Über die Leinwand hat sich Spider-Man schon oft geschwungen. Aber noch nie war er so jung wie im Kinoneustart „Spider-Man: Homecoming“. Tom Holland spielt den Superkrabbler als über sich selbst staunenden Teenager.

Stuttgart - Nein, die Schwemme der Superheldenfilme ist noch lange nicht vorbei. Es gibt noch Tausende Charaktere in den Archiven der Comicverlage. Kinotauglich sind die nicht alle, warum man zwischendurch gerne auf altbewährte Recken zurückgreift – diese Woche wieder mal auf Spider-Man. Tobey Maguire ist schon ins Kostüm des Spinnenmannes geschlüpft, auch Andrew Garfield und zuletzt Milchgesicht Tom Holland („Die versunkene Stadt Z“). In „The First Avenger: Civil War“ musste er sich als junger Peter Parker alias Spider-Man noch mit einer Nebenrolle begnügen, jetzt darf er sich in „Spider-Man: Homecoming“ solo austoben.

Beschwingt vom Kampf an der Seite der Avengers kehrt Peter nach New York zurück, wo er mit seiner strengen Tante May (Marisa Tomei) und unter Aufsicht seines Mentors Tony Stark (Robert Downey jr.), besser bekannt als Iron Man, lebt. Es fällt ihm recht schwer, sich im Alltag zurechtzufinden.

Scheppern und Krachen

Deutlich auf ein Schülerpublikum zielt dieses Reboot ab, Witz und Ernst halten sich in etwa die Waage. Jon Watts („Clown“) hat einen Mix aus Coming-of-Age-Komödie und Effektspektakel in Szene gesetzt, sein Held ist bedeutend jünger als alle seine Vorgänger. Entsprechend stolz ist dieser, dass er Iron Man kennt. Bei jeder Gelegenheit postet er Selfies mit seinem verehrten Idol, was dem Regisseur die Möglichkeit eröffnet, mit dem Bildformat zu spielen und den Film streckenweise wie ein launiges Heimvideo aussehen zu lassen. In der Schule hängt er mit seinem nerdigen, übergewichtigen, computertechnisch begabten Kumpel Ned (Jacob Batalon) ab, Chaos in seinem Hormonhaushalt verursacht Klassenkameradin Michelle (Zendaya).

Sehen Sie hier den Trailer zum Film:

Erinnert die erste Hälfte noch an die typischen Highschool-Leinwandspäße, ist in der zweiten Action angesagt. Der böse Gegenspieler heißt „The Vulture“, also „Der Geier“, und wird von Ex-Batman Michael Keaton gespielt. Der Geier hat sich einen metallenen, mit Raketen bewehrten Hightech-Fluganzug gebastelt, was ihm die Möglichkeit für spektakuläre „Top Gun“-Manöver in schwindelnder Höhe eröffnet. So kommt, was kommen muss: Es scheppert, kracht und raucht. Doch die echte Freude bleibt aus, wirklich spektakulär oder gar neu sind die CGI-Tricks nicht, die Spidey am dünnen Faden durch die Lüfte sausen lassen. Vor allen in Sachen Dreidimensionalität lassen sie zu wünschen übrig.

Herzschmerz und freche Sprüche

Dennoch gibt es einige gelungene Szenen, wieder einmal angesiedelt bei berühmten Touristenattraktionen, die in Werken dieser Art besonders gerne zu Bruch gehen. Fans kommen bei diesem quietschbunten Abenteuer sicher auf ihre Kosten. „Spider-Man“-Erfinder Stan Lee, Jahrgang 1922, absolviert seinen gewohnten Gastauftritt, Gwyneth Paltrow schaut als Kurvenkönigin Pepper Potts vorbei und erteilt Tony Stark eine überraschende Abfuhr. Der darf als Iron Man ein paar Kurzeinlagen geben und freche Sprüche klopfen, derweil Jon Favreau im gut eingespielten Comedy-Duo als dessen Sidekick Happy Hogan erneut den Part des bierernsten „straight Man“ übernimmt. Selbst in Sachen Herzschmerz kommt es – trotz keinesfalls idealem potenziellem Schwiegervater – zumindest zu Teilerfolgen.

Spider-Man: Homecoming. USA 2017. Regie: Jon Watts. Mit Tom Holland, Robert Downey Jr., Michael Keaton, Marisa Tomei, Laura Harrier, Jon Favreau. Ab 12 Jahren. 133 Minuten.