Kinokritik: Love Sarah Eigenwillige Frauen, köstliche Backwaren

Von Bernd Haasis 

Drei Frauen eröffnen gegen Widerstände eine Bäckerei in Notting Hill in einem jener Wohlfühl-Filmdramen, in denen am Ende alles gut wird

Drei Generationen führen gemeinsam eine Bäckerei – und das mit Liebe. Vorne: Celia Imrie als Mimi. Foto: Weltkino 7 Bilder
Drei Generationen führen gemeinsam eine Bäckerei – und das mit Liebe. Vorne: Celia Imrie als Mimi. Foto: Weltkino

Stuttgart - In wenigen Szenen und fast ohne­ Worte breitet die junge deutsch-englische Regisseurin Eliza Schroeder ihr Figurentableau auf der Leinwand aus: Die Mutter Sarah radelt ihrer Verunglückung entgegen, ihre beste Freundin Isabella wartet auf sie vor einem leeren Ladengeschäft, die Tochter Clarissa zeigt Talent als Balletttänzerin und Oma Mimi schreibt Sarah einen Versöhnungsbrief. Nicht vielen Filmen gelingt binnen weniger Minuten eine so eindrückliche Verdichtung – hätte Schroeder so weitergemacht, wäre ihr Film ein Großer.

Doch die folgende Geschichte des kleinen Cafés im hübschen Londoner Viertel Notting Hill mutet eher konventionell an. Isabella glaubt, es nicht eröffnen zu können ohne Sarah , über die man kaum mehr erfährt als dass sie wohl eine außergewöhnliche Bäckerin war. Die charmante Chaotin Clarissa wirft ihren ganzen Elan in das Projekt, was die junge Shannon Tarbet wunderbar verkörpert. Die mondäne Oma steuert Geld bei, das sie als berühmte Trapezkünstlerin verdient hat, und Celia Imrie („Best Exotic Marigold Hotel“), die sich auf Mienenspiel versteht, zeigt sogar ein bisschen grazile Gymnastik.

Wie aus dem Nichts taucht der attraktive Sternekoch Matthew auf (smart: Rupert Penry-Jones) und übernimmt das Backen­. Er ist Sarahs Ex und Isabella, bei deren Ausgestaltung Shelley Conn vor allem auf trotzige Anmut setzt, hat große Vorbehalte – doch wer Rosamunde Pilcher kennt, weiß wie das weitergeht mit den beiden. Bald hat auch Mimi einen Verehrer, und Schroeder gelingen einige anrührende Momente. Nur eines hat sie vergessen: Zumindest ein bisschen Trauer hätte sie ihren Protagonistinnen gönnen dürfen.

Die sehr vorhersehbare Handlung bietet jenseits bemühter Zickereien nur einen wirklichen Konflikt: was die Kundschaft eigentlich möchte und wie man sie anlockt. Die Lösung ist ein schönes Plädoyer für Vielfalt und Offenheit, das Schroeder immer wieder optisch unterstreicht mit Nahaufnahmen der köstlichsten Backwaren. Konditoreien in Kinonähe dürfen sich auf heißhungrige Kundschaft freuen.




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