Kirche im Osten Im Osten schlägt das Herz der katholischen Jugend

Von Martin Haar 

St. Nikolaus wird zum katholischen Jugendzentrum umgebaut. Davor wird sieben Wochen experimentiert. Teaser.

  Foto: Jürgen Brand
  Foto: Jürgen Brand

S-Ost - Das Projekt Spezialisierung in der katholischen Kirche gewinnt weiter an Profil. Während in Degerloch das trauerpastorale Zentrum entstehen und im Westen in der Adventszeit das spirituelle Zentrum eröffnet werden soll, ist der Osten der Mittelpunkt der Jugend. Dort soll St. Nikolaus zur Jugend- und Gemeindekirche werden. Die Kirche wird dazu nach den Wünschen der Jugend umgebaut.

Bevor sich jedoch Planer und Architekten an die Arbeit machen, ist vom 14. September bis zum 1. November Zeit zum Ausprobieren. Jugendliche sollen in diesem Kirchenraum experimentieren. In den sieben Wochen sind junge Menschen von Jugendlichen und Hauptamtlichen zum Abendlob mit Abendbrot, zu Workshoptagen im Kirchenraum, zum Filmgottesdienst und zur Atelier-Kirche eingeladen. Die Eröffnung der vorläufigen Jugendkirche wird am Samstag, 14. September, um 17 Uhr, mit einem Gottesdienst und einem Fest vor der Kirche St. Nikolaus (Werastraße 120) eingeläutet.

20 tragbare Bänke, statt starre Kirchenbänke

Bereits in den vergangenen Wochen ist in St. Nikolaus viel passiert. Der Kirchenraum ist leer geräumt worden. Starre Kirchenbänke sind perdu. Stattdessen gibt es nun 20 leichte und tragbare Bänke, die Möglichkeiten für Neues bieten. Neben dem festen Altar findet sich in St. Nikolaus jetzt auch ein mobiler Zelebrationstisch. In der Mitte der Kirche zwischen den großen Säulen sind Vorhänge aufgehängt worden, die je nach Gottesdienst und Veranstaltung zu- oder aufgezogen werden können, sodass kleine Räume in dem großen Kirchenschiff entstehen können. „Wir überlegen vor jedem Gottesdienst neu, wie wir den Raum gestalten, wo und wie wir uns setzen, welche Atmosphäre wir in der Kirche schaffen möchten“, sagt Miriam Krisa (22), die zur Stadtleitung des Bundes der Katholischen Jugend (BDKJ) gehört und die bei der Organisation des Programmes Einfluss genommen hat.

Die angehende Organisationsassistentin hat in Taizé erlebt, wie anders und wie berührend es sein kann, zum Gebet einfach auf dem Boden zu sitzen. „Vielleicht probieren wir das beim Taizé-Gebet im September aus. Wir werden das zusammen entscheiden“, sagt sie. In ihrem Freundeskreis erlebt Miriam Krisa immer wieder, dass junge Menschen von der frontalen Aufteilung, die sie in Gottesdiensten erleben, abgeschreckt sind. „Das ist wie Frontalunterricht in der Schule, das möchte keiner mehr“, meint die 22-Jährige. Sie freut sich deshalb über die Möglichkeiten, die ihnen die Jugendkirche eröffnet. „Der Glaube gibt mir Halt im Leben und die Gemeinschaft trägt mich. Diese Erfahrung sollen auch andere junge Menschen machen können.“

Taizé-Gebet zur Eröffnung

Auf dem Programm im September und Oktober stehen neben der Eröffnungsveranstaltung ein Taizé-Gebet am Mittwoch, 18. September, um 18.30 Uhr sowie ein Werktagsgottesdienst am Mittwoch, 25. September, um 19 Uhr in der Jugendkirche. Die Wernauer Atelier-Kirche, die der Idee der Playing Arts folgt, ist am Donnerstag, 26. September, um 17 Uhr zu Gast in St. Nikolaus. Die Jugendlichen suchen sich Materialien aus und lassen sich von Beispielen aus der Kunst und einem Text aus dem Evangelium inspirieren und berühren, um dann selbst ein Kunstwerk zu erschaffen. Am Dienstag, 1. Oktober, um 19 Uhr folgt ein Abendlob mit Abendbrot, also eine Andacht, an die sich ein gemeinsames Essen anschließt. Bei einem Workshoptag am Montag, 14. Oktober, sammeln Jugendliche und Gemeindemitglieder Ideen für den Kirchenraum. Zum Abschluss des Programms wird am Donnerstag, 24. Oktober, zum Filmgottesdienst geladen.

Nach der siebenwöchigen Testphase wird dann richtig umgebaut. „Die Ideen, die die jungen Menschen in den sieben Wochen und auch in dem Workshop sammeln, sollen in die Planungen einfließen“, sagt Stadtjugendpfarrer Jörg Widmann.

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