Kirchenskandal Ein Dorf steht zu seinem Kinderschänder
In Eslarn in der Oberpfalz stimmen die Bürger gegen die Umbenennung einer Straße. Der Bürgermeister ist fassungslos.
In Eslarn in der Oberpfalz stimmen die Bürger gegen die Umbenennung einer Straße. Der Bürgermeister ist fassungslos.
Der am 17. Januar 1984 in Eslarn in der Oberpfalz verstorbene Georg Zimmermann war katholischer Priester, Kirchenmusiker, Direktor bei den Regensburger Domspatzen, Musikschulgründer. Und er war ein verurteilter Kinder-Vergewaltiger, der für einen Teil seiner Taten zu 20 Monaten Haft verurteilt worden war und im Gefängnis gesessen hatte. Die Bürger der Marktgemeinde Eslarn hält dies nicht davon ab, sich aktiv hinter Zimmermann zu stellen. Der war dort einst eine prominente Figur.
Mit großer Mehrheit hatte der Gemeinderat eigentlich beschlossen, die Georg-Zimmermann-Straße umzubenennen. Das passte einigen in dem 2800-Einwohner-Ort nicht, sie initiierten einen Bürgerentscheid. Mit 57,6 Prozent der Stimmen entschied die Bevölkerung nun, dass die Straße den Namen des Täters behält - 778 Stimmen waren dafür, 582 dagegen. Bürgermeister Reiner Gäbl (SPD) wird zitiert, es sei schwierig, „ein Bürgermeisteramt auszuüben in einer Gemeinde, in der die Mehrheit möchte, dass ein verurteilter Sexualstraftäter weiter geehrt wird“.
Die Fakten haben nicht geholfen. Dass sich bisher neun Männer als Betroffene beim Bistum Regensburg gemeldet haben. Dass es sich um weitaus mehr Fälle handeln dürfte. Dass Zimmermann vor und nach seiner Haftstrafe Jungen vergewaltigt hatte. Dass ein Betroffener in einer Veranstaltung äußerst erschütternd erzählte, was ihm widerfahren ist. Dass diese Menschen ihr Leben lang gezeichnet sind.
Die Gegner der Umbenennung meinten, dass das sehr lange her sei, dass Zimmermann viel Gutes geleistet habe und was das eigentlich das Regensburger Bistum angehen. Auch sollten Bürger schikaniert werden, sie hätten schließlich Personalausweis und KfZ-Zulassung mit neuer Adresse beantragen müssen.