Kirchheim Die großen Bohrmaschinen kommen im April

Von jüv 

Neben der Autobahn 8  bei Kirchheim laufen die Vorbereitungen für den Bau des Albvorlandtunnels auf Hochtouren. Die Bohrmaschinen, die die Röhren in Richtung Wendlingen durchs Erdreich treiben, nehmen ihre Arbeit im nächsten Sommer auf.

Bevor in der Horizontalen gebohrt werden kann, müssen die Arbeiter Bohrpfähle zur Abstützung vertikal versenken. Foto: Horst Rudel
Bevor in der Horizontalen gebohrt werden kann, müssen die Arbeiter Bohrpfähle zur Abstützung vertikal versenken. Foto: Horst Rudel

Kirchheim - Jetzt wird es ernst mit dem Bau des 380 Millionen Euro teuren Albvorlandtunnels zwischen Wendlingen und Kirchheim. An der Autobahn 8 in der Nähe der Anschlussstelle Kirchheim-Ost ist bereits eine riesige Baufläche von rund 20 Hektar zu sehen. Ein großes Bohrgerät setzt zurzeit mehr als 40 Pfähle ein, um die 18 Meter tiefe Baugrube, die später ausgehoben wird, abzustützen. Die beiden Tunnelbohrmaschinen, die von dieser Grube aus die zwei Röhren in Richtung Wendlingen vorantreiben sollen, sind indes noch nicht auf dem Areal neben der Autobahn zu sehen. Denn die Arbeiten unter der Erde beginnen laut dem Projektleiter Andreas Groten von der schweizerischen Firma Implenia erst im kommenden Sommer. Er rechne damit, dass mit der Montage der beiden riesigen Bohrer mit einem jeweiligen Durchmesser von rund zehn Metern im kommenden April begonnen werden kann.

In der heißen Phase sind rund 500 Arbeiter auf der Baustelle

Bis es richtig losgehen kann, sind ohnehin noch umfangreiche Vorbereitungsarbeiten notwendig, erklärt der Ingenieur Michael Frahm, der für die Deutsche Bahn den Bau des Albvorlandtunnels leitet. Und so wird zurzeit an allen Ecken und Enden des Areals gebaggert und planiert, es werden Baustellenstraßen gebaut, Container aufgestellt und Massen an Erdreich bewegt. Auf einer Fläche, um deren Größe ihn die Stuttgarter Kollegen beneideten, sagt Frahm und lacht, „die wären in der Stadt froh, sie hätten so viel Platz wie wir“. Zudem werde noch vor dem Beginn der Bohrarbeiten für Fußgänger und Fahrradfahrer eine Brücke über die Autobahn gebaut, da die bisherige für die Baustellenfahrzeuge benötigt werde.

Wenn sich vom Sommer an die beiden Tunnelvortriebsmaschinen ins Erdreich fressen, sind Andreas Groten zufolge etwa 500 Arbeiter auf der Baustelle beschäftigt. Dann stehe für rund vier Jahre nur noch an Ostern und an Weihnachten der Betrieb still. Und natürlich am 4. Dezember, dem Gedenktag der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute und Tunnelbauer. Die Männer arbeiten im Normalfall zehn Tage am Stück und haben danach fünf Tage frei, erklärt Michael Frahm: „Die Maschine muss laufen.“ Er muss es wissen, denn er ist seit zehn Jahren für die Deutsche Bahn im Tunnelbau tätig. Zuletzt war er am Boßlertunnel bei Weilheim und am Steinbühltunnel bei Hohenstadt im Einsatz, die beide im Zuge der Schnellbahntrasse nach Ulm gebaut werden. Erfahrung hat er auch am Katzenbergtunnel gesammelt, der ein Bestandteil der Ausbau- und Neubaustrecke Karlsruhe-Basel ist.

Zuschlag für Implenia

Die Firma Implenia aus der Schweiz hatte vor knapp zwei Jahren die Tiefbausparte des Mannheimer Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger übernommen. Implenia hatte sich Ende des vergangenen Jahres gegen sieben weitere Bieter durchgesetzt und den Zuschlag für die Arbeiten am Albvorlandtunnel erhalten.

Dieser Auftrag wurde von der Bahn als letzter für die acht großen Tunnel des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm vergeben. Implenia baut jedoch nicht nur den Tunnel zwischen Wendlingen und Kirchheim, die Firma stellt auch die beiden Anschlüsse der Neubaustrecke an die bestehende Bahnstrecke Plochingen-Tübingen her. Dies ist zum einen die sogenannte Wendlinger Kurve einschließlich eines weiteren 494 Meter langen Tunnels für die Verbindung Stuttgart-Tübingen. Zum anderen baut Implenia auch die Güterzuganbindung Ulm-Plochingen einschließlich eines 173 Meter langen Tunnels unter der A 8.

Drei Zauneidechsen verteuern das Projekt

Länge
Der im Zuge der ICE-Trasse zu bauende Albvorlandtunnel wird 8176 Meter lang. Im Laufe des Planungszeitraums wurde die Röhre vom Jahr 1995 mit 4910 Meter und rund 7900 Meter im Jahr 2004 immer länger.

Verlauf
Der Tunnel liegt in dem rund elf Kilometer langen Planfeststellungsabschnitt 2.1a/b der 60 Kilometer langen ICE-Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm. Er verläuft unter anderem unter dem Kirchheimer Stadtteil Lindorf sowie der Autobahn 8 mit der Anschlussstelle Kirchheim-Ost im Bereich des Gewerbegebiets der Gemeinde Dettingen. Die größte Überdeckung des Tunnels liegt beit etwa 65 Metern, die geringste bei 9,50 Meter.

Aushub
Bei dem Bau werden rund 3,2 Millionen Kubikmeter Aushub anfallen, von denen etwa 1,9 Millionen Kubikmeter zu Lärmschutzwallen aufgeschüttet werden. Das Material soll weitgehend über die Autobahn 8 abtransportiert werden.

Kosten
Nach dem momentanen Stand rechnet die Deutsche Bahn eigenen Angaben zufolge für den Albvorlandtunnel mit Baukosten von rund 380 Millionen Euro.

Artenschutz
Der Baubeginn des Tunnels war eigentlich früher vorgesehen. Geringfügig verzögert wurde er jedoch, weil auf dem Bauareal drei Exemplare der streng geschützten Zauneidechse gefunden wurden. Für die Reptilien musste das Baugelände verändert, eine Schutzplane aufgezogen und eine Barriere errichtet werden. Das verursachte zusätzliche Kosten in Höhe von rund 500 000 Euro.