Kinokritik: Terminator 6 – Dark Fate Frauen bieten dem Killer-Androiden die Stirn

Von Bernd Haasis 

Die „Terminator“-Reihe wirkt im sechsten Teil nostalgisch – und Arnold Schwarzenegger in seiner Paraderolle reif für den Abschied.

Solche  Waffen hat er früher locker einhändig bedient:  Arnold Schwarzenegger in „Terminator – Dark Fate“ Foto: Verleih 15 Bilder
Solche Waffen hat er früher locker einhändig bedient: Arnold Schwarzenegger in „Terminator – Dark Fate“ Foto: Verleih

Stuttgart - Zwei Filme bestimmten in den Achtzigern den Diskurs über das Verhältnis von Mensch und Maschine, Schöpfer und Geschöpf: Ridley Scotts „Blade Runner“ (1982) und James Camerons „Terminator“ (1984). Beide beruhen auf Geschichten des US-Science-Fiction-Autors Philipp K. Dick, von dem auch die Vorlagen zu „Total Recall“ und „Minority Report“ stammen. Die Androiden in ­„Blade Runner“ sind Arbeitssklaven, die Freiheit und Rechte einfordern, „Terminator“ dagegen entfaltete die Schreckens­vision einer Zukunft, in der intelligente Militärtechnik­ sich gegen die Menschen wendet. Arnold Schwarzenegger reiste als Kampf-Android aus der Zukunft zurück, um eine gewisse Sarah Connor zu töten, die spätere Mutter eines Revolutionsführers gegen die Herrschaft der Maschinen.

Die Spannung war atemberaubend, die Action spektakulär, und das rot leuchtende Auge des Terminators, das bei einer Beschädigung seiner humanoiden Außenhülle zum Vorschein kommt, wurde zum Sinnbild einer Fortschrittsbedrohung. In „Terminator 2“ (1991) sorgte dann ein Killer-Android aus Flüssigmetall für Aufsehen, der Menschengestalt annehmen kann und folgerichtig den Effekt-Oscar holte.

Ein Selbstzitat reiht sich ans nächste

Die Latte liegt also in jeder Hinsicht hoch für jede weitere Fortsetzung, und zumindest Action-Puristen kommen in Teil sechs auf ihre Kosten: Menschen und Maschinen rennen, schießen, schlagen und fliegen, sie gehen durch Explosionen und stürzen in Abgründe. Zudem gehört dieser Film ganz den Frauen. Linda Hamilton, mittlerweile 63, schlüpft wieder in die Rolle der Sarah Connor, die sich damals schnell von einer Kellnerin zur Kriegerin wandelte. Gleich zu Beginn hat sie einen fulminanten Auftritt mit schwerem Geschütz und verschafft den beiden anderen eine Atempause auf der Flucht vor dem neuen Terminator: dessen Zielperson Dani und ihrer ebenfalls aus der Zukunft angereisten Beschützerin Grace. Die Kolumbianerin Natalia Reyes („Birds of Passage“) verkörpert Dani als kluge Frau mit heißem Herzen, Mackenzie Davis („Blade Runner 2049“) die technisch aufgerüstete Cyborg-Kampfmaschine Grace mit starker physischer Präsenz und paranoider Aura.

Diese Frauencharaktere bieten großes Potenzial, das der Film nicht ausschöpft: Er gibt ihnen keinen Kompass und macht sich nicht die Mühe, ihr Beziehungsdreieck zu entwickeln. Wie im ersten Film beschränkt sich der Plot auf die Flucht vor dem Terminator, der stark an den T2 erinnert und den der mexikanische Schauspieler Diego Luna mit jener zielstrebigen Gnadenlosigkeit ausstattet, die diese Figuren so gespenstisch macht. Ein Selbstzitat reiht sich ans nächste, bis man glaubt, alles schon einmal gesehen zu haben; nur Sarah Connor hat Erinnerungslücken.

Die Cyborg-Kriegerin leidet auch unter ihren Modifikationen

Die phrasenhaften Dialoge („Wir müssen verschwinden!“) werden in der lieblos aufgesagten deutschen Synchronisation zum verbalen Sumpf (ständig sagt jemand „verfickt“). Vieles ist Zufall, mal steht zur Flucht ein Helikopter bereit, mal ein Flugzeug, und der unbesiegbare Terminator schwächelt immer im richtigen Moment. Das irritiert: Cameron war als Produzent im Boot, und der Regisseur Tim Miller hat den famosen Kinoauftakt des Anti-Superhelden „Deadpool“ (2016) inszeniert.

Auf schmalem Grat wandelt Arnold Schwarzenegger, der sich als breiter Mann mit breitem steirischem Unterton in „Conan, der Barbar“ (1982) in Hollywood einen Namen machte, ehe der Terminator zu seiner Paraderolle wurde. Er stößt irgendwann zu den Frauen und setzt ein paar kleine Pointen, doch die Zeichen stehen auf Abschied: Die Reifung der Figur wurde zuletzt mit einem Alterungsprozess der humanoiden Außenhaut erklärt, warum er nun schwergängig wirkt, wie es 72-Jährige ja sein dürfen, ist nur fadenscheinig zu kaschieren bei einer bis dato verschleißfreien Hochleistungsmaschine – auch wenn sie nur das Vorvorvorgängermodell ist und schon in Teil drei (2003) vom Nachfolger wüst vermöbelt wurde. Nun hat Schwarzenegger Mühe, schwere Waffen mit nur einem Arm zu bedienen, was zeitlebens sein Markenzeichen war.

Die Cyborg-Frau Grace leidet auch unter ihren Modifikationen, die den menschlichen Körper ständig an Grenzen treiben. Das darin mitschwingende Sinnbild für den menschlichen Selbstoptimierungswahn wird zumindest angedeutet. Ansonsten wirkt „Terminator 6“ wie ein Action-Dinosaurier neben Filmen wie „Ex Machina“ oder Serien wie „Westworld“, die die Rolle von Androiden und die Verantwortung der Menschen facettenreich reflektieren. Die „Terminator“-Reihe wird zum Nostalgieprogramm, sie fällt aus der Zeit. Sympathisanten wird das kaum davon abhalten, den Film anzuschauen – und sei es nur der Vollständigkeit halber

Terminator 6 – Dark Fate. USA 2019. Regie: Tim Miller. Mit Arnold Schwarzenegger, Linda Hamilton. Ab 16 Jahren. Cinemaxx City & SI (auch OV), Metropol, Gloria (Atmos), Ufa (auch OV)