Kirche in Fellbach Ein Erntedankbild aus Kaffeesatz und Samen

Mesnerin Anni Drotleff weist in der Dionysiuskirche in Fellbach-Schmiden auf die Feinarbeit hin, die hinter dem Erntedankbild aus gestreuten Zutaten steckt Foto: Gottfried Stoppel

Mesnerin Anni Drotleff hat ein neues Bodenbild in der Dionysiuskirche in Schmiden zum Erntedank geschaffen. Sie berichtet, welche Botschaft sie dieses Mal in den Fokus rücken will.

Rems-Murr: Eva Schäfer (esc)

Mesnerin Anni Drotleff hat es wieder geschafft: Pünktlich zum Erntedankfest ist ein Kunstwerk aus gemahlenem Saatgut, Gewürzen, Kaffeesatz und Co. in der Dionysiuskirche in Fellbach-Schmiden entstanden. Viel Einsatz hat das für sie und ihre Helfer bedeutet. Das Bild auf dem Boden vor dem Altar zeigt eine Frau, die mühevoll knieend einen Baum mit ihren eigenen Händen pflanzt. Sonst ist in der tristen Umgebung kein weiteres Grün, nichts Gedeihendes abgebildet. Als wäre es gemalt, sind die Zutaten des Erntedankbildes voneinander abgegrenzt. Die blauen Augen der Frau sind aus Mohnsamen, der Farbton der Erde aus Hanf- und Paniermehl, Kaffeebohnen dienen als Umrandung der Figuren.

 

Schon immer hat Anni Drotleff einen engen Bezug zur Natur

Es ist erneut ein Unikat, das Anni Drotleff geschaffen hat. Jedes Jahr greift sie einen anderen Gedanken auf, den sie mit dem Erntedankbild ausdrücken möchte. Für dieses Motiv sei sie von einer Ballade inspiriert worden. In dieser gehe es symbolisch darum, sich angesichts von ausbreitender Dürre und Wüste nicht der Hoffnungslosigkeit zu ergeben, sondern sich für die Natur und das Leben einzusetzen. Mit Sorge verfolge sie die Zeichen des Klimawandels in der Natur. „Die Jahreszeiten verschieben sich und sind immer weniger deutlich erkennbar. Wir haben fast keinen Winter mehr“, sagt die Mesnerin. Von Kindesbeinen an hat Anni Drotleff einen engen Bezug zum Jahreslauf.

„Ich habe schon als Kind im Garten meiner Eltern mitgeholfen“, erzählt sie. Ihre Eltern und Großeltern hatten eine Landwirtschaft betrieben. „So bin ich mit der Natur groß geworden und habe erfahren, wie sehr wir Menschen auf die Natur angewiesen sind“, sagt sie. Aufgewachsen ist Anni Drotleff im siebenbürgischen Holzmengen, sie kam 1990 mit ihrer Familie in den Fellbacher Teilort Schmiden. Die gelernte Einzelhandelskauffrau übernahm 2002 das Mesneramt in der Dionysiuskirche.

Zunächst haben zwei Schaufensterdekorateure das Samenmosaik im Chorraum der Kirche gelegt, 2009 haben sie diese Aufgabe nach vielen Jahren abgegeben. Seitdem obliegt Anni Drotleff die Gestaltung anlässlich der Erntedankfeier.

Seit 2010 entstehen jedes Jahr besondere Werke. Wenn die Mesnerin in ihrem viele Seiten dicken Bildband blättert, in dem die Motive dokumentiert sind, zeigt sich die Bandbreite. Die gelegten Bilder sind immer wieder auch ein Spiegelbild der jeweiligen gesellschaftlichen Themen.

Die Mesnerin will mit den Erntedankbildern zum Nachdenken anregen

In Zeiten von Lockdown, die die Coronapandemie mit sich brachte, hat sie beispielsweise bildlich die Rolle der Bildung für die Entfaltung der Kinder aufgegriffen. Anni Drotleff macht sich viele Gedanken, bevor es an das aufwendige Gestalten geht.

Das Erntedankbild soll nicht nur schöne Dekoration sein, mit dem Motiv möchte sie zum Nachdenken anregen, eine Botschaft transportieren. Anni Drotleff schreibt immer auch ein paar Zeilen auf, warum sie das jeweilige Werk in der Form gestaltet hat.

Das stundenlange Knien auf dem Boden ist nicht mehr nötig

Inzwischen wird die mühevolle Arbeit, in der die Bilder über Stunden und Tage entstehen, etwas erleichtert. 2019 wurde eine Unterlage aus Holz gefertigt, die auf das Taufbecken gelegt werden kann. Auf dieser hölzernen Unterlage mit einem Durchmesser von zwei Metern – das Bodenbild hatte einen Durchmesser von drei Metern – gestaltet Anni Drotleff, unterstützt von Joachim Kübler, das Bild. Wenn es fertig ist, wird es auf den Boden vor den Altar gelegt. „Das stundenlange Knien auf dem Boden ist nun nicht mehr nötig“, sagt die 58-Jährige erleichtert. Hergestellt habe die Holzunterlage das örtliche Unternehmen Frick Holzbau. „Ohne die tatkräftige Unterstützung von Bauern, Gärtnern und vielen anderen würde das alles nicht gehen“, sagt die Mesnerin. Wie zum Beweis trägt an diesem Nachmittag der Schmidener Landwirt Wolfgang Bürkle vom Schnitzbiegel-Hof mit seinem Sohn Jakob Kisten mit Äpfeln, Säcke mit Kartoffeln, Kohl und Mehl in die Dionysiuskirche.

Die Lebensmittel runden die Dekoration des Altarraums ab. Am Sonntag, 8. Oktober, 10 Uhr, wird hier Erntedankgottesdienst gefeiert, umrahmt vom Sing-Out-Chor der Concordia. Das Erntedankbild bleibt danach erhalten. Auch Schülern, Kindergärten und Konfirmanden werde die Möglichkeit geboten, das Werk anzuschauen.

Vom Danken und Teilen

Erntedank
 Gott für die Ernte zu danken, das gehörte zu allen Zeiten zu den religiösen Grundbedürfnissen, teilt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) auf ihrer Homepage mit. Traditionell werden in den Kirchengemeinden die Altäre zum Abschluss der Ernte mit Feldfrüchten festlich geschmückt.

Solidarität
 Im christlichen Verständnis gehörten, so die EKD, Danken und Teilen zusammen. Erntedank-Gottesdienste seien oft mit einer Solidaritätsaktion zugunsten notleidender Menschen verbunden.

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