Kirchheimer Kompostwerk Künftig kommt die Luft von unten

Die Rottehalle im Kirchheimer Kompostwerk wird derzeit rückgebaut. Foto: Karin Ait Atmane

Die Modernisierung des Kirchheimer Kompostwerks liegt im Zeit- und Kostenplan. Der Großteil des Biomülls geht vorläufig nach Leonberg.

Zurzeit gibt es keinen Kirchheimer Kompost. Das Kompostwerk wird modernisiert und geht voraussichtlich im Sommer 2026 wieder in Betrieb. Bis dahin werden Bio- und Grünmüll größtenteils in Leonberg verarbeitet; bei der Abfuhr ändert sich aber nichts.

 

Im Kirchheimer Kompostwerk, einer gemeinsamen Gesellschaft der Landkreise Esslingen und Böblingen, kommt zwar aktuell noch Bioabfall an. Er wird aber lediglich von den Sammelfahrzeugen auf größere Transporter umgeladen. Die Rottehalle, in der die Kompostierung stattfand, ist eine große Baustelle. „Sie wird komplett erneuert“, erklärt Michael Potthast, der Geschäftsführer des Kompostwerks. „Hier tut sich für uns sehr, sehr viel.“ Auch bei der Aufbereitung und der Abluft sind Verbesserungen geplant. Das an der Autobahn A8 gelegene Werk erhält so nach knapp 30 Jahren eine umfassende Modernisierung. Denn zum einen zeigte sich die Technik aufgrund ihres Alters zunehmend störanfällig, zum anderen hat ein kleinerer Brand im Jahr 2023 vor allem „in der Steuerungstechnik seine Spuren hinterlassen“, wie Potthast sagt. Mit der Erneuerung sichere man zudem ausreichend Kapazitäten für die Zukunft, verbessere die Abluft und reduziere den Energieverbrauch. „Wir gehen davon aus, dass wir zehn bis 15 Prozent an Energie sparen“, so der Geschäftsführer.

Plastiktüten sind ein echtes Problem

Zunächst einmal bedeutet der Umbau allerdings Stillstand: Seit Mai wird kein Material mehr angenommen, seit Juni sind die Baufahrzeuge am Werk. Die Rottehalle wird komplett rück- und wieder neu aufgebaut. Aktuell liegen Betonbrocken, Bodenplatten und große Haufen aus Drahtgewirr zwischen den Abbruchfahrzeugen herum. Die Betonträger an der Decke zeigen schmutzig-braune Schlieren: die Spuren von Feuchtigkeit, die sich hier niedergeschlagen hat. Denn bislang lag der Biomüll offen in der 130 Meter langen Halle und wurde durch Schaufelräder und Förderbänder gewendet und weiterbewegt. In Zukunft findet der Prozess dagegen in 18 Rottetunneln, jeder davon einer 33 Meter langen Garage ähnlich, statt. Sie werden einzeln befüllt und angesteuert, wodurch man sparsamer wirtschaften kann als in der großen Halle. Durch einen Spaltboden wird Luft in die Garagen eingeblasen. „Durch das Belüften von unten brauchen wir nicht mehr so häufig umzusetzen“, erklärt Michael Potthast.

Probleme mit Plastiktüten

Ein Problem bleibt aber trotz der neuen Technik bestehen: das der Plastiktüten. „Jede Plastiktüte, die vorne reinkommt, bereitet uns hinten Probleme“, erklärt Potthast. Das gelte ausdrücklich auch für Tüten, die als biologisch abbaubar gekennzeichnet sind, weil auch sie – wenn überhaupt – viel zu langsam verrotten: „Die haben in der Biotonne nichts verloren.“

Essensreste dagegen „gehören absolut in den Bioabfall“, stellt der Geschäftsführer klar. Ebenso darf man Grasschnitt in der braunen Tonne verstauen. Der Abfallwirtschaftsbetrieb will nach dem Umbau die Mülltrennung weiter verfeinern: Bisher fänden sich noch immer zu viel organische Stoffe im Restmüll. Während des Rottevorgangs muss eine Temperatur von 70 Grad erreicht werden, um Keime abzutöten. Das gelinge, ohne Energie zuzuführen allein mit den im Material vorhandenen Bakterien.

Modernisierungskosten von circa 20 Millionen Euro

Die Kosten für die Modernisierung liegen bei geschätzten 20 Millionen Euro. Die Abfallwirtschaftsbetriebe der Landkreise Esslingen und Böblingen teilen sie sich, denn sie sind beide Gesellschafter des Kompostwerks und verwerten ihren Biomüll nach einem gemeinsamen Konzept. Knapp die Hälfte des Aufkommens im Kreis Esslingen wird nach Leonberg in die dortige Vergärungsanlage gefahren, die aus den Abfällen Energie gewinnt. Die Gärreste kommen wieder zurück nach Kirchheim, wo sie in den Kompostierungsprozess eingespeist werden.

Projekt liegt im Zeitplan

Ebenso schickt der Kreis Böblingen einen Teil seines Biomülls direkt nach Kirchheim – wenn die Anlage denn fertiggestellt ist. Derzeit muss Leonberg allerdings so viel wie möglich aus beiden Landkreisen selbst verarbeiten; was darüber hinausgeht, wird an externe Firmen vergeben.

Die Menschen im Kreis bekommen von dieser „Biomüll-Logistik“ nichts mit, weder aktuell noch nach Ende der Bauzeit. Lediglich, dass es derzeit keinen Kirchheimer Kompost gibt, wird vielen aufgefallen sein. Zwei Monate nach Wiederinbetriebnahme des Kompostwerks, also im Herbst 2026, kann man ihn wieder bekommen. Aktuell liegt die Baustelle nach Angaben des Geschäftsführers gut im Zeit- und im Kostenplan.

Wertvoller Abfall

Kompost mit Qualitätssiegel
Das Kirchheimer Kompostwerk ist dafür ausgelegt, maximal 60 000 Tonnen Bioabfälle im Jahr zu verarbeiten. Daraus entstehen rund 20 000 Tonnen Kompost. Diese Mengen sollen nach der Modernisierung wieder erreicht werden; in den vergangenen Jahren fielen sie aus technischen und anderen Gründen kleiner aus. Der Kirchheimer Kompost trägt das „Gütezeichen Kompost“ und wird regelmäßig kontrolliert. Rund ein Drittel davon geht an private Haushalte, ein Drittel an Landwirte und ein Drittel an Erdenwerke, also Hersteller von Blumenerden, Substraten und Ähnlichem.

Das ist Bioabfall
In die Biotonne gehören Küchen- und Gartenabfälle wie Obst- und Gemüsereste, Essensreste, Kaffeefilter, Teebeutel, Blumen- und Rasenschnitt. Auch Heckenschnitt, der nicht zu grob ist, kann beigemischt werden; dickere Zweige und Äste sind dagegen wie der Baumschnitt am Grünsammelplatz abzugeben. Küchenabfälle können in Zeitungspapier oder in Papiertüten (wie zum Beispiel Bäckertüten) verpackt werden, aber nicht in Plastik.

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