Kirchturmsanierung Neckargröningen Der Putz bröckelt immer noch

Von Benjamin Büchner 

Fast zehn Monate ist der Turm der Martinskirche in Remseck-Neckargröningen für die Sanierung eingerüstet gewesen. Jetzt ist er wieder frei – und passiert ist offensichtlich nichts.

  Foto: factum/Weise
  Foto: factum/Weise

Remseck - Grün ist die Farbe der Hoffnung. Für die Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde in Remseck-Neckargröningen stand sie zehn Monate lang für die Vorfreude, dass ihre Martinskirche bald in einem neuen Antlitz erstrahlt. Schließlich war das Baugerüst rund um den Kirchturm mit grüner Folie umspannt. Jetzt ist das Gerüst weg und der Turm sieht immer noch so schäbig aus wie vorher. Bisher konnten nämlich nur die Voruntersuchungen im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege durchgeführt werden. Da sich nach deren Abschluss im Mai nichts mehr getan hat, entschieden sich der Pfarrer, die Ortskirchliche Verwaltung und der Architekt für den Abbau des Gerüsts.

Baupause war nicht eingeplant

Wer von oben die Ludwigsburger Straße in Neckargröningen herunterfährt, sieht den dicken dunklen Streifen im oberen Teil des Kirchturms sofort. Er liegt direkt unter dem verwitterten Schallladen, dem vier bis fünf Lamellen fehlen. Und die Fassade ist eher grau als weiß. So sah die Westseite des Turms im November 2012 aus und so sieht sie heute aus. Auch an den anderen Außenwänden des Bauwerks sind deutliche Schäden zu erkennen. Die Sanierung lässt aber auf sich warten.

„Das ist eine ziemlich ärgerliche Geschichte“, sagt Pfarrer Achim Dürr. Eigentlich wollten die Ortskirchliche Verwaltung, der Pfarrer und der Architekt die Zeit zwischen Voruntersuchung und Baubeginn so kurz wie möglich halten. „Wir hatten gehofft, dass wir in einem Zug durcharbeiten können“, sagt der Architekt Michael Unger. Dann wäre ein kurzzeitiger Abbau des Gerüsts teurer als die Miete geworden, deren Höhe Unger nicht nennen möchte.

Kirchengemeinde wird von Denkmalschützern ausgebremst

In den vergangenen drei Monaten stand das Gerüst allerdings umsonst. Laut Unger wurde von Juni bis August darauf nicht gearbeitet. Bei seiner Zeitplanung spielte das Landesamt für Denkmalpflege am Regierungspräsidium Stuttgart nämlich nicht mit. Bis Ende August ließen die Denkmalschützer Unger warten, bis sie ihm eine Stellungnahme zu den Ergebnissen der Voruntersuchung mitteilten. Ohne die wusste der Architekt nicht, welche Maßnahmen bei der Renovierung verlangt werden und konnte kein Sanierungskonzept aufstellen. „Jetzt haben wir gesehen, dass wir in diesem Jahr nicht mehr anfangen können“, sagt der Architekt Michael Unger. Durch den Aufschub des Baubeginns wäre die Miete für das Gerüst voraussichtlich teurer geworden als der Abbau, der vor zwei Wochen ausgeführt wurde.

Weitergehen kann die Sanierung wahrscheinlich erst im Frühjahr 2014, sagt Michael Hartmann, der Sprecher des Stuttgarter Regierungspräsidiums. Einige Ergebnisse der Voruntersuchungen hätten die Denkmalschützer nämlich überrascht. Die Gutachter hätten zum Beispiel festgestellt, dass auf der Turmfassade zwei Putzschichten aufgetragen seien. Die obere Schicht stamme aus der Zeit um 1960, die untere sei womöglich mehrere Jahrhunderte alt. Wegen seines historischen Werts soll der Unterputz unbedingt erhalten bleiben. Die neuere Schicht muss also vorsichtig abgeschält werden. Wo dann noch das historische Material erhalten bleibt, wird es restauriert. An den anderen Stellen wird neu verputzt. „Das ist in den Wintermonaten nicht möglich“, erklärt Hartmann.

Pfarrer Achim Dürr informierte seine Gemeinde in der vergangenen Woche im Gemeindeblatt. „Leider haben wir nur wenig Einfluss auf den Ablauf der Sanierung“, schreibt er darin. Er hätte lernen müssen, dass beim Denkmalschutz mehrere Akteuden Fortgang bestimmen könnten.




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