Kita am Neckartor in Stuttgart Spielplatz zwischen Feinstaub und Mobilfunk

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Am Neckartor betreibt ein privater Träger trotz der hohen Schadstoffbelastung eine Kita. Eine Betriebserlaubnis hat die Einrichtung ohne Probleme bekommen, gleichwohl stehen offenbar noch Gutachten aus.

Über den Dächern Stuttgarts spielen hier die Kinder – allerdings liegt die Kita an der dreckigsten Kreuzung Stuttgarts. Foto: Michael Steinert
Über den Dächern Stuttgarts spielen hier die Kinder – allerdings liegt die Kita an der dreckigsten Kreuzung Stuttgarts. Foto: Michael Steinert

Am Neckartor, der schmutzigsten Kreuzung Deutschlands, betreibt ein privater Träger eine Kindertagesstätte. In der obersten Etage des Eckgebäudes Heilmannstraße/Am Neckartor betreibt die Polifant gGmbH seit September 2013 eine Kita für 75 Kinder, samt Spielplatz auf der Dachterrasse. Eine Betriebserlaubnis liegt zwar vor – allerdings mit Einschränkung. Die Gesellschaft betreibt mehrere Kitas in den obersten Etagen von Bürogebäuden.

Betriebserlaubnis nur mit Einschränkung

„Das Antragsverfahren für den neuen Standort im Osten lief problemlos“, sagt Evelyn Samara vom Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS). Dieser Verband ist zuständig für die Erteilung von Betriebserlaubnissen für Kitas. Sie sagt aber auch: „Das Gesundheitsamt und der Architekt haben bereits bei der Planung der Kita mehrere Gutachten in Auftrag gegeben, um die Situation zu überprüfen.“

Nicht nur die hohe Feinstaubbelastung am Neckartor erscheint problematisch: Auf dem Dach des Gebäudes, also direkt über den Köpfen der Kinder, sind Mobilfunkmasten angebracht. Laut Samara bestätige ein Gutachten der Bundesnetzagentur (Bnetza) aber die Unbedenklichkeit der Werte. „Die Grenzwerte werden sicherlich eingehalten, sonst wären die Mobilfunkantennen nicht in Betrieb genommen worden“, sagt ein Sprecher der Bnetza und weist zugleich darauf hin, dass für Kinder dieselben Grenzwerte gelten wie für Erwachsene. Die Werte einer gesonderten Messung für die Kita lägen ihm nicht vor. Eine solche Messung könne beim Umweltamt beantragt werden.

Die Geschäftsführerin lehnt eine Stellungnahme ab

Zu einer Stellungnahme war die Geschäftsführerin der Polifant gGmbH auf Anfrage der StZ nicht bereit, sie verweist auf den Kommunalverband KVJS und das Gesundheitsamt. Aber auch das Amt gibt nur wenig Informationen heraus, wie der zuständige Mitarbeiter sagt: „Zu einem laufenden Verfahren kann ich mich nicht äußern.“ Für die Kita an der Heilmannstraße gibt es zwar eine Betriebserlaubnis, allerdings mit Einschränkungen. Weitere Gutachten sind in Auftrag gegeben. Eine Sprecherin der Stadt erklärt, dass die Erlaubnis zwar nicht befristet sei, aber unter dem Vorbehalt stehe, „dass die Vorgaben von anderen aufsichtsführenden Stellen, insbesondere des Gesundheitsamtes und des Baurechtsamtes, erfüllt werden“.

„Tendenziell wird die Feinstaubbelastung auf der Dachterrasse niedriger sein als an unseren Messstationen“, sagt Ulrich Reuter, der Leiter der Abteilung Stadtklimatologie beim Amt für Umweltschutz. Denn das Luftvolumen wird größer, je weiter es von der Quelle (also den Fahrzeugen) entfernt ist, die Schadstoffe verteilen sich so eher, und die Belastung ist nicht mehr ganz so hoch. Gemessen wurde in der Kita jedoch noch nicht.

„Die Möglichkeit einer mobilen Messung an der Stelle ist tendenziell gegeben“, sagt Reuter. „Allerdings müssten wir diese Messung über ein Jahr durchführen, um repräsentative Werte zu erhalten.“ Die Feinstaub-Grenzwerte gelten EU-weit und unabhängig vom Alter. Der nächste Schritt wäre, eine Messung durchzuführen und einen Mediziner diese einschätzen zu lassen, sagt Reuter.

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