Kira Geiss aus Weissach im Tal Warum eine angehende Diakonin Miss Germany werden will

Kira Geiss in der Bibliothek der Missionsschule in Weissach im Tal Foto: Gottfried Stoppel

Kira Geiss absolviert eine Ausbildung in der evangelischen Missionsschule in Unterweissach. Die würde sie für ein Jahr unterbrechen, wenn sie Miss Germany würde. Die Chancen stehen nicht schlecht.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Sie ist eine hübsche junge Frau. Doch bei der Wahl zur Miss Germany zähle mehr als gutes Aussehen, versichert Kira Geiss – und genau deshalb habe sie sich auch bei dem Wettbewerb beworben.

 

Mit Erfolg: die 20-Jährige ist nicht nur aus rund 15 000 Bewerberinnen für ein Casting eingeladen worden, sie steht nach mehreren Runden mittlerweile auch im Halbfinale. In einem „Personality-Camp“ im Januar soll sich entscheiden, wer es von den 20 im Wettbewerb Verbliebenen ins Finale schafft.

Vom visuellen Marketing ins theologische Seminar

Kira Geiss ist in Wilhelmsdorf bei Ravensburg am Bodensee geboren und aufgewachsen. Dass sie jetzt für Sachsen-Anhalt bei der Miss-Germany-Wahl an den Start geht, hat damit zu tun, dass sie zuletzt in Magdeburg gelebt und gearbeitet hat. Und dass sie sich jetzt nach einer Lehre zur Gestalterin für visuelles Marketing und einer kurzen Zeit im entsprechenden Beruf am theologischen Seminar der Missionsschule Unterweissach zur Jugend- und Gemeindediakonin ausbilden lässt, habe wiederum damit zu tun, dass sie gläubig geworden sei.

Dabei habe sie bisher mit Kirche wenig am Hut gehabt. Im Gegenteil: „Meine Eltern waren da eine Zeit lang ein bisschen aktiv, und ich fand das eher schräg“, sagt die 20-Jährige. Gewissermaßen geradegerückt worden sei ihr Blick auf die Institution durch eine Jugendfreizeit in der Schweiz, zu der sie von einer früheren Freundin eingeladen wurde. In der Gemeinschaft habe sie erfahren, was es bedeute, wirklich gesehen und wahrgenommen zu werden, sagt die junge Frau. Seither erlebe sie Kirche, die sie bisher als bieder und verstaubt angesehen habe, völlig anders. Nämlich als einen Ort des Wohlfühlens und der Lebensfreude.

Persönlichkeit statt Traummaße 90/60/90

Die Einladung zur Miss-Germany-Wahl ist ihr in ihren Instagram-Kanal angezeigt worden. Das Konzept habe sie überzeugt, sagt die 20-Jährige, es gehe um Persönlichkeit, Botschaft und nicht um vermeintliche Schönheitsideale. „Bei dem Kriterium Traummaße 90/60/90 hätte ich auch keine Chance gehabt“, sagt die Halbfinalistin und grinst. Alle ihre Mitbewerberinnen seien „irre starke Frauen“, deren Vision und Mission in Workshops gefördert werde. Die letztjährige Siegerin, Domitila Barros (37), sei „eine Powerfrau“, eine Greenfluenzerin, die sich für Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit stark mache und die Plattform von Miss Germany dafür nutze.

Und sie selbst? „Ich feiere es, junge Menschen wachsen zu sehen, zu fördern, und will eine Stimme für diese Generation, für Wachstum, Respekt sowie Akzeptanz sein“, schreibt Kira Geiss in ihrer Selbstdarstellung auf der Internetseite der Miss-Germany-Wahl. Sie selbst habe erlebt, was beachtet und gefördert zu werden für die Entwicklung eines jungen Menschen bedeuten könne. Das wolle sie zurückgeben – in ihrem späteren Beruf in der Jugendarbeit, aber vielleicht auch über den Schönheitswettbewerb, der an sich gar keiner mehr sei. Schon allein dessen Wandel zeige einen guten Trend des gesellschaftlichen Wandels auf. „Kira möchte jungen Menschen helfen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden und gemeinsam mit ihnen ein besseres Morgen schaffen“, heißt es vonseiten der Veranstalter.

Sprachrohr für die Generation Z

Ihre Intention sei dabei, den Blick auf ihre eigene Altersklasse, die Generation Z, zu lenken und jungen Leuten zu helfen, ihr Potenzial zu erkennen und zu nutzen. Die Generation Z gilt als technologie-affin und immer online, ungeduldig und fordernd, aber auch gesundheits- und umweltbewusst. Sie selbst sei auch in den so bezeichneten sozialen Medien aktiv, nutze die Möglichkeiten, die die digitale Welt biete. „Ich heule! TOP20 here we go!“, lässt die junge Frau etwa ihre Follower auf Instagram an ihrer Halbfinalteilnahme teilhaben.

Aber die digitale Welt dürfe die richtige nicht ersetzen, sie dürfe nicht das Maß aller Dinge sein. Sie möchte Jugendliche, die sich in diese Scheinwelt verkriechen, gerne schütteln und wachrütteln, sagt Kira Geiss, ihnen ihr Potenzial vor Augen führen, ihnen zeigen: „Du bist genial, probier dich mal aus!“ Denn zu ihrer Vorstellung von Christlichsein oder Gläubigkeit gehöre unbedingt auch dazu, tanzen, wild und bunt sein zu dürfen.

Informationen zu Miss Germany

Wandel
Der Wettbewerb hat sich in den vergangenen Jahren von einem klassischen Schönheitswettbewerb wegbewegt. Es gehe um eine Auszeichnung für Frauen, die Verantwortung übernehmen. Miss Germany sei gewachsen und habe sich von einem Talent-Wettbewerb zu einer „Female Empowerment-Plattform für die Stimmen der Gegenwart“ entwickelt, heißt es im eigenen Selbstverständnis des Oldenburger Familienunternehmens, das aktuell in der dritten Generation von dem 26-jährigen Max Klemmer geführt wird. Neben dem Titel winkt der Gewinnerin auch eine Fördersumme von 25 000 Euro für „einzigartige und zukunftsweisende Projekte“. Das Finale soll am 4. März 2023 in der Europa-Park-Arena in Rust über die Bühne gehen.

Teilnehmerinnen
Aus Baden-Württemberg sind im Wettbewerb neben Kira Geiss, die allerdings für Sachsen-Anhalt antritt, noch vier weitere Frauen vertreten: Lena Petrides (30) aus Murr, Investment Consultant und Mentorin. Selina Tossut (23) aus Sindelfingen, Ernährungsberaterin und Content Creatorin. Tiffany Licker (28) aus Ostfildern, Unternehmerin, Gründerin von „LLY – Learn to love yourself“ und Selflove & Emotional Freedom Coach. Sowie Chantal Epli (29) aus Reutlingen, Mutter und Geschäftsführerin eines eigenen Modestores.

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