Landauf, landab war es zu lesen: Die Kita-Gebühren werden für das nächste Kindergartenjahr erhöht. Im Kreis Böblingen und darüber hinaus gingen in den letzten Wochen die Zahlen durch den Gemeinderat. In vielen Kommunen werden die Beiträge um 8,5 Prozent erhöht. Doch längst nicht überall: In Aidlingen stehen für einige Eltern starke Erhöhungen an.
Städte- und Gemeindetag empfiehlt ein Plus von 8,5 Prozent
Darüber, wie hoch die Elternbeiträge ausfallen sollen, verständigen sich der baden-württembergische Städtetag und Gemeindetag gemeinsam mit den Kirchenleitungen und den kirchlichen Fachverbänden. Für das Kindergartenjahr 2023/2024 empfehlen die Vertreter eine Erhöhung um 8,5 Prozent. Mit der Festsetzung der Elternbeiträge sollen die steigenden Kosten im Kita-Bereich abgefedert werden. Gemeinsam mit Bund, Länder, Kommunen finanzieren die Eltern die Einrichtungen. Dabei wird ein Kostendeckungsgrad von 20 Prozent durch Elternbeteiligung angestrebt. In dem Rundschreiben des Städte- und Gemeindetags schreiben die Vertreter: „Nachdem Eltern und Familien verschiedentlich bei der Kompensation der gestiegenen Lebenshaltungskosten geholfen wurde und insbesondere Eltern in prekärer wirtschaftlicher Lage von den Erhöhungen nur bedingt betroffen sind, wird die vorgeschlagene Erhöhung als vertretbar angesehen.“ Viele Gemeinden im Kreis Böblingen, wie zum Beispiel Schönaich, haben die Empfehlung im Gemeinderat abgenickt.
Prinzipiell obliegt es den Kommunen, die Höhe ihrer Kita-Gebühren festzulegen. Und so kommt es landauf, landab zu mitunter recht drastischen Unterschieden bei den Beträgen, die Eltern zu berappen haben.
In Aidlingen gibt es in manchen Bereichen eine Erhöhung von über 20 Prozent
In Aidlingen beispielsweise droht einigen Eltern jetzt eine Erhöhung von über 20 Prozent. Im Gemeinderat Mitte Juli wurde darüber auch dementsprechend kontrovers diskutiert. Wohlgemerkt sind nicht alle Gruppen gleichermaßen von der Erhöhung betroffen, bei einigen sinkt der Beitrag sogar. Doch an was liegt das? „Der Grund für die abweichende Gebührenerhöhung ist der, dass wir die Kindergartengebühren in diesem Jahr extern haben kalkulieren lassen“, erklärt Michelle Lang, Sachbearbeiterin in der Kämmerei. Dabei seien die Kosten der verschiedenen Betreuungsformen durchgerechnet worden. „Das haben wir gemacht, um unsere Gebühren dem tatsächlichen Aufwand der einzelnen Betreuungsformen anzupassen“, sagt sie. Ein weiterer ausschlaggebender Punkt für die Erhöhung sei gewesen, dass die Aidlinger Gebühren im vergangenen Jahr nicht erhöht worden waren.
Die Kosten für die Ganztagesbetreuung für Kinder unter drei steigen kräftig
Für viele Eltern bedeutet das, dass sie in den nächsten Jahren mit einer Erhöhung im Zweierschritt rechnen müssen. Die bis zu zehnstündige Ganztagsbetreuung von Kindern über drei Jahren in der Betreuungsform steigt beispielsweise bis zum Kindergartenjahr 24/25 von aktuellen 478,50 Euro auf 534,50 Euro an. Die größten Veränderungen gibt es in Aidlingen allerdings für Eltern von Kindern unter drei Jahren. Nur wer das Modell der verlängerten Öffnungszeiten gewählt hat, kann sich freuen: Die momentanen Gebühren von 362,50 Euro sinken dann bis 2024/25 auf 337 Euro. Wer seine unter drei Jahre alten Steppkes hingegen den ganzen Tag über betreuen lassen will, muss mit einer saftigen Erhöhung rechnen. Statt den aktuellen 686 Euro müssen Eltern dann 951,50 Euro berappen.
Wie hoch die Gebühren in den jeweiligen Kommunen ausfallen, hängt nicht zuletzt davon ab, wie gut die Gemeinde Einnahmen aus anderen Bereichen generieren kann. Das bedeutet beispielsweise, dass Gemeinden mit hohen Gewerbesteuern einen Vorteil haben können, wenn es darum geht, die Gebühren niedrig zu halten. Aidlingen, erklärt Michelle Lang, steht da vergleichsweise schlecht da: Wegen des geringen Gewerbesteueraufkommens gebe es nur wenig Spielraum, die Kitagebühren aus eigener Tasche großzügiger zu subventionieren.