Die evangelische Pauluskirche ist ein prägendes Architekturensemble im Stuttgarter Westen. Seit Wochen aber ist der zentrale Kirchenbau hinter einer Verkleidung aus Aluminiumplatten verschwunden. Was geschieht da?
Nikolai B. Forstbauer
22.05.2024 - 12:01 Uhr
Gerade jeweils zwei Stunden können die Arbeiter mit den Hochdruck-Wasserstrahlern arbeiten – „dann wird es einfach zu anstrengend“, sagt Thilo Mrutzek. Er leitet die Bauabteilung der Evangelischen Gesamtkirche Stuttgart und ist damit auch für eine der aktuell aufwendigsten Baustellen der Evangelischen Kirche in Stuttgart verantwortlich: die Sanierung der Pauluskirche im Stuttgarter Westen.
Während eine Zukunft von „Paulus“ als Kirchenstandort und mögliche Neu-Partnerschaften mit sozialen Trägern noch debattiert wird, macht die Baustelle Pauluskirche Fortschritte. „Wir beginnen demnächst den zweiten Bauabschnitt“, bestätigt Thilo Mrutzek, genauer „am 27. Mai“. Dann werden weitere Stahlbetonstützen ersetzt. Das heißt auch: Sie müssen über Hochdruckwasserstrahlen freigelegt werden. Schwerstarbeit, die weit über die unmittelbare Nachbarschaft hinaus für einen eigenen Lärmpegel sorgt. „Auch als Lärmschutz“ (Mrutzek) ist denn die komplette Verkleidung der Ostfassade zu werten.
Glasfensterband von Christian Oehler in der Pauluskirche in Stuttgart-West Foto: paulus/paulus
Mehrere Wochen sollen die Arbeiten noch dauern. Und sorgen für gehörig Begleitmusik. „Anfang April sind durch die Sanierungsmaßnahmen an den Stützen der Pauluskirche Schäden an den Betonglasfenstern von Christian Oehler im Kirchenraum entstanden“, heißt es in einem Offenen Brief des „Komitees Paulus hat Zukunft“. Thilo Mrutzek bestätigt auf Nachfrage, dass „Wasser und Schlemme ins Innere der Kirche eindringen konnten“ und so auch das sich über die gesamte Ostseite ziehende Glaskunstband erfasst wurde. Eine Gefahr aber sei dies nicht, betont Mrutzek. Man sei eng mit Expertinnen und Experten im Austausch. Kritisch sieht das „Komitee Paulus hat Zukunft“ gleichwohl die ersten Versuche, die Glasfenster wieder zu reinigen und spricht von „laienhaften Reinigungsversuchen mit ,Wurzelbürsten‘ und der „Gefahr“ dass so „weit größere Schäden entstehen“ könnten.
Thilo Mrutzek („Ich verstehe die Sorgen“) gibt Entwarnung. Man habe bisher keine Schäden entdecken können, sagt er. Wiederholen soll sich der Wassereintritt oberhalb der Glasfensterlinie aber auf keinen Fall – und entsprechend werden bis zum Start des zweiten Bauabschnittes am 27. Mai weitere Schutzfolien angebracht. Dann soll es weitergehen – und Thilo Mrutzek stellt nüchtern fest: „Das ist dann trotz der Einhausung hörbar.“