Jetzt also doch: Am Neujahrstag ist die evangelische Kirchengemeinde Riedenberg ein Teil der Sarahkirchengemeinde Stuttgart geworden. Damit sind nun alle vier ehemals eigenständigen Körperschaften des öffentlichen Rechts im Stadtbezirk Sillenbuch vereint. Rund 6500 Gläubige wurden zusammengeführt. Der Schritt hatte sich abgezeichnet. Bereits zum 1. Januar 2022 hatten sich die Kirchengemeinden Sillenbuch, Alt-Heumaden und Heumaden-Süd zur Sarahkirchengemeinde zusammengeschlossen, benannt nach der Frau Abrahams. Der Pfarrplan 2024 der evangelischen Landeskirche samt seiner deutlichen Streichung von Pfarrstellen hatte den Schritt notwendig gemacht. Ingo-Christoph Bauer, Heumaden-Süd, musste seinerzeit gehen.
Die Fusion war auch in Riedenberg unausweichlich
Die Kirchengemeinde Riedenberg jedoch blieb zunächst überraschend eigenständig – auf Wunsch des dortigen Kirchengemeinderats. So sei man flexibler und könne individueller agieren, hieß es seinerzeit. Auch sah man die Gottesdienste, die regelmäßig in der Riedenberger Seniorenresidenz Augustinum abgehalten werden, in Gefahr. Nun ist es dennoch zur Fusion gekommen; ein Schritt, der aus Sicht aller Pfarrer vor Ort unausweichlich war. „Wenn man sich die Zahlen angeschaut hat, musste man kein Prophet sein“, sagt der geschäftsführende Pfarrer Friedrich July. Aus den 350 Prozent Stellenanteilen, die die Seelsorger im Stadtbezirk aktuell noch haben – wenngleich nach dem Weggang des Alt-Heumadener Pfarrers Jörg Scheiring nach Schweden aktuell 50 Prozent vakant sind –, werden gemäß dem neuen Pfarrplan alsbald 250 Prozent werden. „Das hätte keinen Sinn mehr gemacht“, sagt der Riedenberger Pfarrer Lukas Lorbeer zur bisherigen Konstellation, und enge Kooperationen bestünden ohnehin schon.
Zum Jahreswechsel gab es viele Zusammenschlüsse
Fusionen gab es zum Jahreswechsel vielerorts in Stuttgart. Im Dekanat Degerloch schloss sich die Kirchengemeinde Sonnenberg der Kirchengemeinde Möhringen und Fasanenhof an, entstanden ist die neue Kirchengemeinde Möhringen. Aus der ehemals lockeren Verbundkirchengemeinde Plieningen-Birkach mit den Gemeindeteilen Asemwald, Birkach, Hohenheim, Plieningen und Schönberg wurde durch Fusion zum 1. Januar eine fest verbundene Kirchengemeinde. Im Dekanat Bad Cannstatt fusionierten Mühlhausen und Münster zur Weinstock-Kirchengemeinde. Im Dekanat Stuttgart schloss sich die Petruskirchengemeinde der Gemeinde Stuttgart-Ost an. Und in Dekanat Zuffenhausen gingen die bisherigen Kirchengemeinden Weilimdorf Oswald-Wolfbusch, Dietrich-Bonhoeffer und Stephanus zur evangelischen Kirchengemeinde Weilimdorf zusammen.
In Sillenbuch sieht man die Chancen der Fusion
In Sillenbuch will man die Fusion indes nicht nur als aus der Not geboren verstanden wissen. Es ergäben sich Synergien. „Es ist eine Chance, wenn man Prozesse vorwegnehmen kann, die sowieso kommen“, sagt Friedrich July. So wird Friedbert Baur, als Pfarrer aktuell für Heumaden zuständig, in gut anderthalb Jahren in den Ruhestand gehen. Schon jetzt ist klar, dass seine Stelle nicht nachbesetzt wird. Vieles muss sich aktuell noch finden, etwa wie man reihum die Gottesdienste organisieren will.
Was indes feststeht: Alle vier Gemeindebüros und auch die Gottesdienste im Augustinum sollen erhalten bleiben. Die drei Pfarrer versprühen Aufbruchstimmung. „Es ist eine super Erfahrung, das Miteinander zu erleben. Man kann mehr gestalten“, sagt Friedbert Baur. Die jetzt vollzogene Fusion soll gefeiert werden – mit einem Festgottesdienst am 19. Januar ab 10 Uhr in der Heumadener Gnadenkirche. Bei dieser Gelegenheit soll auch die Einführung der neuen Kantorin Verena Zahn und der Jugendreferentin Rebecca Kreutz zelebriert werden.