Kirchheim Opfer schildert Szenario der Angst

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Ein 44-Jähriger, der seiner Ex-Freundin massiv nachgestellt hat, hat vor dem Amtsgericht Kirchheim eine Geldstrafe von 1500 Euro akzeptiert. Unter anderem hatte er eine Kamera im Bad und einen Peilsender am Auto seines Opfers versteckt.

Im Amtsgericht Kirchheim ist gegen einen Stalker verhandelt worden. Foto: Pascal Thiel
Im Amtsgericht Kirchheim ist gegen einen Stalker verhandelt worden. Foto: Pascal Thiel

Esslingen - Wenn langjährige Beziehungen in die Brüche gehen, enden sie mitunter in grandiosen Schlammschlachten. Dass diese zum Gegenstand von Strafprozessen werden, ist eher selten. Doch am Dienstag hat sich ein 44-Jähriger vor dem Amtsgericht Kirchheim verantworten müssen, weil er laut der Anklage seiner ehemaligen Freundin nach der Trennung massiv nachgestellt, sie bedroht, beleidigt und genötigt hat.

Rund zehn Jahre waren der Angeklagte und die 29-Jährige ein Paar, sie haben auch einen gemeinsamen kleinen Sohn. Schon während der Beziehung habe er sie stets kontrolliert, ihr ständig Eifersuchtsszenen gemacht. „Wir hatten sogar einen Vertrag, wann ich alleine ausgehen darf“, erklärt die junge Frau.

Kamera im Bad versteckt

Im vergangenen Oktober eskalierte der Beziehungsstress offenbar. Im Bad der gemeinsamen Wohnung habe sie eine raffiniert versteckte Kleinstkamera entdeckt, mit der der 44-Jährige sie heimlich fotografiert habe. Tatsächlich wurden auf seinem Computer und auf seinem Handy von der Polizei eine ganze Reihe Fotos vom nackten Unterleib seiner Ex-Partnerin gefunden. Nachdem sie die Kamera entdeckt hatte, zog die 29-Jährige zu ihren Eltern, womit für sie der Horror erst richtig losging.

„Er war einfach immer überall“, berichtet sie über den Terror, den er auf sie ausgeübt habe. Ständig habe er ihr aufgelauert, sie beschimpft, Tag und Nacht am Telefon drangsaliert, sie beleidigt und gedroht, ihre Existenz zu zerstören. Er habe sie auf Schritt und Tritt überwacht, sei aufgetaucht, wenn sie eingekauft, den Kleinen vom Kindergarten abgeholt oder auch nur mit Bekannten ein Fest besucht habe.

Peilsender am Auto

Sogar das Haus ihrer Eltern habe er von der gegenüber liegenden Wohnung einer Bekannten aus regelmäßig beobachtet. Er habe ihr unter anderem die Luft aus den Autoreifen gelassen und im ganzen Ort behauptet, sie sei psychisch krank, sie trinke und sei drogenabhängig. Laufend sei es wegen des gemeinsamen Umgangsrechts für den Sohn zu Streitereien gekommen. Auch damit befassen sich seit einiger Zeit verschiedene Gerichte und Behörden. Ende Dezember hatte der Angeklagte einen Peilsender hinter dem Nummernschild ihres Autos versteckt, um jederzeit zu wissen, wo sie sich aufhält. Das ist der einzige Vorwurf, den der 44-Jährige einräumt. Ansonsten streitet der Stalker alles ab. Ihre Scham habe er auf ihren Wunsch hin fotografiert, weil er für sie einen Pickel an dieser Stelle dokumentieren sollte. Bei der vermeintlichen Kamera habe es sich um Spielzeug des Sohnes gehandelt. Warum er die Bilder gespeichert hat, kann er allerdings nicht erklären. Dass er gedroht haben soll, die kompromittierenden Fotos ins Internet zu stellen, streitet er ab. Die Frau mache ihn ständig schlecht, um das alleinige Sorgerecht für den Sohn zu bekommen.

Die Vorsitzende Richterin Franziska Hermle-Buchele glaubt ihm nicht. Die Zeugin indes habe „unheimlich glaubwürdig und ohne Belastungseifer“ geschildert, welchem Druck sie durch ihn ausgesetzt gewesen sei. Tatsächlich schildert die 29-Jährige sehr eindrucksvoll ihre Angst und deren Auswirkungen auf ihr Leben. Sie habe stark abgenommen, fühle sich ständig unsicher und habe stets Pfefferspray und Handy griffbereit. „Ich hatte sogar heute Angst, dass er mit dem Messer dasteht.“

Geldstrafe wird akzeptiert

Die Richterin erklärt dem 44-Jährigen, dass er durchaus zu einer Freiheits- oder einer höheren Geldstrafe verurteilt werden könne, sollte er den Einspruch gegen den Strafbefehl nicht zurücknehmen. Schließlich sei er mit diversen Vorstrafen aus der Jugendzeit „kein unbeschriebenes Blatt“. Nach einer Unterredung mit seinem Verteidiger zieht der 44-Jährige schließlich zähneknirschend seinen Einspruch zurück und akzeptiert die ursprüngliche Geldstrafe von 1500 Euro wegen Nachstellung, Sachbeschädigung und Nötigung.