Kirchturm in Ehningen Neue Zifferblätter per Kran an ihren Platz gehievt

Am Donnerstagvormittag hievten die Arbeiter die neuen Ziffernblätter per Kran am Turm der Ehninger Kirche hinauf. Foto: Eibner-Pressefoto/Roger Bürke

Vier Monate lang fehlten zwei der vier Zifferblätter am Ehninger Kirchturm. Die riesigen Bleche wurden in einer Werkstatt bei Ludwigsburg originalgetreu nachgebaut. Seit Donnerstag hängen die neuen Zifferblätter an ihrem Platz.

Seit August klafften am Turm der evangelischen Kirche im Ehninger Ortskern zwei Lücken, wo sonst die Uhrzeit angezeigt wurde. „Natürlich haben sich die Leute gewundert und immer mal wieder nachgefragt“, berichtet Asta Heine, die Vorsitzende des Kirchengemeinderats. Die Antwort war ganz einfach: Zwei der vier riesigen Zifferblätter hatten mittlerweile so starke Rostschäden, dass sie ersetzt werden mussten.

 

Jetzt ist alles wieder an seinem Platz. Am Donnerstag hievten Mitarbeiter der Transportfirma Scholpp die beiden neuen, 2 mal 2 Meter großen Zifferblätter per Kran an Ort und Stelle zurück – ein aufwendiges Unterfangen. „Zuerst einmal mussten wir morgens um acht Uhr zwei Autofahrer ausfindig machen, die ihre Pkw trotz Hinweisschilder im Weg geparkt hatten“, berichtet Heine. Das gelang übers Ordnungsamt. Der eine der beiden schimpfte, der zweite entschuldigte sich umgehend und brachte den Arbeitern Kaffee. „Eine nette Geste“, fand die Kirchengemeinderätin. Bis zum frühen Nachmittag waren die blau-schwarz-goldenen Uhrenbleche dann über die Krankabine wieder am Turm angebracht, die Zeiger montiert und die Uhren-Antriebe angeschlossen.

Für die Herstellung der neuen Zifferblätter hatte die Ehninger Kirchengemeinde einen Spezialisten aufgesucht: den Turmuhrenbauer Eisenhart in Möglingen bei Ludwigsburg. Seit 1910 gibt es die kleine Firma, gegründet von Eugen Eisenhart, dem Großvater des jetzigen Chefs Uwe Eisenhart. „Ja, wir haben eine lange Tradition“, sagt der 60-Jährige nicht ohne Stolz, „und wenn es gut läuft, übernimmt bald mein Sohn.“ Ganz sicher sei das zwar noch nicht, doch der Filius ist wohl nicht abgeneigt – immerhin.

Die Werkstatt in Möglingen hat viel zu tun, deshalb mussten die Ehninger auch ein bisschen auf ihre neuen Zifferblätter warten. „Normalerweise brauchen wir dafür etwa vier Wochen“, sagt Uwe Eisenhart, „jetzt hat es etwas länger gedauert.“ Die alten Zifferblätter seien so verrostet gewesen, dass eine Restaurierung kein Thema war. Da die riesigen Bleche aus den 1960er Jahren stammten, hielt sich der historische Wert ohnehin in Grenzen. „Bei Zifferblättern aus den 1930er Jahren muss man sich das schon genau überlegen“, weiß der Turmuhrenbauer, „aber hier hätte sich das nicht gelohnt.“

Die alten wogen 50 Kilogramm, die neuen nur noch 30

Dafür erstellte Eisenhart die neuen Zifferblätter mit zwei Metern Durchmesser genau nach dem Vorbild der bisherigen – sie sollen ja zu den anderen beiden passen, die am Turm hängen geblieben sind. Während die alten Schilder etwa 50 Kilogramm wogen, bringen die neuen Alu-Zifferblätter nur rund 30 Kilogramm auf die Waage. Die tiefe blaue Kunstharz-Farbe haben die Handwerker extra angemischt. Die Stahl-Messing-Zeiger wiederum sind die alten, denn sie haben einen höheren Wert und könnten, wie der Experte schätzt, an die 100 Jahre alt sein.

Zeiger wie Ziffern sind mit 24 Karat Gold gestaltet – eine wunderschöne Arbeit. Auch wenn sie für die Möglinger Werkstatt nahezu Alltagsgeschäft darstellt. „Wir fertigen im Jahr rund 40 solcher Ziffernblätter“, berichtet der Chef. 18 000 Euro überweisen die Ehninger nun nach Möglingen – zumindest lautete so der Kostenvoranschlag. „Der ist allerdings schon neun Monate alt – womöglich wird es etwas teurer“, vermutet Asta Heine.

1967 wurden die Zifferblätter am Turm angebracht

Zur Geschichte der Ehninger Zifferblätter ist wenig bis nichts überliefert. Immerhin hat die Vorsitzende des Kirchengemeinderats in einem alten Fotoalbum Aufnahmen vom Februar 1967 gefunden, als die Zifferblätter ausgetauscht wurden – wie eines der Fotos nahelegt, hatten sie zuvor römische Zahlen. Das Anbringen lief damals nicht mit einem gigantischen Kran ab, sondern per Seilzug, Holzgerüst und Handarbeit. Zudem war der Turm 1979 eingerüstet, womöglich fanden dabei auch Reparaturen an den Uhren statt.

Wie auch immer – nun strahlen die neuen Zifferblätter vom ortsbildprägenden Turm hinunter, die beiden Lücken sind geschlossen. Und nicht genug: Gleichzeitig wurde noch ein weiteres Problem behoben: Der Zeiger-Antrieb auf der Westseite war defekt, die Uhr ging seit geraumer Zeit nach. Bemerkt wurde dies aber erst, nachdem einige Ehninger regelmäßig die S-Bahn verpassten. „Diejenigen, die aus dieser Richtung zum Bahnhof gelaufen sind und sich auf die Kirchturmuhr verlassen haben, waren plötzlich viel zu spät dran“, berichtet Asta Heine mit einem Schmunzeln, „so kam das erst raus und wurde an uns herangetragen.“ Eine erste Reparatur brachte keine Verbesserung, also stand der Austausch an. Und nun sollte auch niemand mehr die S-Bahn verpassen.

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