Kirchheimer CDU-Abgeordneter Gesundheitspolitiker Michael Hennrich wird Pharma-Lobbyist

Der CDU-Politiker Michael Hennrich verlässt das Bundesparlament. Foto: Ines Rudel

Der Kirchheimer CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich wechselt als Geschäftsführer zum Bundesverband der Arzneimittelhersteller. Die Freude ist größer als die Wehmut.

Nach 21 Jahren ist nun Schluss mit der Parlamentsarbeit: „Mit 58 Jahren möchte ich etwas Neues wagen. Das ist jetzt vielleicht die letzte Chance, noch mal einen großen Schritt zu machen“, hat sich Michael Hennrich jüngst beim Neujahrsempfang der CDU Teck offiziell von der politischen Bühne verabschiedet. Der renommierte Gesundheitspolitiker wechselt ins Lager der Lobbyisten.

 

Im September 2002 zog der Kirchheimer erstmals als Direktkandidat des Wahlkreises Nürtingen für die CDU in den Deutschen Bundestag ein. Seither hat er das Mandat immer wieder errungen – zuletzt 2021. In jenem Jahr wurden die Christdemokraten jedoch nach vielen Jahren Regierungsarbeit in die Opposition geschickt. Eine Zäsur für die Partei, wie Hennrich einräumt. Die neue Rolle schmeckt dem Kirchheimer nach dem Wechsel auf Rot-Grün-Gelb nicht sonderlich, bedeutet sie doch weniger Verantwortung und weniger Gestaltungsspielraum.

Bereits im Wahlkampf hatte er angekündigt, dass dies seine letzte Legislaturperiode als Abgeordneter sein werde. Es sei an der Zeit, Jüngere in die Verantwortung zu nehmen, begründete er diesen Schritt. Bis zur turnusgemäßen Neuwahl 2025 hat er dann aber doch nicht warten wollen: Im Sommer vergangenen Jahres gab der Jurist schließlich bekannt, im Frühjahr 2023 sein Bundestagsmandat niederzulegen zu wollen, um als Geschäftsführer zum Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) zu wechseln. „Die Stelle ist wie auf mich zugeschnitten“, sagte er damals gegenüber unserer Zeitung. Der Branchenverband der Arzneimittelindustrie in Deutschland vertritt die Interessen von rund 400 Mitgliedsunternehmen mit etwa 80 000 Beschäftigten. Seinen Job tritt Hennrich an diesem Mittwoch, 1. März, an. Auch in der neuen Funktion beschäftigt er sich weiterhin mit Arzneimittelpolitik – nur sitzt Michael Hennrich jetzt auf der anderen Seite des Tisches als bisher.

In der Pharmabranche ist der gebürtige Balinger bereits bestens bekannt und auch er kennt alle wichtigen Akteure. Der Unionspolitiker war seit 2005 Mitglied im Bundestagsausschuss für Gesundheit und dort Berichterstatter für den Bereich Arzneimittelversorgung und Apotheken. Von 2015 bis 2021 fungierte er zudem als Obmann seiner Fraktion im Gesundheitsausschuss und hatte zum Ende der letzten Legislaturperiode für kurze Zeit noch das Amt des gesundheitspolitischen Sprechers übernommen. 15 Jahre lang hat Michael Hennrich die Arzneimittel- und Pharmapolitik in Deutschland mitgeprägt und war an allen wichtigen gesetzgeberischen Verfahren im Gesundheitswesen beteiligt – unter anderem wirkte er im Jahr 2010 in der damaligen schwarz-gelben Koalition federführend am Entstehen des noch heute geltenden Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes mit. Das sei einer der Höhepunkte seiner politischen Karriere gewesen, blickt Michael Hennrich auf bewegte Jahre zurück.

Mehr Zeit fürs Privatleben

Nun freue er sich auf etwas mehr Zeit für sein Privatleben und vor allem auf freie Wochenenden. Was allerdings bleibt: Auch künftig wird er pendeln müssen zwischen Kirchheim, wo sich seine Frau, die beiden Söhne und er selbst sich zuhause fühlen, sowie Berlin und Bonn, wo der BAH-Verband seine Geschäftsstellen hat. Das schrecke ihn aber nicht ab, „während der Bahnfahrten kann ich die Zeit zum Arbeiten nutzen“.

Das Wahlkreisbüro in Nürtingen wird übrigens als Gemeinschaftsprojekt der CDU Nürtingen und dem Kreisverband der Partei bestehen bleiben. Allerdings stellt der Raum Kirchheim/Nürtingen bis 2025 keinen eigenen CDU-Bundestagsabgeordneten mehr, für Michael Hennrich rückt Alexander Föhr aus Heidelberg ins Parlament nach.

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