Kirchen rüffeln christliche Parteien Das Kreuz mit dem C
Die Kirchen rüffeln die Union wegen ihrer harten Asylpolitik. Doch Moralpredigten sind unangebracht und verfehlen ihren Effekt, meint StZ-Autor Armin Käfer.
Die Kirchen rüffeln die Union wegen ihrer harten Asylpolitik. Doch Moralpredigten sind unangebracht und verfehlen ihren Effekt, meint StZ-Autor Armin Käfer.
Das C im Kürzel der christlich etikettierten Parteien bekommt Risse. Vergangenen Woche rüffelten Repräsentanten beider christlichen Konfessionen die Union wegen deren Kursschwenk in der Migrationspolitik. Die Moralpredigt hätte schärfer kaum formuliert sein können und war in ihren Schlussfolgerungen durchaus fragwürdig. Das wollen führende Politchristen nicht auf sich sitzen lassen. Im christlichen Lager hängt der Haussegen schief.
Die frühere CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer trat prompt aus dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken aus. CSU-Chef Markus Söder, selbst praktizierender Protestant, ließ die kritischen Kirchen wissen, er habe „keine Lust, dass mir ständig irgendwelche selbst ernannten Moralwächter erklären, was wir zu tun haben“.
Die Entfremdung der Kirchen von den C-Parteien und dieser von jenen ist offenbar weit fortgeschritten. Das hat auch sozialstrukturelle Gründe. Inzwischen geht die Mehrheit der Unionsanhänger nach einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung nur noch selten oder gar nie zur Kirche. Die Säkularisierung hat auch die Parteien erfasst, die das Christentum immerhin noch im Namen führen. In der CDU wurde schon diskutiert, ob das C für die eigene Identität noch nötig sei. Dabei gehört das christliche Menschenbild zum Erbgut dieser Partei – und begründet ihre Besonderheit.
Die Kirchen haben die Moral jedoch nicht gepachtet. Es ist anmaßend, Kritik in der Tonart eines Bannfluchs zu formulieren. Was die Migrationspolitik betrifft, sind die Kirchen bei Merkels Wunschpolitik nach dem Motto „Wir schaffen das“ hängengeblieben. Wenn ihre Barmherzigkeit auch den Opfern von Aschaffenburg, Magdeburg und Solingen gilt, sollten sie auch den Menschen mehr Gehör schenken, welche die Kollateralschäden der Migration beunruhigt.