Kinokritik: Ein Gauner & Gentleman Robert Redford sagt leise Servus

Robert Redford  (82) nimmt Abschied von der Leinwand Foto: Verleih
Robert Redford (82) nimmt Abschied von der Leinwand Foto: Verleih

Robert Redford zeigt als charmanter Bankräuber ein letztes Mal, wieso die Kamera und das Publikum ihn so lieben.

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Stuttgart - Forrest Tuckers Berufsgeheimnisse sind Höflichkeit und Bescheidenheit. Wenn der Alte lächelnd eine Bank ausraubt, stiehlt er so geringe Beträge, dass der Überfall den Lokalnachrichten nicht einmal eine Meldung wert ist. Als ihm der Polizist John Hunt (Casey Affleck) auf die Schliche kommt, machen Tucker (Robert Redford) und seine Kumpanen Teddy (Danny Glover) und Waller (Tom Waits) als „Altherrengang“ Schlagzeilen. Anfang der 1980er Jahre erleichtern sie 60 Banken um ein paar Hände voll Dollar, stets adrett ­gekleidet und auf leisen Sohlen.

Forrest Tucker gab es wirklich. Mit 15 Jahren saß er das erste Mal ein, er brach aus 18 Gefängnissen aus, starb 2004 hinter Gittern. Der charmante Gentlemangangster, der seine Waffe nie zieht, sondern nur den Angestellten zeigt, ist einer, wie ihn das Kino liebt, und wie gemacht für Robert Redford. Der hat seinen Rückzug angekündigt – und dies ist ein würdiger Abschied.

Parallel zum Krimi eine Liebesgeschichte

David Lowery, der mit Redford bereits bei „Elliot, der Drache“ (2016) zusammenarbeitete, ist der perfekte Regisseur und Drehbuchautor dafür. Parallel zum Krimi entspinnt Lowery eine zärtliche Liebesgeschichte zwischen Tucker und der Zufallsbekanntschaft Jewel (wundervoll: Sissy Spacek). Auf grobkörnigem 16-Millimeter-Material gedreht und mit sanftem Jazz unterlegt, wirkt „Ein Gauner & Gentleman“ wie aus der Zeit gefallen. Mit den nervösen Verfolgungsjagden alter Polizeifilme hat das nichts zu tun. Lowery erzählt gemächlich und elliptisch, spart Höhepunkte aus, führt den Showdown ad absurdum.

Die Hauptfigur hat mehr mit all den freiheitsliebenden Rebellen aus der Filmografie des Hauptdarstellers gemein als mit dem echten Forrest Tucker, und Lowery webt Anspielungen auf Redfords Karriere ein. Dessen augenzwinkernder Charme wird der Leinwand fehlen.




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