Kirchberg/Schwaikheim Auf eigene Faust

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Schlecker ist pleite, doch Neues entsteht: Sonya Brosi hat in dem ehemaligen Schlecker in Kirchberg einen eigenen Laden eröffnet. Ralph Kärcher ist dabei in Schwaikheim in den früheren Drogerieräumen eine Kunstgalerie einzurichten.

Die Zeit nach Schlecker: Sonya Brosi führt nun ihren eigenen Markt. Foto: Gottfried Stoppel
Die Zeit nach Schlecker: Sonya Brosi führt nun ihren eigenen Markt. Foto: Gottfried Stoppel

Kirchberg - Sonya Brosi geht durch die Regalreihen. Ihre Drogerie in Kirchberg, die sie in den ehemaligen Schlecker-Räumen eröffnet und nach sich benannt hat, ist ihr Reich. Einmal am Tag mache sie einen solchen Rundgang. „Ich schaue immer, was ich noch verbessern könnte“, sagt die 33-Jährige. Vor der Schlecker-Pleite im vergangenen Jahr hat sie die Kirchberger Filiale des Unternehmens geleitet. Doch bereits bei der ersten Kündigungswelle im Januar musste sie gehen.

Ein Jahr später ist sie zurückgekehrt, um in den leer stehenden Ladenräumen eine eigene Drogerie einzurichten. Bereits wenige Wochen nach dem Ausverkauf im Schleckermarkt, habe sie im August bei dem Vermieter „mal vorgefühlt“, bevor sie dann im September beschloss, sich selbstständig zu machen. Nur ein Vierteljahr später machte sie als eine der ersten ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen ihren eigenen Laden auf – und als einzige im Kreis ganz auf eigene Faust.

Nur wenige haben den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt

Auch in Schwaikheim und Welzheim eröffneten Ex-Schlecker-Frauen Drogerien. Jedoch schlossen sie sich der Initiative der Gewerkschaft Verdi an. Unter dem Namen Drehpunkt firmieren nun diese Läden. Die Verdi-Gewerkschaftssekretärin Christina Frank unterstützt sie dabei, ebenso wie weitere ehemalige Schlecker-Mitarbeiterinnen in Bietigheim-Bissingen, Ludwigsburg-Hoheneck, Erdmannhausen, Plüderhausen (alle Kreis Ludwigsburg), Eberstadt (Kreis Heilbronn), Stetten am kalten Markt (Kreis Sigmaringen) und Bechhofen (Kreis Ansbach in Bayern). „Früher gab es in meinem Zuständigkeitsbereich, Stuttgart und Umgebung, 280 Schlecker-Filialen.“ Doch nur bei acht davon hätten die Mitarbeiterinnen den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

Und wie läuft es? „Manche sind stabil, eine ist besser als zuvor und andere müssen kämpfen“, berichtet Christina Frank, die sich seitens der Gewerkschaft lieber heute als morgen aus dem Projekt zurückziehen möchte. Schließlich müsse die Gewerkschaft sich um aktuelle Tarifverhandlungen kümmern. Momentan ist Frank aber noch dabei, mit einem Unternehmensberater ein Werbekonzept für die Drehpunkt-Läden zu entwerfen.

Sonya Brosi hat in Kirchberg ihr eigenes Werbekonzept. In erster Linie sei das ihr Schaufenster, erklärt die Jungunternehmerin. Aber kürzlich habe sie ihre erste eigene Werbeanzeige mit Sonderangeboten geschaltet. Nun ist sie gespannt, ob dies neue Kundschaft in ihren Drogeriemarkt bringt.

Vor allem ältere Kirchberger schätzen ihren Laden

Und wie laufen die Geschäfte bisher? „Es ist okay“, meint Sonya Brosi. Vor allem die älteren Kirchberger seien froh, dass es ihren Laden gebe, in dem sie neben Drogerieartikeln auch eine kleine Auswahl an Lebensmitteln und Getränken sowie Zeitschriften, Kurzwaren, Strümpfe, Zigaretten, Geschenkartikel und Grußkarten für alle Anlässe finden. Rechtzeitig vor dem Wintereinbruch hat Sonya Brosi ihr Sortiment um Frostschutzmittel, Streusalz und Vogelfutter erweitert.

Hat die Jungunternehmerin ihren Schritt in die Selbstständigkeit bereut? „Nein, ich würde es wieder machen“, antwortet sie mit Bestimmtheit.