Kita-Umbau Das Baurechtsamt bremst

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Der Kinderschutzbund und eine Elterninitiative bauen im Stuttgarter Westen eine Kneipe zu einer Kindertagesstätte um. Doch der Zeitplan droht zu platzen.

Hier wollen Eltern und ein Verein eine Kinderkrippe einrichten. Foto: Zweygarth
Hier wollen Eltern und ein Verein eine Kinderkrippe einrichten. Foto: Zweygarth
Stuttgart - Für Kleinkinder fehlen 4400 Krippenplätze in der Stadt. Für die Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer ist dies "eines der brennendsten Probleme in Stuttgart" - und für viele Eltern eine existenzielle Sache. Deshalb hat der Kinderschutzbund e.V. beschlossen, selbst aktiv zu werden. Der Verein kaufte in der Hasenbergstraße im Stuttgarter Westen eine Kneipe und will sie zu einer Krippe umbauen. Die Kita Berghasen soll von 1. April an 15 Kleinkinder betreuen. Doch nun gerät der Zeitplan durch die Intervention des Baurechtsamts ins Wanken.

Zunächst habe man geglaubt, die Krippe bereits am 1. Februar eröffnen zu können - "doch das war wohl eine naive Idee", räumt Uwe Bodmer, einer der Vorstände des Kinderschutzbundes, der die Trägerschaft der Kita übernommen hat, selbstkritisch ein. In Zusammenarbeit mit zwei Architekten habe man das Baugesuch am 15. November vergangenen Jahres eingereicht, am 7. Dezember habe das Baurechtsamt den Erhalt bestätigt. Die Frist zur Bearbeitung sei auf drei Monate festgesetzt worden.

Die Eltern sind enttäuscht


Doch mit einem Schreiben vom 23. Dezember habe das Gesundheitsamt zusätzliche Umkleideräume und Toiletten für das Küchenpersonal zur Auflage gemacht. Bereits einen Tag später habe der Architekt klargestellt, dass die Küche nicht von externen Mitarbeitern, sondern ausschließlich von den Erzieherinnen benutzt werden solle und somit keine Änderungen notwendig seien. Drei Wochen später habe das Baurechtsamt wissen lassen, dass die Bearbeitungsfrist für das Baugesuch durch die Beteiligung weiterer Fachämter nun auf 11. April verlängert worden sei.

Die Architekten und tatkräftige Eltern nutzten die Zeit, um das Kneipeninventar auszubauen, die Elektrik zu erneuern, den alten Bodenbelag zu entfernen und zwei bestehende, vom Vorgänger verschlossene Türdurchbrüche wieder zu öffnen - Letzteres allerdings, ohne die Statik zuvor vom Baurechtsamt prüfen und genehmigen zu lassen. Zwei Tage später sei die Baukontrolle gekommen und habe am 2. Februar jegliche weitere Bautätigkeit untersagt - auch statisch unbedenklicher Arbeiten. "Eine Baufreigabe ist erst möglich, wenn der Bauantrag abschließend bearbeitet ist", schrieb Kirsten Rickes, die Leiterin des Baurechtsamts, dem Fraktionschef der Grünen im Rathaus, Werner Wölfle, der sich in die Sache eingeschaltet hatte. Im Blick auf die Engpässe im Amt könne man den Bauantrag für die Kita anderen Antragstellern nicht vorziehen, so Rickes.

Auf eine neuerliche Anfrage des Kinderschutzbundes erklärte die Amtsleiterin jetzt, man könne lediglich den Austausch der Fenster freigeben, weitere Maßnahmen zum Innenausbau jedoch nicht. Bodmer und die Eltern sind nun enttäuscht: "Es ist ärgerlich, wenn man selber mit anpackt und dann aufläuft."

Schon ein früherer Versuch war gescheitert


Gegenüber der StZ erklärte Rickes: "Es gibt bisher weder eine Baugenehmigung noch eine Baufreigabe. "Der Bauherr kennt die Bauauflagen noch nicht." Schließlich könne man gerade bei einer Kita keine Zugeständnisse bei der Sicherheit machen. Und ohne den Roten Punkt dürfe nun mal nicht umgebaut werden.

Doch der Kinderschutzbundhat - offenbar in Unkenntnis der üblichen baurechtlichen Abläufe - bereits fünf Betreuerinnen eingestellt. Die betreuen seit 1. Februar fünf Kinder, und zwar in einer Kleiderkammer des Kinderschutzbundes, die ebenfalls in ehrenamtlicher Arbeit dafür umgestaltet wurde. Bis zu sieben Kinder dürften dort betreut werden, so Bodmer. Für die acht weiteren, deren Eltern mit einem Kitastart am 1. April gerechnet hatten, müsse man noch eine Lösung finden.

Entnervt ist Bodmer auch deshalb, weil bereits ein früherer Versuch, in einer eigens dafür gekauften Wohnung in einem Wohnhaus ein sogenanntes Pflegenest in eine Kita umzuwandeln, gescheitert war. Damals hatten die Bewohner ihr Veto gegen die geplante Nutzung eingelegt.

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