffällig viele Filme aus den USA stellen derzeit Frauen ins Zentrum der Handlung – vielleicht eine Nachwirkung der Metoo-Debatte, eine Art Wiedergutmachung der Branche. Doch Lanthimos läuft keinem Trend hinterher, anders als etwa Josie Rourke in „Maria Stuart“ zwingt der Grieche vergangene Verhältnisse nicht in den aktuellen Zeitgeist. „The Favourite“ ist irre lustig, mal elegant, mal deftig, und frei von feministischer Gewichtigkeit. Gleichwohl sind die Protagonistinnen Opfer ihrer Zeit: Abigail wurde zum Ausgleich der Schulden ihres Vaters an einen Deutschen verschachert, Queen Anne ist traumatisiert von diversen Totgeburten und grausigen Krankheiten. Alle drei haben sexuellen Missbrauch erlebt. Umso härter behaupten sie sich gegen Männer, die Lanthimos als Tölpel oder Lackaffen zeichnet.

So spritzig und ästhetisch reizvoll werden fremde Epochen selten inszeniert. Lanthimos hat einen der schönsten und intelligentesten Filme seit Langem geliefert, er setzt den Frauen ein Denkmal, die selbst in der tiefsten Güllegrube Würde bewahren – und alle dürfen nun auf Oscars hoffen.




Unsere Empfehlung für Sie