Zehn Jahre lang war Rainer Weitzel der Vorsitzende des Kirchengemeinderates in Möhringen. Nun zieht er wieder zurück nach Berlin.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Möhringen - Für manch einen war er ein etwas unbequemer Zeitgenosse. „Aber ich glaube nicht, dass die Menschen hier froh sind, dass ich jetzt weggehe. Im Großen und Ganzen sind wir gut zurecht gekommen“, sagt Rainer Weitzel. Zehn Jahre lang war er der Vorsitzende des Kirchengemeinderats der evangelischen Gemeinde Möhringen. In dieser Zeit sei er sicher nicht jedem gerecht geworden. „Das tut mir auch leid“, sagt Weitzel. Doch in seiner Rolle habe er Verantwortung für die gesamte Gemeinde getragen und – zusammen mit den anderen Mitgliedern des Kirchengemeinderats – hin und wieder unpopuläre Entscheidungen fällen müssen.

 

Vor zwölf Jahren kam Rainer Weitzel von Berlin nach Stuttgart. Seine Frau Cornelia Füllkrug-Weitzel ist die Vizepräsidentin des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), und dieses hat seinen Hauptsitz in Stuttgart. Doch nun zieht das Diakonische Werk nach Berlin – und das Ehepaar Weitzel geht mit.

Seine Gemeinde wird Rainer Weitzel vermissen. In den zurückliegenden zehn Jahren hat er sie entscheidend mitgeprägt. Als Rainer Weitzel nach Möhringen kam, stand für ihn fest: „Die drei Möhringer Gemeinden müssen fusionieren.“ Doch das war ein schwieriges Projekt. „Kirche bedeutet für viele Heimat und Identität in immer unübersichtlicher werdenden Zeiten“, sagt Weitzel.

Bei manch einem sei der Fusionsprozess mit der Angst einhergegangen: Die schaffen uns ab. „Ich habe versucht, den Menschen klar zu machen, dass sie gewinnen und nicht verlieren“, sagt Weitzel. Mittlerweile sei die Fusion erfolgreich abgeschlossen. „Aber dieser Prozess braucht immer noch große Aufmerksamkeit.“

Fusion der Möhringer Gemeinden wird schwierig

Außerdem ging es in Rainer Weitzels Amtszeit darum, ein neues Immobilienkonzept auszuarbeiten. „Wir haben jedes Gebäude auf den Prüfstand gestellt“, sagt der 58-Jährige. Hintergrund sei, dass die Zahl der Gemeindeglieder auch in Möhringen sinkt, und damit immer weniger Geld zur Verfügung steht. „Die Frage ist: Wie passen wir uns an, ohne an Qualität zu verlieren? Kirche kann nicht immer nur sparen“, sagt Weitzel. Ein Ergebnis des Immobilienkonzepts ist, dass der Kindergarten der Christuskirche in das Gemeindezentrum integriert wurde.

Für seinen Nachfolger gebe es noch viel zu tun, sagt Weitzel. Nach der Aufregung der vergangenen Jahre sei zunächst sicher eine Phase der Konsolidierung nötig. Langfristig müsse aber darüber nachgedacht werden, die Zusammenarbeit der Gemeinden Möhringen, Sonnenberg und Fasanenhof zu intensivieren. „Das wird noch schwieriger als die Fusion der Möhringer Gemeinden – und die war schon schwer genug“, sagt der scheidende Kirchengemeinderatsvorsitzende.

Er glaubt auch, dass die Arbeit künftig auf mehrere Schultern verteilt werden müsse. „Ich habe vielleicht auch zu viele Dinge an mich gerissen“, sagt Weitzel. Er habe das mit seinem Beruf vereinbaren können. Denn Weitzel ist selbstständiger Kommunikations- und Organisationsberater. „Da kann ich mir die Arbeit einteilen“, sagt er. Doch mit einem normalen Beruf sei der Vorsitz im Kirchengemeinderat nur schwer unter einen Hut zu bringen.

Weitzel fiel es aber noch aus einem anderen Grund leicht, für das Amt zu kandidieren. „Ich habe eine kirchliche Vergangenheit.“ Der 58-Jährige, der Theologie, Soziologie und Erziehungswissenschaften studiert hat, war lange Zeit bei der Kirche als Sozialarbeiter tätig. Zum Schluss war er sogar für die internationale Jugendarbeit verantwortlich. Doch irgendwann sei er zu alt für diesen Beruf gewesen, erklärt Weitzel. Also sattelte er um.

Veränderungen in seinem Leben ist Rainer Weitzel also gewohnt. Darum ist ihm vor dem nun bevorstehenden Umzug auch nicht bange. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt er. Berlin sei noch immer seine Heimat. Aber in den vergangenen Jahren habe er auch Möhringen und seine Menschen lieb gewonnen. Das Örtchen habe einen besonderen Charme. „Mitten in der Großstadt hat es sich seinen dörflichen Charme erhalten“, sagt Weitzel.

Dass ihm in Berlin langweilig wird, glaubt er nicht. „Meine alte Gemeinde wartet schon“, sagt Weitzel lächelnd. Außerdem habe er auch noch ein politisches Leben. Weitzel ist aktives Mitglied der SPD. „Kann sein, dass dies künftig eine größere Rolle spielen wird“, sagt Weitzel. Und wenn weder das eine noch das andere eintreten sollte, dann habe er auch kein Problem damit, es etwas ruhiger angehen zu lassen. „Schließlich gibt es noch viele ungelesene Bücher“, sagt Weitzel.