Kirche Wenn Pfarrerinnen Muslime lieben

Messnerin Martina Steffen-Elis Foto: privat
Messnerin Martina Steffen-Elis Foto: privat

Weil Württemberg ihre Heirat mit einem Muslim ablehnt, geht eine Vikarin nach Berlin. Dort stoßen religionsverschiedene Pfarrerehen auf Verständnis.  

Politik: Michael Trauthig (rau)
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Berlin - Die Mesnerin, die man hier in Berlin Küsterin nennt, hat es sofort gespürt - dass die Funken sprühen und dass Schicksalhaftes passiert. Auch Abdulkadir Elis, den Studenten der Betriebswirtschaft, traf Amors Pfeil schon bei der ersten Begegnung mit der jungen Pfarrerin. "Nur ich habe ein wenig gebraucht", erzählt Martina Steffen-Elis.

Ihre Ehe macht die Theologin mit den kurzen, blonden Haaren, dem resoluten Auftreten und der direkten Sprache zu einer Vorreiterin in der Evangelischen Kirche Deutschlands. Denn sie vereint zwei Religionen. Ihr Mann ist gläubiger Muslim aus dem Südosten der Türkei und sah in der unterschiedlichen kulturellen Prägung kein Hindernis für die Zweisamkeit mit einer Pastorin.

"Auch ich habe nie gezweifelt", sagt Steffen-Elis. Sie sitzt in ihrem Dienstzimmer, dessen Regale unter der Bücherlast ächzen, trägt ein graues Kostüm und wirkt sehr selbstbewusst. Diese Frau weicht vor Hindernissen nicht zurück, sondern überwindet sie. "Ich bin ein positiver, optimistischer Mensch." Wohl deshalb hat sie vor 17 Jahren nicht gezaudert. Dabei sind in der Kirche der Hauptstadt die Regeln für Pfarrer ähnlich streng wie andernorts.

Ein Ehepartner sollte evangelisch, zumindest aber christlich sein. Ausnahmen gibt es kaum, und in Württemberg im Fall einer jungen Vikarin gar nicht. Deshalb ist die mit einem Muslim verheiratete Theologin Carmen Häcker im Südwesten entlassen worden. Sie erhält nun eine Chance in Berlin.

Auch Elis Eltern haben kein Problem mit der Christin

Dort hat man gelernt, dass es nicht reicht, Menschen nach ihrer formalen Religionszugehörigkeit zu beurteilen, wie auch das Beispiel von Abdulkadir Elis zeigt. Der kam schließlich nur in die Spandauer Pfarrei seiner Frau, weil zur Vertretung ein Student als Kirchwart gesucht wurde. Seine Kommilitonen wollten nicht in einer Kirche arbeiten. Der Muslim war jedoch entgegen aller Klischees dazu bereit. Auch der Pfarrer staunte über den jungen Mann. Ob denn sein Glaube es zulasse, im Gottesdienst Kerzen anzuzünden und Gesangbücher auszuteilen, zweifelte der Theologe. Doch auch das war für Elis kein Problem.

Ähnlich offen reagierten dessen Eltern auf die Liebschaft ihres Sohnes. Eine Atheistin oder Buddhistin - das wäre in ihren Augen nicht gegangen, sagt Steffen-Elis. Doch gegen eine Christin - ebenfalls Anhängerin einer Buchreligion - hatten sie keine Einwände. Dass der Gemeindekirchenrat der Liaison ebenfalls seinen Segen gab, überrascht da schon nicht mehr. Schließlich war Abdulkadir Elis als offen und engagiert bekannt und die Pfarrei in der Migrantenarbeit aktiv.

"Am Beispiel der Ehe von Pastorin Steffen kann das gleichberechtigte Miteinander von Menschen aus verschiedenen Kulturbereichen erlebt werden", formulierte das Gremium in seiner Stellungnahme. Das klingt fast zu fortschrittlich-idyllisch, ist aber erklärbar - mit der multikulturellen Lage in der Stadt, mit dem regen Austausch der Religionsgemeinschaften in dem Viertel und der auf diese Weise entstandenen Toleranz.

Religionsverschiedenheit wird als Problemfall betrachtet

Dennoch legt die Kirchenleitung für eine solche Ehe die Hürden hoch und tut es noch heute. Die Paare müssen sich fast inquisitorischen Fragen stellen. Werden die Kinder evangelisch getauft? Ist der Muslim vielleicht bereit zu konvertieren? Unterstützt er den Pfarrdienst? Gibt es eine christliche Trauzeremonie? "Man betrachtet uns als Problemfälle", beklagt Steffen-Elis.

"Da werden Ansprüche gestellt, die anderen erspart bleiben", sagt die Pastorin und schüttelt den Kopf. Dass die Kirchenleitung den Widerstand an der Basis fürchtet, dafür hat sie noch Verständnis. Natürlich gibt es konservative Gemeinden etwa auf dem Land, die eine solche Ehe im Pfarrhaus noch nicht akzeptieren können. "Da geht man dann eben nicht hin", sagt sie pragmatisch. Sie will Vorurteile abbauen.

In ihrer Familie scheint das zu gelingen. Ihr Mann hält ihr den Rücken frei, packt in der Gemeinde an, bekocht die Ehrenamtlichen und hat Erziehungsurlaub genommen, um seiner Frau die rasche Rückkehr in den Beruf zu ermöglichen. Die beiden Kinder lernen zwei Religionen kennen - bei den Großeltern den Islam, zu Hause das Christentum. Und sie schlagen Brücken. Die 16-jährige Evin trägt zwar einen kurdischen Name, der "Liebe" heißt, sie ist mittlerweile aber konfirmiert. Ihr 14-jähriger Bruder braucht noch ein bisschen für diesen Schritt. "Er soll sich selbst entscheiden können", sagt Steffen-Elis.

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