Kirchberg/Murr BM-Wahl: Polizeibeamter will gegen Amtsinhaber antreten

Lars Herold tritt zur Bürgermeisterwahl in Kirchberg an. Foto: privat

Lars Herold fordert den seit 32 Jahren amtierenden Kirchberger Bürgermeister heraus. Das möchte er im Fall einer Wahl anders machen.

Ludwigsburg: Sabine Armbruster (sar)

Wenn ein Bürgermeister fest im Sattel zu sitzen schien, dann ist es der mittlerweile 61 Jahre alte Frank Hornek, der die Position als Rathauschef von Kirchberg an der Murr seit seiner ersten Wahl im Jahr 1994 innehat. Nur 2002 gab es einen Gegenkandidaten, bei den beiden folgenden Wahlen trat er als einziger Kandidat an. Zuletzt war er im Jahr 2018 mit einer Mehrheit von 94,6 Prozent der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von knapp 35 Prozent zum vierten Mal in seinem Amt bestätigt worden. Allerdings trugen die Wähler auch einige andere Namen in die Stimmzettel ein, was für eine gewisse Unzufriedenheit spricht.

 

Jetzt jedenfalls muss sich Hornek erstmals wieder mit einem weiteren Kandidaten messen: Der 46 Jahre alte Lars Herold, der als Polizeibeamter in Marbach Dienst tut, will den Amtsinhaber herausfordern. Und glaubt man Stimmen aus dem Ort, ist er keineswegs so chancenlos, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte.

Unwetter 2024 spielt eine Rolle

Eine wichtige Rolle hat offenbar das verheerende Unwetter im Juni 2024 gespielt, das Teile von Kirchberg schwer getroffen hatte. Damals wurden Stimmen laut, die sich vom Rathaus allein gelassen fühlten. Die Leute hätten nicht gewusst, woher sie Sandsäcke bekommen oder wo sie den durch das Unwetter entstandenen Müll loswerden könnten, erinnert sich eine Kirchbergerin. Auch an die Aussprache mit den Bürgern, die es danach in Kirchberg gab, denkt nicht jeder gern zurück. Man habe sich vom Schultes regelrecht abgekanzelt gefühlt, heißt es.

Lars Herold hatte unterdessen die WhatsApp-Gruppe „Wir in Kirchberg“ ins Leben gerufen, in der er alle wesentlichen Informationen bündelte und verfügbar machte. „Ich habe dazu mit Gemeinderäten und Bauhofmitarbeitern gesprochen“, erklärt er.

Lebendige Vernetzung der Kirchberger

Der ursprünglichen Unwettergruppe folgten rasch weitere Untergruppen, in der sich die Kirchberger untereinander vernetzen können. Kleinanzeigen, Nachbarschaftshilfe, Foodsharing oder der schnelle Austausch zwischendurch: Herold kann es selbst kaum fassen, wie lebendig und vielfältig dieser digitale Ort geworden ist. Neu ist eine ÖPNV-Gruppe, in der die Kirchberger melden können, wenn der Bus mal wieder nicht oder zu spät kommt. Denn nur so besteht aus Sicht von Herold eine Chance, den Nahverkehr in der Gemeinde zu verbessern. Melde man so etwas hingegen ans Rathaus, heiße es nur: „Das ist halt so.“

Überhaupt möchte er, wenn er gewählt wird, für mehr Bürgernähe sorgen. „Jeder soll ernst genommen und angehört werden“, verspricht er. Zudem fehlt es aus seiner Sicht an neuen Ideen. „Man kann vieles besser machen – oder überhaupt mal machen.“

Der gebürtige Oberschwabe lebt seit 2018 mit Frau und zwei Kindern in Kirchberg – und das ausgesprochen gern: „Schon nach wenigen Wochen habe ich mich wie ein echter Kiberger gefühlt“ – so nennen sich die stark 4000 Einwohner des Dorfes. Über die Kinder kam man schnell mit anderen in Kontakt. Und er selbst engagiere sich gern in verschiedenen Bereichen, nicht nur mit den WhatsApp-Gruppen, sondern auch im Kindergarten oder der Schule. Denn eines hat er ganz schnell gemerkt: „Wir können in Kirchberg viel bewegen, wenn wir an einem Strang ziehen.“

Schon fast 200 Follower im WhatsApp-Kanal

Deshalb habe er sich zum Jahreswechsel entschlossen, bei der Bürgermeisterwahl am 8. Februar anzutreten. 192 Follower hatte sein dafür eingerichteter WhatsApp-Kanal schon nach einem Tag. Eine Homepage soll folgen. „Einige Kirchberger haben mir gesagt: Endlich haben wir wieder eine Wahl.“

Bei allem ist Herold auch selbstkritisch. „Ich werde sicher nicht für alles sofort eine Lösung haben, aber ich werde jeden anhören“, verspricht er für den Fall seiner Wahl. Die offiziellen Bewerbungsunterlagen möchte er spätestens am Mittwoch abgeben.

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