Bundesweit haben rund 3,5 Millionen Familien ihre noch nicht schulpflichtigen Kinder in Betreuungseinrichtungen – normalerweise. Eltern und Arbeitgebern wird viel abverlangt. Etliche Firmen zeigen sich kulant angesichts der Ausnahmesituation.
Homeoffice, Gleitzeit oder bezahlter Urlaub
„Wo immer es möglich ist, sollte von zu Hause aus gearbeitet werden,“ erklärt ein Sprecher von Daimler. Wenn dies nicht möglich sei, aber trotzdem Kinder betreut werden müssten, könnten die Beschäftigten nach Absprache mit der Führungskraft „Gleitzeit oder bezahlten Urlaub nehmen“. Erziehende mit Kindern bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres könnten zudem das tarifliche Zusatzgeld 2020 in acht freie Tage umwandeln.
Beim Waiblinger Motorsägenhersteller Stihl wurden schon vor der Corona-Krise flexible und mobile Arbeitszeitmodelle angeboten. Homeoffice sei daher „ein bewährtes Instrument, um Beschäftigte zu unterstützen, die Kinder betreuen müssten“, sagt ein Sprecher. Die jetzige Regelung werde aufrechterhalten, solange es zur Minimierung der Infektionsgefahr nötig sei. Da es keine Kurzarbeit gibt, wird das volle Gehalt bezahlt.
Beim Automatisierungsspezialisten Manz in Reutlingen gibt es eine Vertrauensarbeitszeit und damit „ein hohes Maß“ an Flexibilität. Irgendwann aber wird dieses System an seine Grenzen stoßen“, sagt ein Sprecher. Bei Porsche ist ein Drittel der Beschäftigten in Kurzarbeit. Das Kurzarbeitergeld wird auf 100 Prozent des Nettogehalts aufgestockt. Alle anderen Mitarbeiter arbeiten mobil, bauen Resturlaub oder Stundenkonten ab. Diese Regelung werde „auf jeden Fall in den kommenden zwei Wochen beibehalten“, heißt es. Beim Ditzinger Maschinenbauer Trumpf können die Beschäftigten in bestimmten Bereichen inzwischen zu hundert Prozent mobil arbeiten. Damit habe man auf die Schließungen von Kitas und Schulen reagiert, so ein Sprecher. Zuvor konnten 20 Prozent der Wochenarbeitszeit mobil absolviert werden. Nach einer Wiedereröffnung von Kitas und Schulen gelte wieder die 20-Prozent-Regelung.
SAP plant Netzwerk der Alleinerziehenden
Beim Walldorfer Softwareriesen SAP weiß man, wie schwer bisweilen die Arbeit im Homeoffice ist, wenn noch Kinder betreut werden müssen. Deshalb zeigt sich SAP nach eigenen Angaben großzügig, pragmatisch und mitarbeiterorientiert. „Ziel ist es, dass sich Mitarbeiter auch im Homeoffice nicht zwischen Job, Familie oder gar der eigenen Gesundheit entscheiden müssen“, sagt Cawa Younosi, Personalchef für Deutschland. Man informiere die Mitarbeiter regelmäßig in Form von virtuellen Mitarbeiterversammlungen, wo man auch Angebote wie Live Cooking mit Tim Mälzer vorstelle oder auf konkrete Fragen eingehe. Nun mache sich bezahlt, dass SAP schon vor Jahren in die Infrastruktur für Mobilarbeit investiert habe. Alle Mitarbeiter seien etwa mit Laptops und iPhones ausgestattet und hätten schon vor der Krise im Schnitt 2,6 Tage in der Woche von zuhause gearbeitet. Für die aktuelle Situation sei auch ein Netzwerk der Alleinerziehenden in Vorbereitung, Start soll am 2. Mai sein.
Der IT-Konzern Hewlett Packard Enterprise (HPE), der seine Deutschlandzentrale in Böblingen hat, empfiehlt allen Mitarbeitern, von zu Hause zu arbeiten, wenn die Anwesenheit vor Ort nicht zwingend erforderlich ist. „Um Kinderbetreuung zu ermöglichen, gewähren wir viel Flexibilität bei der Gestaltung der Arbeits- und Urlaubszeiten. Gehälter werden unverändert ausbezahlt“, sagt ein Sprecher.
Der Finanzdienstleister W&W hat nach den Angaben eines Sprechers den Rahmen für die Arbeitszeit auf sechs Uhr bis 21 Uhr ausgedehnt. Zwischen 70 und 80 Prozent der Mitarbeiter sind im Homeoffice tätig. Zudem können Urlaub und Zeitguthaben eingesetzt werden, wenn Mitarbeiter entlastet werden möchten. Für Alleinerziehende gibt es zusätzliche Beratungsangebote.
Auch Bosch unterstützt derzeit eine noch stärkere Nutzung von Homeoffice. Aufgrund der Schließungen von Kitas und Schulen stimmten sich die Mitarbeiter mit ihrer Führungskraft ab, um gemeinsam die bestmögliche Lösung für ihre jeweilige Situation zu finden, heißt es bei dem Technologiekonzern. Neben Homeoffice, Gleitzeit- oder Urlaubsnahme könnten zur Überbrückung der Ausfallzeiten für Anspruchsberechtigte auch die Freistellungstage der tariflichen Zusatzgeldregelung (T-Zug) oder eine temporäre Anpassung der Arbeitszeiten vereinbart werden. Das Kurzarbeitergeld stockt Bosch aufgrund tariflicher und betrieblicher Regelungen für den Großteil der Mitarbeiter auf.
Beim Esslinger Autozulieferer Eberspächer gibt es derzeit Kurzarbeit, aber auch Mitarbeiter im Homeoffice. „Aber wenn die Kitas über Monate hinweg geschlossen bleiben, stehen wir vor einer Herausforderung, auf die wir keine Antwort haben“, sagt eine Sprecherin.