Kinokritik: Nur ein kleiner Gefallen Anna Kendrick und Blake Lively im Clinch

Von Kathrin Horster 

In Paul Feigs Krimi-Farce stürzen zwei Mütter in einen Abgrund aus Lügen und Intrigen.

Blake Lively als Femme fatale in „Nur ein kleiner Gefallen“ Foto: Verleih 9 Bilder
Blake Lively als Femme fatale in „Nur ein kleiner Gefallen“ Foto: Verleih

Stuttgart - Ein Örtchen mit dem Namen Warfield, zu deutsch Schlachtfeld, eignet sich wunderbar als Setting für ein fieses Horrorstück. Zu Paul Feigs typisch amerikanischer Suburbia-Idylle passt die martialische Bezeichnung dagegen so gar nicht. In der friedlichen Gemeinde lebt die verwitwete Single-Mutti Stephanie (Anna Kendrick) mit Sohn Miles (Joshua Satine). Weil sie ihre Pflichten überambitioniert angeht, zieht sie Spott und Neid der anderen Eltern auf sich. Als Emily (Blake Lively) mitsamt Sohn Nicky (Ian Ho) und dem Gatten Sean (Henry Golding) in die Stadt zieht, scheint sich das Blatt für die Außenseiterin zu wenden. Im Gegensatz zur häuslichen Stephanie führt Emily ein glamouröses, trotz Mutterschaft erstaunlich ungebundenes Leben. Allen unübersehbaren Unterschieden zum Trotz freunden sich die Frauen an. Gerne erfüllt Stephanie ihrer neuen Vertrauten den Wunsch, Nicky ein Wochenende lang zu hüten. Sie ahnt nicht, dass mit Emilys Abreise die Hölle Einzug hält in Warfield.

Ein unterhaltsames Katz-und-Maus-Spiel

Für sein letztes Werk „Ghostbusters“ (2016), dessen ursprünglich männliche Besetzung Paul Feig gegen eine weibliche Darstellerriege tauschte, musste der Filmemacher herbe Kritik einstecken. „Nur ein kleiner Gefallen“ dürfte nun auch nachtragende Grantler versöhnen, weil der Spezialist für weibliche Buddy-Komödien („Brautalarm“, „Taffe Mädels“) hier ein intelligent unterhaltsames Katz-und-Maus-Spiel treibt. Blake Livelys mysteriöser, leicht raubeiniger Femme fatale traut man sofort ein paar Leichen im Keller zu, von Stephanies dunkler Seite ahnt man hingegen lange nichts. Anna Kendrick gibt Stephanie als rührend überdrehtes Muttertier ohne erotische Ambitionen. Nur als ­Moderatorin eines eigenen, lustig-spießigen Video-Kochblogs strebt die Alleinstehende nach Selbstverwirklichung. Umso erstaunlicher, dass Stephanie nach dem Verschwinden ihrer Freundin umgehend deren Mann Sean umgarnt – mit Erfolg.

Feig spielt genüsslich die gesamte Klaviatur klassischer Kriminalmotive aus und zitiert in der elegant-bunten Popästhetik die Handschrift Alfred Hitchcocks, dem Meister des Suspense. Als Emilys Leiche entdeckt wird, betätigt sich Stephanie als Ermittlerin und stört damit die Kreise von Detective Summerville (Bashir Salahuddin), der seinerseits Stephanie ins Visier nimmt. Der Plot verzweigt sich in immer abseitigere Richtungen, vorhersehbar ist hier nichts. Dass die Logik dabei ab und zu leidet, ist nicht der Rede wert.

Feig hat eine freche, originelle Krimi-Farce mit starken Frauenfiguren geschaffen. Im Gewühl der Neuaufgüsse alter Stoffe und Themen kann sich dieses kleine, fein gemeine Stück stolz sehen lassen.