Kinokritik: Eine ganz heiße Nummer 2.0 Tanzen für die Glasfaser

Von Wolfram Hannemann 

Telefonsex war gestern, auch die Bayern wollen nun schnelles Internet in „Eine ganz heiße Nummer 2.0“.

Bringt das Schweinchen Glück? Rosalie Thomass in bayerischer Idylle Foto: Verleih 6 Bilder
Bringt das Schweinchen Glück? Rosalie Thomass in bayerischer Idylle Foto: Verleih

Stuttgart - Marienzell steht vor dem Aus: die kleine bayerische Gemeinde verliert immer mehr Einwohner – weil sie keinen Highspeed-Interneanschluss hat. Also legen die Verbliebenen selbst Hand an, um einen Graben hin zum nächsten Verteilerkasten zu schaufeln.

Lena, Waltraud und Maria, die einst mit ihrer Telefonsexfirma das ganze Dorf aufgemischt haben, verfolgen eine ganz andere Idee. Würden sie den Tanzwettbewerb im Nachbardorf gewinnen, hätten sie genügend Startkapital, um den Glasfaseranschluss selbst zu finanzieren. Und schon sind die sehr unterschiedlichen „Highspeed Ladies“ mitten in den Proben für ihre Nummer: „Voulez-vous coucher avec moi?“. Dumm nur, dass sie alle nicht richtig tanzen können . . .

Die Erotik ist allen ein wenig verloren gegangen

Eine köstliche kleine Szene bringt das Verhältnis von Waltraud (Gisela Schneeberger) und ihrem Gatten Heinz (Felix von Manteufel) auf den Punkt. Als sie gemeinsam zu Bett gehen, sagt Sie ganz nebenbei: „Morgen könnte ich Rouladen machen.“ Er: „Hatten wir schon länger nicht mehr“, und drückt seinen elektronischen Autoschlüssel noch ein paarmal sanft, was ihm sein Auto mit dem typischen Signalton von draußen quittiert. Richtiges Bettgeflüster sieht anders aus. Auch Waltrauds Freundinnen geht es mit ihren Mannsbildern nicht viel besser: Lena (Rosalie Thomass) beklagt sich über zu wenig bis gar keinen Sex und Marias Ex heiratet gerade eine Andere.

Leider macht das Drehbuch aus all dem nicht viel – oft bleibt nur ein hysterisches Herumgekreische auf bayerisch. Dabei bemühen sich Gisela Schneeberger, Rosalie Thomass und Bettina Mittendorfer wirklich sehr, ihren Rollen gerecht zu werden. Von den amüsanten Schlüpfrigkeiten des ersten Films, der 2011 ziemlich erfolgreich in den Kinos lief, ist der neue Film weit entfernt. Einzig der alte Doktor, bei dem Waltraud als Zugehfrau arbeitet, will noch einmal ein heißes Gespräch – das einen überraschenden Ausgang nimmt. Der ist dann allerdings nicht mehr witzig, sondern eigentlich nur noch traurig und wirkt in einem auf Komödie gebürsteten Film wie ein Fremdkörper.

Alles in allem liefert diese Fortsetzung nur aufgewärmte Zutaten, die dann auch noch lauwarm serviert werden.

Eine ganz heiße Nummer 2.0. D 2019. Regie: Rainer Kaufmann. Mit Gisela Schneeberger, Rosalie Thomass, Bettina Mittendorfer. 91 Minuten. Ab 12. Atelier am Bollwerk