Kinokritik zu „Maleficent 2“ Hollywood in Hochform

Von Gebhard Hölzl 

Angelina Jolie tritt in „Maleficent 2: Mächte der Finsternis“ gegen Michelle Pfeiffer an: Die Disney-Studios zeigen mal wieder, wie gut sie Märchenstoffe beherrschen.

Szenenbild aus „Maleficent 2“: Angelina Jolie Foto: Walt Disney 15 Bilder
Szenenbild aus „Maleficent 2“: Angelina Jolie Foto: Walt Disney

Stuttgart - Disney kehrt zu seinem Kerngeschäft, dem Märchenfilm, zurück. Vier Jahre nach „Maleficent“ – 758 Millionen Dollar weltweiter Umsatz – tritt die dunkle Fee in Person von Angelina Jolie in „Maleficent 2: Mächte der Finsternis“ erneut in Erscheinung. Lange hat Jolie sich gesträubt, die Rolle nochmals zu übernehmen, Zweifel an dem Projekt geäußert. Aber nach dreijähriger Pause tritt sie nun gewohnt strahlend und ausdrucksstark, schwarz gewandet, gehörnt und durchaus furchteinflößend an.

Die Männer sind Staffage

Das Make-up der Diva, verantwortet vom siebenfachen Oscar-Preisträger Rick Baker („Planet der Affen“), sticht ins Auge. Herrin des Waldkönigreichs ist sie, wacht gemeinsam mit der inzwischen erwachsenen Prinzessin Aurora (Elle Fanning), die Prinz Philipp (Harris Dickinson) ehelichen soll, über das magische Reich der Moore. Frieden scheint zu herrschen zwischen Menschen und Zauberwesen – bis Königin Ingrith (Michelle Pfeiffer), Auroras zukünftige Schwiegermutter, auf den Plan tritt und das ruhige Miteinander stört.

Besonders in puncto Kostümen hat man sich stark an Clyde Geronimis Zeichentrickklassiker „Dornröschen“ von 1959 orientiert –, ein Frauenfilm, erzählt aus weiblicher Perspektive, bei dem zur Abwechslung die Männer nur Staffage sind. Auf die Begegnung mit einem Großteil der Originalbesetzung darf man sich freuen, darunter die drei bonbonbunten, von Imelda Staunton, Juno Temple und Lesley Manville verkörperten Blumenfeen, die mit ihrer Tölpelhaftigkeit für die Lacher zuständig sind, während die Neuzugänge Pfeiffer und Ed Skrein („Deadpool“) als Bösewichte überzeugen.

Kreaturen und Intrigen

Die Regie hat der Norweger Joachim Rønning („Pirates of the Carribean: Salazars Rache“) übernommen und sich klug am Vorgängerfilm orientiert. Tricktechnik vom Feinsten ist angesagt, verwegene Flugeinlagen und Perspektiven, epische Kämpfe, mysteriöse Kreaturen, Intrigen, und im Subtext lassen sich Spuren von Shakespeare erkennen: Hollywood in Hochform.

Die Mutterfiguren, von Jolie und Pfeiffer mit Verve interpretiert, buhlen um Aurora, die ihren eigenen Kopf besitzt. Sie ist die Identifikationsfigur für die weibliche Teenagerklientel. Die Wendungen der Story sind bekannt. Die Unterhaltsamkeit liegt in den opulenten Schauwerten, den aufwändigen Outfits und dem pompösen Produktionsdesign. Die Variation, das lustvolle Spiel mit den altbekannten Versatzstücken, macht Spaß – und besonders die Tatsache, dass die Grenzen zwischen gut und schlecht fließend sind. Ein Abenteuer für Alt und Jung, wobei schon die FSK-Freigabe ab 12 Jahren davon zeugt, wie düster die Bildsprache von Kameramann Henry Braham („Guardians of the Galaxy Vol. 2“) ausfällt.

Maleficent 2: Mächte der Finsternis USA 2019. Regie: Joachim Rønning. Mit Angelina Jolie, Michelle Pfeiffer, Elle Fanning, Ed Skrein, Chiwetel Ejiofor. Ab 12 Jahren. 118 Minuten.