Kirchen und die Energiewende Solaranlage an der Veitskapelle als Versuch
In Mühlhausen hat die evangelische Kirche einen Test mit Photovoltaik gestartet. Die katholischen und evangelischen Kirchen sind derzeit sehr aktiv mit Projekten.
In Mühlhausen hat die evangelische Kirche einen Test mit Photovoltaik gestartet. Die katholischen und evangelischen Kirchen sind derzeit sehr aktiv mit Projekten.
Immer mehr Kirchen kümmern sich um die Energiewende und installieren auf ihren Dächern Photovoltaikanlagen. Die katholische Kirche St. Franziskus in Obertürkheim erhielt beispielsweise 2023 ein Solardach. Zuvor hatten St. Michael in Sillenbuch und St. Hedwig in Möhringen auf deren Dächern eine entsprechende Anlage bekommen. Auch in der evangelischen Kirche gibt es in Stuttgart vielerlei Aktivitäten.
Manch Anwohner war erstaunt, als er auf der altehrwürdigen Kirchenmauer bei der Veitskapelle in Mühlhausen Solarzellen erblickte und fragte sich, wie das möglich ist. Schließlich ist für Projekte solcher Art bei denkmalgeschützten Gebäuden und Ensembles meist eine Genehmigung erforderlich. Nachgefragt bei Dekan Eckart Schultz-Berg, sagt dieser: „Die Anlage ist nicht fest eingebaut. Es ist mal ein Versuch, etwas Strom auf der Kirchhofmauer zu erzeugen.“ Die Kirchengemeinde Mühlhausen habe das kleine Solarpanel mit zwei Quadratmetern versuchsweise auf der Kirchhofmauer aufgestellt. Es liefere ein wenig Strom für den Eigenbedarf oder gehe ins Netz. „Für die Veitskapelle gibt es keine Pläne, denn in den sehr alten Kirchen haben wir nicht nur Fragen des Denkmalschutzes zu beachten, sondern auch Fragen der Statik und des Brandschutzes.“
Gerne würde die Kirchengemeinde aber eine Solaranlage auf dem Dach des Pfarrhauses installieren, so Schultz-Berg. Das wäre der Wunsch der Verantwortlichen. „Es geht uns darum, etwas zur Bewahrung der Schöpfung beizutragen“, so Pfarrerin Britta Feuersinger. Angaben, ob eine Genehmigung für den Versuch notwendig war, machte der Dekan nicht. Ihm liegt das Thema Solarenergie sehr am Herzen. „Als Vorsitzender des Grünen Gockels in Württemberg setze ich mich schon lange dafür ein, kirchliche Aktivitäten umweltgerecht und nachhaltig aufzustellen. Es geht darum, die von Gott geschaffene Umwelt zu erhalten und zu bewahren.“
Die fortschrittlichste und schon weit vorangegangene Gemeinde in Sachen Solarenergie sei die Gartenstadtgemeinde in Luginsland. Dort werde schon richtig gut Strom erzeugt, wie Eberhard Wagner, Team des Grünen Gockels Untertürkheim, erklärt: Die Gartenstadtgemeinde in Stuttgart Untertürkheim habe seit 2022 eine PV-Anlage mit der entsprechenden Nennleistung von 20,01 kW peak auf ihrem Pfarrhausdach in Betrieb. „Wir planen auf den angrenzenden Dächern von Kindergarten und Gemeinderäumen die Anlage zu erweitern und können dort nach einem Vorschlag der Stadtwerke Stuttgart etwa 32 kW peak erzielen. Allerdings müssen die Dächer dort wegen ihres Alters von 56 Jahren vorher saniert werden, dafür werden gerade die Genehmigungen eingeholt.“
In der Gartenstadtkirche gibt es auch schon ein Solaranlage auf dem Pfarrhausdach. Als nächstes sei eine Solaranlage auf dem Kindergartendach geplant, so Pfarrer Matome Sadiki.
In der Wichernkirchengemeinde Bad Cannstatt gibt es zwei Anlagen, eine Solarwarmwasseranlage auf dem Pfarrhaus und eine Solarenergieanlage auf der Wichernkirche. Beide Anlagen funktionieren gut. Pfarrer Olaf Creß bilanziert: „Die Anlage in der Theodor-Veiel-Straße 110 liefert ganz gut Strom, der geht ins Netz.“
Auf dem Ludwig-Raiser-Saal in der Wilhelmstraße 8 gibt es eine Warmwasseranlage, die durch Sonnenlicht erwärmt wird, und den Warmwasserbedarf deckt, sodass dort im Sommer die Heizung abgestellt werden kann, sagt Schultz-Berg. Das Evangelische Zentrum ist zudem durch eine Pelletheizung beheizt und verbraucht keine fossilen Brennstoffe.
„Wir sind aber in weiteren Planungen: Wir wollen die Dächer in der Wilhelmstraße 8 und später Wilhelmstraße 6 mit einer Solaranlage bestücken. Wir wurden bereits von der Ökumenischen Energiegenossenschaft Bad Boll beraten und sind gerade in den Planungen“, so Dekan Schultz-Berg. Das würde gut Strom liefern für die Energie des Evangelischen Zentrums, besonders auch für die Computer und die Server. In der Tiefgarage werden die E-Autos der Diakoniestation geladen. „Es wäre mein Wunsch, dass wir mit unserer ganzen Kirchenverwaltung autark werden“, so Schultz-Berg.
Die Stadt erklärt, dass die Anbringung einer Solaranlage an oder auf einem Kulturdenkmal und in der Umgebung eines Kulturdenkmals von besonderer Bedeutung ist und im Geltungsbereich eines denkmalgeschützten Ensembles grundsätzlich genehmigungspflichtig sei. Dabei werden Schutz der Substanz, Erscheinungsbild und Raumwirkung des Denkmals geprüft. Aufgrund des laufenden Verfahrens in Mühlhausen will die Stadt dazu keine Auskunft geben.