Kinokritik: Shaun das Schaf – Ufo-Alarm Schafe sind auch nur Menschen

Das Alien Lu-La, der Hofhund Bitzer und Shaun das Schaf Foto: Aardman Animations/Studiocanal 15 Bilder
Das Alien Lu-La, der Hofhund Bitzer und Shaun das Schaf Foto: Aardman Animations/Studiocanal

Im zweiten „Shaun das Schaf“-Spielfilm sorgt ein außerirdisches Wesen für Chaos auf dem Bauernhof.

Kultur: Bernd Haasis (ha)

Stuttgart - Den Schafen um den findigen Shaun ist langweilig auf ihrem englischen Bauernhof, also lassen sie sich jede Menge Blödsinn einfallen – bis hin zu einem Todessprung mit dem Fahrrad durch einen brennenden Reifen mit Anlauf vom Dachfirst. Der Hofhund Bitzer errichtet ein Verbotsschild nach dem nächsten, aber die Schafe sind ihm immer einen Schritt voraus. Als ihnen die Ideen auszugehen drohen, naht Abhilfe von außen: In einem Wald in der Nähe landet eine fliegende Untertasse mit einem außerirdische an Bord, das das schnell für großes Chaos sorgt. Bald träumt der Bauer davon, aus seiner Farm einen Alien-Vergnügungspark zu machen.

„Shaun das Schaf“ ist die zweite große Knetfiguren-Marke, die das britische Animationsstudio Aardman nach „Wallace & Gromit“ erschaffen hat. Sie funktioniert universell, weil die vorkommenden Tiere auch nur Menschen sind und weil sie der ­typisch englische Humor hier gänzlich ohne Sprache auskommt – alles wird im Bild ­erzählt. Zuerst produzierte Aardman nur Kurzfilme, die in Deutschland zur Freude vieler Eltern ein fester Bestandteil der „Sendung mit der Maus“ wurden. 2015 hat dann ein erster Kinofilm für Aufsehen gesorgt. Den Bauern verschlägt es da in die große Stadt, er verliert sein Gedächtnis und wird Dank seiner Schafschur-Fertigkeiten zum Star-Friseur der Promis. Die Schafe und Bitzer versuchen, ihn zurückzuholen. Ein urkomischer, satirischer und auf vielen Ebenen auch sehr dramatischer Spiegel des Lebens war dieses Werk.

Ein kluger dramaturgischer Kniff

Der aktuelle Film nun ist ebenfalls urkomisch und wartet als Science-Fiction-Persiflage mit vielen Zitaten auf von „Men in Black“ bis „E. T.“ – im Original heißt er „Farmageddon“ in Anspielung auf den Meteoriten-Film „Armageddon“. Im „Ufo-Alarm“ nun geht es äußerst turbulent zu, Slapstick und Satire gehen ein weiteres Mal eine überaus fruchtbare Verbindung ein. Der detailverliebt ausgeführte analoge Stopptrick hat nichts von seinem Charme verloren – die Knetfiguren auf einem real gebauten Set wirken sehr greifbar und lebendig. Das goldige Alien namens Lu-La verfügt über allerlei magische Fähigkeiten und wächst einem sofort ans Herz. Und einen Ausflug ins All gibt es natürlich auch.

Dramaturgisch wartet der Film mit einem sehr klugen Kniff auf, der ihn nach etwa der Hälfte in eine völlig neue Richtung dreht. Allerdings­ hat er eine eklatante Schwäche: Eine eigenartige Geheimorganisation mit finsteren Agenten versucht, sich des außerirdischen Besuchers zu bemächtigen, um ihn zu erforschen. Das ist für Aardman-Verhältnisse sagenhaft unoriginell und wirkt arg bemüht. Die Agenten-Charaktere sind stereotyp und stellen sich an wie die letzten Trottel, um kindgerecht zu bleiben.

Da ändert nichts daran, dass man in diesem Film wirklich großen Spaß haben kann.

Shaun das Schaf – Ufo-Alarm. Großbritannien 2019. Regie: Will Becher, Richard Phelan. 87 Minuten. Ohne Altersbeschränkung. Cinemaxx City & SI, EM, Gloria, Ufa.




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