Kita-Fachkräftemangel in Herrenberg Neue Maßnahmen für mehr Verlässlichkeit in der Betreuung

Auch in Herrenberger Kitas – hier jene an der Hauffstraße – fehlt es an Erziehenden. Foto: Archiv KRZ

Angesichts des Fachkräftemangels in Kitas hat Herrenberg ein Maßnahmenpaket entwickelt, um die Arbeitsbedingungen für Erzieherinnen zu verbessern und die Betreuung für Familien zu sichern.

Volontäre: Janina Link (jali)

Bundes- und landesweit fehlt es an Fachkräften in Kitas. Die angespannte Lage in der Kinderbetreuung stellt Familien, Kinder und pädagogische Fachkräfte vor große Herausforderungen – auch in Herrenberg. Um diesen Problemen entgegenzuwirken, hat die Stadtverwaltung ein Maßnahmenpaket entwickelt, das mehr Verlässlichkeit für Familien schaffen, die Arbeitsbedingungen für Beschäftigte verbessern und neue Wege im Personaleinsatz eröffnen soll.

 

„Mit 1700 Betreuungsplätzen ist Herrenberg noch verhältnismäßig gut aufgestellt“, sagt Oberbürgermeister Nico Reith. „Aktuell gibt es pro Kita in Herrenberg eine halbe Stelle, die wir nicht besetzt haben.“ Ein zentraler Baustein des neuen Konzepts ist die Personalbindung und -gewinnung. Um Fachkräfte zu halten und neue zu gewinnen, setzt die Stadt auf eine attraktive Vergütung, regelmäßige Tarifsteigerungen und Arbeitsmarktzulagen, etwa für die Ganztagsbetreuung. Weitere Verbesserungen wie eine zweite Leitungsebene zur Entlastung der Kita-Leitungen sowie ein Vertretungspool und gezielte Fortbildungsangebote sollen die Arbeitsbedingungen weiter verbessern.

Reduzierung der Öffnungszeiten bis 2026

Doch auch wenn diese Maßnahmen umgesetzt werden, bleibt der Fachkräftemangel eine Herausforderung. Deshalb plant die Stadt auf lange Sicht eine Umstrukturierung der Kita-Teams. Künftig sollen sogenannte multiprofessionelle Teams eingeführt werden, in denen pädagogische Fachkräfte durch zusätzliche Alltagsbegleiter und Office Manager entlastet werden. Während Alltagsbegleiter unterstützende Aufgaben in der Betreuung übernehmen, sollen Office Manager sich um administrative Tätigkeiten kümmern. Durch diese Neuaufstellung soll es den Fachkräften möglich sein, sich stärker auf ihre pädagogischen Aufgaben zu konzentrieren. Eine Grundqualifizierung der neuen Mitarbeitenden soll sicherstellen, dass die Betreuungsqualität erhalten bleibt.

Bis die Umstrukturierung Wirkung zeigt, werden die Betreuungszeiten reduziert. Die Stadt plant, die Betreuungszeit im Bereich der Verlängerten Öffnungszeiten (VÖ) von derzeit sieben auf sechs Stunden zu reduzieren. In jedem Stadtteil soll jedoch mindestens eine Einrichtung weiterhin ein siebenstündiges Betreuungsangebot bereitstellen. Diese Maßnahme ist bis Ende 2026 befristet und soll kurzfristig dabei helfen, die Dienstplangestaltung flexibler zu machen und Personalausfälle besser aufzufangen. „Insgesamt wird dadurch der Personalbedarf um rund neun Stellen reduziert“, sagt Reith. Das soll die Belastung des bestehenden Teams verringern.

Veränderung wird nicht allen Familien leichtfallen

Reith betont die Notwendigkeit dieser Schritte: „Mit diesem Maßnahmenpaket schlagen wir Lösungen für die drängenden Herausforderungen im Kita-Bereich vor. Wir wollen langfristig Stabilität und Verlässlichkeit erreichen.“

Foto: Janina Link

Andrea Gerster, Leiterin des Amts für Kinder und Familie, räumt ein, dass die Kürzungen der Betreuungszeiten nicht für alle Familien einfach sein werden. In den letzten Monaten habe es intensive Diskussionen gegeben, und kritische Stimmen seien in das Maßnahmenpaket eingeflossen – etwa durch die Sicherstellung eines siebenstündigen Betreuungsangebots in jedem Stadtteil. „Unser Ziel ist eine Lösung, die sowohl für die Familien als auch für unsere Beschäftigten tragbar ist und die Situation langfristig verbessert“, so Gerster. Der Gemeinderat wird am 31. März im Verwaltungsausschuss und am 8. April im Gesamtgremium über das Paket beraten und eine finale Entscheidung treffen.

Auch in Sindelfingen und Böblingen wird nach Lösungen gesucht

In Böblingen steht man vor dem gleichen Problem. Die dort getroffenen Maßnahmen zur Personalgewinnung sind ähnlich wie in Herrenberg. So will die Stadt Böblingen mit außertariflichen Zulagen, mehr Ausbildungsplätzen und pädagogischen Fachkräften aus Italien sowie Hilfskräften das Personalproblem in den Kindertagesstätten beheben. Verstärkt wurde auch die eigene Ausbildung. Aktuell stellt die Stadt pro Jahr 20 Azubis für die praxisintegrierte Ausbildung zum Erzieher (PiA) ein.

Auf PiA setzt man auch in Sindelfingen – und würde damit gut fahren, wie das Sindelfinger Rathaus jüngst verlauten ließ. Auf Fachkräfte aus dem Ausland, genauer: aus Spanien, hat man auch in Herrenberg schon gesetzt – ein Verfahren, das noch weiterhin laufen würde, so Andrea Gerster.

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