Kirche und Missbrauch Auf Distanz in der Blase
Die katholischen Bischöfe treffen sich heute zu ihrer Vollversammlung – lieber nicht.
Die katholischen Bischöfe treffen sich heute zu ihrer Vollversammlung – lieber nicht.
München - Die katholischen Bischöfe Deutschlands können ihre Frühjahrsvollversammlung dieses Jahr nur digital abhalten. Manchem wird es recht sein, mit den Amtsbrüdern nicht im selben Raum sitzen, sich bei der Messe den Friedensgruß entbieten und die Kommunion teilen zu müssen. Es herrscht tiefer Unfrieden. Vieles, was gesagt werden müsste, ist noch lange nicht gesagt. Mancher, der das Wort „Aufklärung“ im Mund führt, schweigt beredt in eigener Sache, oder lädt alle Schuld auf tote Vorgänger beziehungsweise auf das noch lebende „System Köln“ ab. Andere vertrösten auf immer später erscheinende Gutachten oder veröffentlichen Missbrauchsstudien, in denen zwei Drittel der Seiten weiß sind. Ein paar, gewiss, haben ihre Hausaufgaben gemacht, doch jeder macht sie anders, so dass Gemeinsamkeit oder gar Überzeugungskraft auch daraus nicht erwächst.
Ein so verheerendes Bild wie heute hat der höhere deutsche Klerus noch nie abgegeben. Derweil verzweifeln unten die Pfarrer und stimmen Gläubige mit den Füßen ab – wenn sie denn noch einen Gedanken an diese Kirche verschwenden. Es gibt ein Reformprojekt: den „Synodalen Weg“. Doch dieser ist ein Insiderklüngel zur Selbstbestätigung. Außerhalb der Blase bricht das Leben zusammen.