Mehr als hundert Leute wollten ihre Meinung äußern zur Zukunft des Kirchentellinsfurter Baggersees – und alle waren so ziemlich einer Meinung.
Kirchentellinsfurt - Mehr als hundert Leute wollten ihre Meinung äußern zur Zukunft des Kirchentellinsfurter Baggersees – und alle waren so ziemlich einer Meinung. Im Prinzip soll alles bleiben, wie es ist, ein Badesee für die einheimische Bevölkerung und für Auswärtige ebenso. Gewollt wird ein zurückhaltender Ausbau mit Einstiegshilfen, Sitzmöglichkeiten, einer neuen Toilettenanlage und womöglich einem Kiosk. Dieses Ergebnis brachte eine Anhörung der Bürger, die jetzt einer Gemeinderatsentscheidung im Frühjahr 2013 vorangestellt wurde.
Von den beiden Alternativen wollte kaum jemand etwas wissen. Dabei handelte es sich erstens um ein Sperren des Sees für Badende. Ein Wanderwegenetz hätte Spaziergängern und Joggern neue Möglichkeiten geboten. Zweitens hatte die Rathausspitze eine radikale Lösung ins Spiel gebracht – den Natursee und Naturschutzgebiet. Der Parkplatz wäre geschlossen und der Weg unter der B 27 hindurch verriegelt worden. Der See wäre für die Freizeitnutzung verloren gewesen.
Der See ist zwischen 1927 und 1984 durch die Ausbaggerung von Neckarkies entstanden. Mittlerweile tummeln sich jährlich mehr als 50 000 Besucher an den Ufern, mitunter auch in den gesperrten. 95 Prozent der Bade- oder Freizeitgäste kommen nicht aus der kleinen Gemeinde mit 5600 Einwohnern. Die aber muss jährlich – trotz der Parkgebühren – einen Verlust von mindestens 30 000 Euro hinnehmen. Und jeglicher Ausbau würde laut Bürgermeister Bernhard Knauss weitere Kosten verursachen. Der Bürgermeister jedenfalls – das wurde jetzt deutlich – bedauert, dass Kindergärten und Alteneinrichtungen oder die Feuerwehr wegen der Ausgaben für den See zu leiden haben, und hätte lieber mehr Geld für die Bücherei zur Verfügung. Missfallen äußerten die Besucher der Bürgerversammlung an Homosexuellen, die den Seeparkplatz als Szenetreff auserkoren haben.
Professor Eberhard Schaich, engagierter Kirchentellinsfurter Bürger und früherer Rektor der Universität Tübingen, warnte vor einer Beschränkung des Badebetriebs: „Normalerweise wird ein Baggersee als Chance, nicht als Last angesehen“, wird er von der Lokalzeitung zitiert. Er sei „in Sorge, wenn ich die Rückbauszenarien betrachte, dass wir uns damit in eine Form der Fremdenfeindlichkeit begeben“.