Kirchheimer Ufersanierung Leben braucht ganz einfach viel Licht

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Die Stadt informiert über Fortschritte bei der naturnahen Sanierung der Fluss- und Bachufer. Noch heute regt sich in der Bevölkerung Widerstand. Kai Holoch

Andreas Christoph kümmert sich um die  Lindach Foto: Michael Steinert
Andreas Christoph kümmert sich um die Lindach Foto: Michael Steinert

Kirchheim - Die Aufregung vor vier Jahren bei den massiven Baumfällarbeiten entlang der Kirchheimer Ufer ist gewaltig gewesen – und sie ist es teilweise noch heute. Eine Teilschuld daran nimmt der Kirchheimer Bürgermeister Günter Riemer auf die Kappe der Verwaltung. Denn in den 40 Jahren zuvor habe die Stadt das Thema Sicherheit in diesen Bereichen vernachlässigt. Riemer: „Dann haben wir festgestellt, dass die Pflege der Ufer mehr Einsatz bedarf.“

Um zu beweisen, dass der damals eingeschlagene Weg der richtige war, hat die Stadt nun zu einem Vor-Ort-Termin an das Schlossgymnasium geladen, dorthin also, wo der Widerstand gegen die Baumfällarbeiten entlang der Lindach und des dort einmündenden Trinkbachs besonders groß war.

Fatale Folgen für Gräser und Kräuter

Ein zentraler Aspekt, so erläutert der Welzheimer Ingenieur Martin Müller, der mit seinem Partner Andreas Christoph für die Stadt die Vegetationsarbeiten durchführt, ist das Licht. Leben könne eben nur da entstehen, wo es ganz viel Licht gebe. Und genau das sei eines der zentralen Problem in Kirchheim gewesen. Zwar seien die hohen Bäume, die im Lauf der vergangenen 40 Jahre entlang der Ufer gewachsen seien, optisch schön gewesen. Doch darunter habe eben wenig bis gar nichts gedeihen können – mit fatalen Folgen: Kräuter, Gräser und junge Triebe, die den Uferbereich hätten stabilisieren können, hätten keine Chancen gehabt, sich zu entwickeln. Das habe die Gefahr von Uferrutschungen erhöht.

Und die Bäume seien oft durch Schädlinge und Pilzbefall derart geschädigt gewesen, dass ihre Standsicherheit nicht mehr gewährleistet gewesen sei. Da die Stadt aber eine gesetzliche Verkehrssicherungspflicht der Wege entlang der Gewässer habe, seien die Fällarbeiten unumgänglich gewesen. Rund 300 000 Euro muss die Stadt alljährlich in die Pflege der 54 in der Stadt existierenden Kilometer Uferbereiche investieren. Die Fachleute untersuchen dafür den Gesundheitszustand und die Verkehrssicherheit, kümmern sich um die Vegetation und verbessern den Zustand der Ufer.

Trinkbach als Vorzeigeobjekt

Wie sich die Natur nach den Eingriffen selber erholt hat, ist besonders schön am Trinkbach im Bereich des Schlossgymnasiums zu sehen. Drei Vegetationsperioden nach den dort unumgänglichen Baumfällungen präsentiert sich der Uferbereich als ein artenreicher Lebensraum, in dem Gräser, Kräuter und verschieden tief wurzelnde junge Bäume den Bereich stabilisieren. Besonders stolz ist Andreas Christoph darauf, dass es an diesem Bachabschnitt keine einzige Zupflanzung gegeben habe: „Die Natur hat hier richtig Gas gegeben“, beschreibt er das faszinierende Ergebnis. Die Artenvielfalt bei den Pflanzen wie bei den Tieren habe sich verdreifacht. Sogar der Eisvogel habe sich am Trinkbach eine neue Heimat gesucht.