In der Kita geht es um mehr, als bloß um satt und sauber. Das hat aber auch seinen Preis. Foto: dpa/Patrick Pleul
Angesichts klammer Kassen erhöhen viele Kommunen die Preise für die Kita. Was zahlt man in den Städten in der Region? Und worauf müssen sich Eltern in Stuttgart einstellen?
Genau 15 Prozent mehr pro Kind: Tübinger Eltern zahlen seit Anfang Juni deutlich mehr für einen Kitaplatz. Die Stadt erhöht die Gebühren in diesem und im nächsten Jahr schrittweise um jeweils 7,5 Prozent. Der erste Aufschlag ist schon durch, der zweite erfolgt im Juni nächsten Jahres.
Für eine Familie mit einem Einkommen von bis zu 85 000 Euro im Jahr heißt das zum Beispiel: Rund 440 Euro monatlich bis Mai 2026 für einen Ganztagsplatz in der Krippe – 30 Euro mehr als davor. Ein Kindergartenplatz mit acht Stunden täglicher Betreuung kostet nun rund 400 Euro pro Kind. Eltern mit höherem Einkommen zahlen mehr als Eltern mit einem geringen Einkommen. Die Stadt begründet die Entscheidung mit dem großen Haushaltsloch. Mehr als 800 000 Euro soll die Maßnahme pro Jahr zusätzlich einbringen.
Stuttgarter Eltern stehen bei den Betreuungskosten im Vergleich gut da
In Leinfelden-Echterdingen müssen Eltern für einen Kitaplatz bald tiefer in die Tasche greifen. Trotz Elternprotest erhöht die Stadt die Gebühren ab September um durchschnittlich 12,7 Prozent. Für Krippenkinder zahlen Familien künftig 3,25 Euro pro Stunde. Bei einer Betreuung von acht Stunden am Tag sind das rund 520 Euro im Monat. Für Kindergartenkinder wird es im Schnitt um 7,2 Prozent teurer: Eine Stunde kostet dann 1,55 Euro, im Monat sind das 248 Euro. Bisher hing der Stundensatz davon ab, wie viele Stunden das Kind pro Woche betreut wird. Das wird nun vereinheitlicht.
Ludwigsburg Die Stadt Ludwigsburg hat ihre Kitagebühren schon im vergangenen April erhöht. Während Eltern für Kinder unter drei Jahren monatlich bisher 411 Euro plus 70 Euro Essensgeld gezahlt haben, kosten die acht Stunden Betreuung täglich jetzt 445 Euro. Bei älteren Kindern steigt der Beitrag von 248 auf 268 Euro monatlich. Auch das Essensgeld hat die Stadt um 10 Euro auf 80 Euro erhöht.
Die Gebühren sind oft an das Einkommen der Eltern gebunden
Esslingen In Esslingen sind die Gebühren, ähnlich wie in Tübingen, nach dem Brutto-Einkommen gestaffelt. Familien, die weniger als 50 000 Euro im Jahr verdienen, bezahlen für die Ganztagsbetreuung eines Kindes unter drei Jahren 340 Euro und ab drei Jahren 200 Euro im Monat. Bei einem Einkommen von mehr als 160 000 Euro im Jahr können sogar bis zu 1090 Euro fällig werden. Hinzu kommt, einkommensunabhängig, ein Essensgeld von 79 Euro pro Monat.
Waiblingen In Waiblingen funktioniert die Verteilung der Beiträge ähnlich. Statt aber feste Beträge anzusetzen, berechnet die Stadt prozentuale Anteile am Brutto-Einkommen des Haushalts. Bei einer Betreuung von 36 bis 40 Stunden wöchentlich werden etwa 0,34 Prozent des Einkommens bei Kindern über drei Jahren und 0,44 Prozent bei Kindern unter drei Jahren fällig – inklusive Mittagessen. Bei einem Jahreseinkommen von mehr als 120 000 Euro gilt der Höchstsatz. Das sind 408 Euro für einen Kindergartenplatz und 528 für einen Krippenplatz.
Sindelfingen In Sindelfingen geben Eltern von Kindern ab drei Jahren für eine durchgängige Betreuung zwischen 7.30 und 16 Uhr insgesamt 136,50 Euro aus. Wer sein Kind früher bringen oder später abholen möchte, zahlt extra. Bei Kindern unter drei Jahren liegen die Gebühren bei 273 Euro.
Böblingen In Böblingen kosten 40 Wochenstunden Betreuung für Krippenkinder 276 Euro – im Monat – plus 90 Euro für das Essen. Kindergartenkinder ab drei Jahren kosten 138, hier liegt das Essensgeld bei 100 Euro. In allen genannten Städten zahlen Eltern, die mehrere Kinder gleichzeitig in der Kita unterbringen, pro Kopf weniger.
Stuttgart Die Kitagebühren in der Landeshauptstadt sind seit 2020 konstant. Eltern zahlen für eine Ganztagsbetreuung bei Kindern unter drei Jahren aktuell 219 Euro im Monat, ab dem 3. Lebensjahr aufwärts sind es 149 Euro. Hinzu kommen 70 Euro Essensgeld. Inhaber der „Familiencard“ zahlen weniger.
Auch vom Alter hängt die Höhe der Beiträge ab: Krippenkinder kosten deutlich mehr. Foto: Uwe Anspach/dpa
Wer sich die Gebühren in den verschiedenen Städten der Region Stuttgart genauer ansieht, stellt fest: Es ist ein ziemlicher Flickenteppich. Ob Familien mehr oder weniger für die Betreuung zahlen müssen, hängt stark vom Wohnort ab. Einwohner der Landeshauptstadt sind in einer vergleichsweise glücklichen Lage. Nicht nur sind die Beiträge geringer, auch hat Stuttgart die Gebühren in den vergangenen Jahren nicht erhöht.
Aber auch Stuttgart ist knapp bei Kasse, die Stadt rechnet 2025 mit einem Minus von 893 Millionen Euro. Müssen Familien mit einem Kitaaufschlag rechnen? „Stuttgart befindet sich wie andere Kommunen in einer schwierigen Finanzlage“, heißt es von der Stadt.
„Es kann in allen Bereichen zu Veränderungen und Anpassungen kommen.“ Die Kitas seien keine Ausnahme. Ob es tatsächlich teurer wird, entscheidet der Gemeinderat. Beratungen zum Haushalt stehen in der zweiten Jahreshälfte an, heißt es von der Stadt. „Dabei werden die künftigen Kitagebühren bestimmt auch ein Thema sein.“