Kinokritik: Dieses bescheuerte Herz Ein Partylöwe wird gezähmt

Von Wolfram Hannemann 

Elyas M’Barek spielt einen Schnösel aus reichem Hause, der sich nach einem Fehltritt um einen todkranken Teenager kümmern soll. Die Erfahrung wird heilsam für beide in diesem deutschen Drama.

Elyas M’Barek (links) und Philipp Noah Schwarz in „Dieses bescheuerte Herz“ Foto: Verleih
Elyas M’Barek (links) und Philipp Noah Schwarz in „Dieses bescheuerte Herz“ Foto: Verleih

Stuttgart - Als sein angetrunkener Nichtsnutz von Sohn den Sportwagen im Pool der elterlichen Villa versenkt, dreht ihm der Herr Papa, ein erfolgreicher Chirurg, den Geldhahn zu. Der Partylöwe soll lernen, Verantwortung zu übernehmen – und sich um David kümmern, einen Patienten seines Vaters. Der 15-Jährige kam mit einem Herzfehler und weiteren Gebrechen zur Welt und wird vermutlich seinen 16. Geburtstag nicht erleben. Widerwillig lässt sich Lenny auf den Deal ein, der beide für immer verändern wird.

Regisseur Marc Rothemund erzählt die wahre Geschichte der Freundschaft zwischen einem Schnösel aus reichem Hause und einem todkranken Teenager, die sich für beide als heilsam erweist. Dabei verzichtet er weitgehend auf Rührseligkeit und Kitsch, was er vor allem dadurch erreicht, dass er Filmmusik nur sehr reduziert einsetzt. Wenn die beiden allerdings Davids Liste unerfüllter Wünsche abarbeiten, drängt sich eine Frage auf: Wie soll das gehen ohne entsprechendes finanzielles Polster? Dieses Problem hatte schon Rob Reiners Todeskandidaten-Tragikomödie „Das Beste kommt zum Schluss“ (2007) mit Jack Nicholson und Morgan Freeman. Im Film ist die Antwort einfach: Damals spielte Nicholson einen Millionär, jetzt ­finanziert Lennys reicher Vater die Sache.

Ein stimmiges Ensemble sorgt für Unterhaltungswert

Man kann also auch Rothemunds Film als Märchen für Erwachsene ansehen, allerdings ist es eines mit großem Unterhaltungswert. Das liegt vor allem am stimmigen Ensemble. Elyas M’Barek überzeugt in der Rolle des Lebemanns, der zum fürsorglichen großen Bruder mutiert, und Philip Noah Schwarz verkörpert den aufgeweckten David mit sehr viel Elan. Die eigentliche Überraschung im Film ist jedoch Nadine Wrietz, die als Davids Mutter gegen den Strich besetzt ist mit ihrer Rubens-Figur .

Dieses bescheuerte Herz. Deutschland 2017. Regie: Marc Rothemund. Mit Elyas M’Barek, Philip Noah Schwarz, Nadine Wrietz. 106 Minuten. Ohne Altersbeschränkung. Cinemaxx (City & SI), Metropol, Ufa