Kinos in Ludwigsburg Sorge wegen massiven Besucherrückgangs
Corona, explodierende Energiepreise, fehlendes Personal: Die Ludwigsburger Kinobetreiber trotzen der Krise bisher. Doch das ist alles andere als einfach.
Corona, explodierende Energiepreise, fehlendes Personal: Die Ludwigsburger Kinobetreiber trotzen der Krise bisher. Doch das ist alles andere als einfach.
Traurig starren dem Passanten die leeren Schaufenster entgegen: Das ehrwürdige Ludwigsburger Union-Theater hat schon länger keine Cineasten mehr gesehen. „Es fehlen uns umsatzstarke Filme, die einen Betrieb von zwei weiteren Leinwänden wirtschaftlich machen“, begründet Betreiber Claus Wollenschläger, der auch das Central-Kino am Arsenalplatz führt, „es fehlen Mitarbeitende, die wir während der Pandemie verloren haben und nicht ersetzen konnten, und das Union wird mit Gas beheizt. Das kostet momentan das Achtfache.“
Die Kinos sind in einer schwierigen Lage. Das sei seit Corona schlimmer, zumal sich immer noch vor allem ältere Besucher vor einer Ansteckung fürchteten, habe sich aber auch vorher schon angebahnt, sagt Wollenschläger. Namhafte Schauspieler und Regisseure verdingen sich mittlerweile für Streamingdienste und fehlen für durchschlagende Kinoproduktionen. „Und schon vor der Pandemie haben die Studios es nicht geschafft, neue Zielgruppen anzusprechen und Kinogänger zu begeistern. Die Vielzahl an Fortsetzungen langweilt die Menschen“, ist die Erfahrung des Kinomannes.
Das berichten auch Peter Bader und Rainer Storz vom Verein Kinokult, der in Ludwigsburg das Scala, das Luna und das Caligari betreibt: „Die Gewohnheiten hatten sich schon vor Corona geändert. ,Monsieur Claude und seine Töchter’ war 2013 der letzte Film, der wochenlang voll bis ausverkauft war.“ In den Jahrzehnten zuvor habe es regelmäßig so erfolgreiche Titel gegeben. Der Trend, nur noch ins Kino zu gehen, wenn wirklich relevante Filme kämen, habe sich aber abgezeichnet. Und dass Tageszeitungen oft aktuelle Filme nicht mehr besprächen, worauf vor allem das ältere „Kulturpublikum“ gezählt habe, und die täglichen Vorstellungszeiten nicht mehr veröffentlichten, komme erschwerend hinzu.
Wegen der Corona-Sorgen vieler Besucher lässt Kinokult auch immer noch einen Platz links und rechts neben jeder Besuchergruppe frei. „Ohne diese freiwillige Beschränkung hätten wir zuletzt in mehreren Samstagabend-Vorstellungen wieder volles Haus gehabt“, sagen die Betreiber.
Auch Claus Wollenschläger ist sicher, dass das Kino grundsätzlich seinen Stellenwert nicht eingebüßt hat. Es werde derzeit oft schlichtweg der Publikumsgeschmack nicht getroffen. Im Central hätten zuletzt nur „Die Minions“ und „Top Gun Maverick“ Besuchermengen angezogen – und der Überraschungsfilm „Smile“, der eine junge Zielgruppe ins Kino holte, was Wollenschläger aber nicht zuletzt einer im Hintergrund laufenden TikTok-Challenge zuschreibt.
Die Lage ist schwierig: Claus Wollenschläger hat nur halb so viele Besucher wie vor Corona im Jahr 2019, Kinokult spricht sogar von einem Rückgang von über 60 Prozent. „Und bei mir fließt das Union noch gar nicht mit ein, sonst wäre der Rückgang noch viel höher“, sagt Wollenschläger. Weil die Gebäude im Firmeneigentum sind und großzügige Bundeszuschüsse flossen, ist er bisher durch die Krise gekommen. Sowohl er als auch Kinokult machen sich aber wegen der Erhöhung des Mindestlohns, der steigenden Inflation und der Energiekrise große Sorgen.
Bei Kinokult haben die im Sommer ausgelaufenen staatlichen Coronahilfen und ein Rekordergebnis beim Sommernachts-Open-air in der Karlskaserne die Misere abgefedert, „trotzdem reichen die gestiegenen Besucherzahlen nicht für einen dauerhaft kostendeckenden Betrieb aus“, erklären Peter Bader und Rainer Storz. Das Kornwestheimer Autokino hingegen bemerkt nach eigener Aussage noch keine spürbare Auswirkung der aktuellen Krisen.
Trotz allem soll auch Optimismus her. Etwa mit Aktionen wie der „Lichtspielliebe“ im Scala oder dem Kinofest 2022 im Central, um, so Wollenschläger, „einen Aufmerksamkeitszündfunken für das Kino zu setzen“.