Kirchhaldenschule in Stuttgart-Botnang Nach 24 Jahren verabschiedet

Von Petra Mostbacher-Dix 

Reinhold Sterra, Rektor der Kirchhaldenschule in Botnang, geht in den Ruhestand.

Die Elternbeiratsvorsitzende Daniela Keck übergibt Geschenke an den scheidenden Schulleiter Reinhold Sterra. Foto: Petra Mostbacher-Dix
Die Elternbeiratsvorsitzende Daniela Keck übergibt Geschenke an den scheidenden Schulleiter Reinhold Sterra. Foto: Petra Mostbacher-Dix

Stuttgart-Botnang - Bücher, feste und flüssige Leckereien, ein stattlicher Olivenbaum, ein Korb voller Blüten von Kindern, ein überbordender Strauß aus Riesenblumen, gebastelt in den Grundschulklassen, ein Schild „Sterras Gärtle“ symbolisch für alle in den Kindern gesetzten Bildungssamen: „Danke! Danke sehr! Ich glaube, wir müssen nachher mehrfach fahren!“ Gerührt blickte Reinhold Sterra auf die vielen Geschenke, die sich in der Apsis der Kirche St. Clemens aneinanderreihten. Feierte doch der Schulleiter der Kirchhaldenschule in Botnang seinen Abschied aus dem Berufsleben als Pädagoge und Rektor. Auf ökumenische Weise, am Ende des Festakts sprachen Pater Gregor Kosielski und Pfarrer Stephan Mühlich die Segensworte zum „Ausloggen aus dem Amt“.

Zuvor freilich hatten viele Wegbegleiter Sterras gesprochen, musikalisch umrahmt mit Songs wie Stings „Fragile“ oder dem „Vals No. 2“ des venezolanischen Komponisten Antonio Lauro, den Gitarrist Martin Wiedmann fein modulierte.

Die Riege der Redner reichte von Bezirksvorsteherin Mina Smakaj und Andreas Dobers von der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft, über Anke Leitzinger, Leiterin der Franz-Schubert-Schule, und Alberto Company, Leiter des Kinder- und Jugendtreffs, bis hin zu dem Fördervereinsvorsitzenden Frank Riehl, der Elternbeiratsvorsitzenden Daniela Keck sowie der Konrektorin Martina Della Latta.

Mehr Zeit fürs Rad und die Ducati

Sie alle ließen die Lenze und Ereignisse Revue passieren, die sie mit Sterra erlebt hatten, etwa seine Mitgliedschaft in 26 Vereinen oder sein politisches Engagement im Stadtbezirk. 24 Jahre führte Sterra die Grundschule – und leistete Maßgebliches, wie alle betonten. Seine großen Anliegen: Das Lernen mit „Kopf, Herz und Verstand“ und Demokratiepädagogik nach dem Vorbild des französischen Reformpädagogen Célestin Freinet, die Sterra in den 1980er-Jahren während des Studiums in Freiburg kennenlernte. Freinet propagierte statt eines rein lehrergelenkten Unterrichts den selbstbestimmten Schülerunterricht, sah die Klasse als Kooperative. Auch in der Kirchhaldenschule gestalteten Schülern ihren neuen Hof als Spielort mit, der 2000 eingeweiht wurde.

Zurück zu Sterra: Gelobt wurde nicht nur dessen offenes Ohr für alle Anliegen, seine Diskutierfreudigkeit und seine musikalischen Inspirationen – Gesang und Gitarre waren stets dabei. Begeistert wurde auch geschildert, wie Sterra die Schüler zum Engagement und Handeln für Mitmenschen und Umwelt anregte, den Respekt für Menschen, Tiere und Pflanzen an der Schule „säte“ – mit Naturaktionen, EU-Projekten, Engagement für Geflüchtete, konsequentem Einsatz für Gleichberechtigung der Geschlechter und gleichen Bildungschancen für Kinder aller Schichten und Nationen. Kulturelle Vielfalt habe er stets als Chance gesehen, er sei ein Teamplayer, wurde hervorgehoben. 2012 wurde an der Kirchhaldenschule das erste Schülerhaus Stuttgarts eingeweiht. Das damals neue Betreuungsangebot der Stadt löste den klassischen „Hort an der Schule“ ab, um den ständig steigenden Betreuungsbedarfen besser gerecht werden zu können. Dafür entwickelten Schule und Schülerhaus ein gemeinsames pädagogisches Konzept. 2019 kam das Kinderhaus hinzu. Bezirksvorsteherin Smakaj vermutete denn auch schmunzelnd, dass Sterra sich weiterhin in Botnang engagieren werde, auch wenn er jetzt mehr Zeit für Touren mit seinem Fahrrad und einer roten Ducati habe. Dem gab der Pädagoge lachend statt – ohne konkret zu werden.

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